Montag, 19. Juni 2006


Auferstanden aus Ruinen

Schwarz-Rot-Gold, wohin man blickt. War es zunächst lediglich die bunte Warenwelt, die plötzlich nur noch mit drei Farben auskam, so kann man inzwischen keinen Schritt mehr gehen, ohne dass einem diese Farben entgegen flattern.

Mich erinnert das sehr stark an vergangene Zeiten, als es solche Anordnungen gab. Zu gegebenen Anlässen waren die Häuser mehr Flaggen als Haus. Es wurde dann auch schon mal nachgefragt, wenn man nicht geflaggt hat. Später dann zu Wendezeiten wurde freiwillig Flagge gezeigt: Schwarz-Rosa-Gold, mit einem roten Kreis in der Mitte.

Und manchmal sind es nicht nur Erinnerungen, die einen hier zurzeit umgeben:

Edit: Kein Einzelfall.

Anmerkung:
Auch wenn es keine Alternativen zu geben scheint, war diese Anfrage hier vollkommen falsch.

- 2006.06.19, 11:13
40 Kommentare - Kommentar verfassen



40 Responses to Auferstanden aus Ruinen

  1. MarkusSorger sagt:

    Bei mir im Block gibt’s ein Haus, bei dem sich die Mieter wohl abgesprochen haben. Da hängen nämlich die Flaggen aller 32 teilnehmenden Länder aus den Fenstern. Das find‘ ich schon wieder klasse.

  2. ConAlma sagt:

    Fähnlein am Fenster Die Wiener Kindheit im Gemeidebau hat auch die SPÖ-Fähnlein-Kultur – nicht nur zum 1.Mai – mit sich gebracht:

    An allen Fensterstöcken waren zu beiden Seiten der Fenster Halterungen angebracht, in die dann die Partei-Fähnchen gesteckt werden konnten. Am besten hatten mir die in den 60er-Jahren gebräuchlichen mit dem von drei Pfeilen durchstoßenen Kreis gefallen.

    Man konnte auch sehr schön beobachten, wie das rote Fähnchenmeer im Lauf der Jahre immer schütterer wurde. Und heute? Schwer zu sagen, eine Ferndiagnose aus dem schwarzen Tirol ist mir nicht möglich. Aber ich glaube, diese Bekennersitte ist ziemlich gestorben.

    • C. Araxe sagt:

      Hm, ein Überbleibsel aus sowjetischer Besatzungszeit?

      Wenn hier in Hamburg ansonsten (außerhalb von nationalen und/oder Fußballbekenntnissen) Fahne gezeigt wird, dann sieht man z.B. besonders in St. Georg die Regenbogenfahne. Es gibt also durchaus neuere Ansätze.

  3. pikas sagt:

    Ist auf einmal alles so schön bunt hier…

    Also jetzt nicht hier, sondern draußen in Deutschland.

    • C. Araxe sagt:

      Gibt’s bei Ihnen keine schwarz-rot-goldene Übermacht?

    • pikas sagt:

      Von Übermacht würde ich nicht reden wollen – eher von Mehrheit. Das Ruhrgebiet siet sich insgesamt wohl als Austragungsort, daher gibt es auch von öffentlicher Seite Beflaggung – allerdings internationaler Art. Ergänzt wird das durch private Haus- und Autobeflaggung. Durch den recht hohen Ausländeranteil hier gestaltet die sich aber auch recht farbenfroh. Selbst die Türken und die Griechen machen mit, obwohl die gar nicht an der WM teilnehmen.

    • C. Araxe sagt:

      ’nen hohen Ausländeranteil gibt’s hier ja auch, aber die sind alle so sehr assimiliert, dass die fast alle Deutschlandfahnen schwingen. Mutter mit Burka und Kind mit Deutschlandfahne trifft man schon gehäuft an.

  4. bei uns flaggen auch fast alle schwarz-rot-gold selbst aus fenstern hängen fahnen. ( aber noch keine aus der ehemaligen ddr ) vereinzelt sieht man italienische oder brasiliansiche flaggen. WIE LANGE dauert das spektakel noch?

