Sonntag, 11. Februar 2007


Blindes Grauen

Beraubt der Bilder bleiben nur die Worte. Sie schaffen es aber mühelos, Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Bilderwelten, die weitaus kraftvoller sind als es reale Bilder je sein können. Und deshalb sind diese nicht sichtbaren Bilder um so wahrer. Alles Sehen ist Lüge, so lange man nicht dahinter schaut. Es ist kein Wegsehen, sondern ein viel genaueres Hinsehen. Die Augen schließen und das sehen, was dort hinter den Lidern im rotschimmernden Dunkel erscheint. Das können auch Worte nicht beschreiben, nur umschreiben.

Bilder verschwinden und Bilder tauchen wieder auf. Es gibt nichts, was ewig währt.

- 2007.02.11, 14:25
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29 Responses to Blindes Grauen

  1. honigsaum sagt:

    Ja, das Grauen entsteht im eigenen Kopfe. Ich gebe allerdings noch zu bedenken, dass es reale Bilder gibt, die man nicht mehr vergessen kann (was natürlich auch keine Entsprechung zu „ewig“ ist).

  2. sokrates2005 sagt:

    Zu diesem Beitrag … kam mir das Bild jener Bibliothek in den Kopf, dass ich mir machte, als ich „Der Name der Rose“ las.
    Mein Kopfbild war viel beeindruckender als die Bibliothek im Film …

    • C. Araxe sagt:

      Das ist ja das Dilemma des typischen Hollywood-Films. Dass durch immer mehr Bombast (sprich Special effects etc.) versucht wird, zu beindrucken. Das trifft zwar auf „Der Name der Rose” weniger zu, aber auch da wird ja bildlich ziemlich geklotzt und dennoch nicht das erreicht, was man teilweise erwartet. Wie bei den meisten Verfilmungen von Büchern. Erst wenn der Film eigenständige Bilder entwickelt, kann er manchmal sogar besser als das Buch sein oder zumindest ebenbürtig.

  3. Gute Schriftsteller schaffen es immer wieder uns Bilder in den Kopf zu projizieren und unsere Phantasie erledigt den Rest. Manchmal können sogar gruselige Gräusche angsteinflößender sein als der blutigste Horrorfilm.

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