Freitag, 13. Januar 2012


Aufatmen

Erst sah es sehr schlimm aus und nach dem Arztbesuch folgte auch gleich die Einweisung ins Krankenhaus. Bei alten Leuten kann das öfter passieren, als einem lieb ist – wobei man natürlich auf jede Erkrankung verzichten kann. Um was es sich diesmal handelte, war indes zunächst ungewiss. Das darf einem am Telefon vom Krankenhauspersonal ja nicht mitgeteilt werden. Aber es gibt dann doch immer wieder sehr nette Leute und dabei handelte es sich eindeutig bei dieser Krankenschwester, die das Telefon zur Patientin ins Zimmer trug, die mir dann die Diagnose erzählen konnte und mich damit von einem Hochgebirge an Sorgen befreite. Nicht mal eine Operation ist notwendig. So viel Erleichterung gibt es aber leider nicht bei allen, die mir nahe stehen. Vor allem, wenn diese noch viel zu jung sind, um vom Leben Abschied zu nehmen. Hier heißt es allerdings erst einmal abzuwarten und Daumen zu drücken, wenn die OP erfolgt.

- 2012.01.13, 19:19
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1 Response to Aufatmen

  1. JamesBallard sagt:

    Das Leben und das Ticken der Uhr Es ist schön zu hören, dass es gut ausgegangen ist und ich drücke wirklich die Daumen für den- oder diejenigen, für die man das tun muß.

    Das Dasein kann manchmal so selbstverständlich wirken, zu manchen Zeiten geradezu profan. Und man bedenkt dabei selten, wie wertvoll und zerbrechlich das Leben eigentlich ist…

    Die scharfe Kurve, in die man zu schnell gefahren ist, die Landung bei Sturm, in der der Flieger so heftig aufsetzte, dass er wieder ein Stück nach oben sprang, der Arztbesuch, bei dem man nur eine harmlose Diagnose wie eine Allergie bekommen hat…

    Viele fürchten sich davor, daß es immer gut ausgeht, bis es irgendwann einmal nicht gut ausgeht. Man kann nicht wegdiskutieren, dass für uns alle irgendwo eine Uhr tickt, und wenn es einmal wieder knapp war, dann hört man ihr Ticken sogar. Aber was anfangen mit dieser Erkenntnis? Sollten wir nun in Furcht und Kummer leben ob der „human condition“?

    Ich weiß es nicht, aber mich tröstet Epikur:

    „Gewöhne dich an den Gedanken, daß der Tod uns nichts angeht. Denn alles Gute und Schlimme beruht auf der Wahrnehmung. Der Tod aber ist der Verlust der Wahrnehmung. Darum macht die rechte Einsicht, daß der Tod uns nichts angeht, die Sterblichkeit des Lebens genußreich, indem sie uns nicht eine unbegrenzte Zeit dazugibt, sondern die Sehnsucht nach der Unsterblichkeit wegnimmt. Denn im Leben gibt es für den nichts Schreckliches, der in echter Weise begriffen hat, daß es im Nichtleben nichts Schreckliches gibt. Darum ist jener einfältig, der sagt, er fürchte den Tod nicht, weil er schmerzen wird, wenn er da ist, sondern weil er jetzt schmerzt, wenn man ihn erwartet. Denn was uns nicht belästigt, wenn es wirklich da ist, kann nur einen nichtigen Schmerz bereiten, wenn man es bloß erwartet.

    Das schauerlichste Übel also, der Tod, geht uns nichts an; denn solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr.“

    (aus „Brief an Menoikeus“)

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