  5. MarkusSorger sagt:

    Bei mir im Block gibt’s ein Haus, bei dem sich die Mieter wohl abgesprochen haben. Da hängen nämlich die Flaggen aller 32 teilnehmenden Länder aus den Fenstern. Das find‘ ich schon wieder klasse.

  6. …und der Zukunft zugewandt…la la la…

  7. zwilobit sagt:

    Sie schreibt wieder!
    Sie schreibt wieder!

    (Jetzt lese ich erstmal, was. 😉

  8. Und wie, bitteschön, ist das Gruselkabinett beflaggt?

  9. dnepr sagt:

    nicht überbewerten komisch wenn italiener oder franzosen flagge zeigen ist das ein ausdruck von lebensgefühl und wenn sie ihre nationalhymne singen möchte man am liebsten mit tanzen . wie so machen wir nur immer so eine große sache drum ? solange keiner die reichskriegsflagge schwenkt finde ich nichts schlimmes dran.

    • C. Araxe sagt:

      Ich stehe einem gesteigerten Nationalgefühl generell skeptisch gegenüber, auch bei Franzosen oder Italienern. Die Übergänge von national zu nationalistisch zu rassistisch sind fließend. Und bei euphorisierten Massen, bei denen auch nur ansatzweise ein nationaler Aspekt eine Rolle spielt, habe ich nun mal kein gutes Gefühl.
      Auch nicht ohne Grund. Als Deutschland 1990 Weltmeister wurde, meinten beispielsweise viele Rechtsradikale zur Feier des Tages alles „platt machen“ zu müssen. Fand ich nicht sehr amüsant, vor allem, da ich mich zu der Zeit in einem besetzten Haus aufhielt, welches gestürmt werden sollte. Ja, das war im Osten, aber Rechtsradikalismus gibt es in ebenso erschreckendem Ausmaß im Westen. Ich kann jedenfalls nicht erkennen, warum ich auf dieses Land stolz sein sollte. Und wenn derzeit gesagt wird, dass man ja nur endlich auch wieder einfach Nationalstolz zeigt, und dies immer extra betont wird, dann wirkt das auf mich mehr als verkrampft.

    • Paulaline sagt:

      ja aber ist es denn, gerade weil ja immer noch alles verkrampft ist, nicht ein positives zeichen, daß man die flaggen überall sieht?

    • C. Araxe sagt:

      Die vielen Flaggen gibt es ja nur wegen der WM, d.h. – nur während der WM wird dazu gestanden. Und das ist verkrampft. So oder so – ich kann mit Nationalstolz überhaupt nichts anfangen und denke dann eher an Schopenhauer:

      „Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.“

    • damit hat der herr schopenhauer ein weises wort gesprochen, finde ich. einerseits freut mich derzeit, dass die menschen sich endlich freuen – statt wie sonst zu meckern. diese masseneuphorie, die man in den medien verfolgen kann ist allerdings ziemlich be ein druckend!

    • C. Araxe sagt:

      Ich hab ja auch nichts dagegen, dass sich die Leute freuen. Ja, wirklich besser als ständiges Gemecker (das nützt außerdem überhaupt nichts, wenn man nur meckert und nichts tut). Trotzdem kann ich persönlich nicht nachvollziehen, warum ich stolz sein sollte.

    • wie du schon sagts, du kannst höchstens auf dich selber oder dein kind stolz sein. was andres angeht,…. fällt in japan ein besen um 🙂

  10. sokrates2005 sagt:

    Wenn ihr … Weltmeister werdet, wird das noch einen neuen Kulminationspunkt erreichen, aber ich prognostiziere mal eine anschließend schnelle Normalisierung der Lage.
    Bleibt locker, ein wenig fröhliches Zusammengehörigkeitsgefühl kann euch nicht schaden und nimmt vielleicht auch rechten Dumpfbacken ein wenig Wind aus den Segeln.

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