Sonntag, 19. November 2006


Archangel

Kanada, 1990
Regie: Guy Maddin
Darsteller: Kyle McCulloch, Kathy Marykuca, Ari Cohen

Dieser Film scheint der expressionistischen Stummfilmära entsprungen zu sein und als Regisseure könnten auch David Lynch, Luis Buñuel und Ed Wood im Team in Frage kommen. Während des Ersten Weltkrieges entspinnt sich in der russischen Stadt Archangelsk ein vertracktes Liebesdreieck zwischen einem kanadischen Soldaten, einer russischen Krankenschwester und deren Ehemann. Sie wollen um jeden Preis lieben, wissen aber beim besten Willen nicht mehr wen, denn Gedächtnisverluste stellen sich permanent ein. In diesem delirierenden Melodram kommt auch schwarzer Humor nicht zu kurz. Mit anderen Worten: Ein Film, der genau nach meinem Geschmack ist.

(Eine umfangreiche Retrospektive des kanadischen Filmemachers Guy Maddin gibt bzw. gab es zurzeit in einigen Städten in Deutschland und in der Schweiz zu sehen.)

- 2006.11.19, 13:46
17 Kommentare - Kommentar verfassen



17 Responses to Archangel

  1. beziehungstechnisch gesehen scheint der film ja dem zeitgeist zu entsprechen *g*

  2. honigsaum sagt:

    Interessant (wobei der Hinweis auf Ed Wood ja eine etwas zwiespältige Empfehlung ist), vor allem in visueller Hinsicht (das kann ich natürlich nur aus dem Foto schließen) und offenbar schön verwickelt (das gefällt mir).

    • C. Araxe sagt:

      Der Ed-Wood-Vergleich rührt vor allem vom Setting her, aber die Pappkulissen fügen sich wunderbar in diesen Film ein. Die Filmbilder sind oft zerkratzt, am Rande unscharf und ins Dunkle auslaufend wie bei alten Filmen. Die Verwicklungen im Film gleiten all zu oft ins Surreale ab, ebenso wie die Bilder. Es schneit schon mal weiße Kaninchen an der Front.

    • C. Araxe sagt:

      Hier noch zwei Kurzfilme von Guy Maddin:

      „The Eye Like a Strange Balloon“


      „The Heart of the World“

    • NibblesChris sagt:

      Es kommt mir fast so vor, als hätte er in meine Träume hinein gefilmt….ganz schön seltsam, das mit den realen Augen zu sehen.

    • C. Araxe sagt:

      Sehr surrealistisch eben:

      „Ich glaube an die künftige Auflösung dieser scheinbar so gegensätzlichen Zustände von Traum und Wirklichkeit in einer Art absoluter Realität, wenn man so sagen kann: Surrealität.“

      André Breton

    • NibblesChris sagt:

      Das war eine tolle Zeit. Vielleicht gerade weil ich sie mir zurück wünsche, habe ich solche Träume (I call them Mickey Mouse dreams). Es geht doch nichts über eine gesunde Portion Surrealismus im Leben.
      *trübsinnig auf meinen Büroschreibtisch glotz*

      Das sehen aber nicht alle so. Als ich meine Hana to Hidamari no Tami (eine Blume, die durch Solartechnik dazu bewegt wird, ihren Blütenkopf hin und herzuschwingen) im alten Büro auf dem Schreibtisch stehen hatte, wurde ich angemotzt, das Gewackel wäre irritierend. Und in meinem neuen Büro darf ich noch nicht mal bunte Bonbons im Glas auf dem Regal stehen haben. Und da wundern sich meine Mitmenschen, dass ich eingehe….

    • C. Araxe sagt:

      Gegen Bonbons im Glas hätte ich nix, wohl aber, wenn es sich um Schokolade handeln würde. Da hätte ich sofort die UNO-Menschenrechts-Kommission und Amnesty International verständigt. Es sei denn, Sie würden das verschweigen – alles andere ist Folter.

    • NibblesChris sagt:

      Die Schokolade schafft es nie bis ins Glas…

    • C. Araxe sagt:

      Dann bin ich ja beruhigt. Also auch in Ihrem Sinne.

  3. Auch ich fand den Film absolut sehenswert.
    Allein für die Szene, in der sich Vater und Sohn im Tod doch noch näher kommen, lohnt sich der Kinobesuch.

    Allerdings werde ich übermorgen nicht mitkommen.
    Der wahre Surrealismus findet z.Z. in meinem Büro statt, und das hat auch was!

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