Freitag, 7. Januar 2011


Der Glanz dieser Tage

Deutschland, 1989
Regie: Wenzel Storch
Darsteller: Wenzel Storch, Jürgen Höhne, Bernward Herkenrath,
Sabine Meyer, Alexandra Schwarzt

„Folterkammer filmischer Idioten.”
„Ein Schundprodukt, aus der Unterhose gefilmt.”
„Dieser Film ist schlicht und einfach eine Zumutung.”
„Hier wird derart ausgelassen in die klerikale Kacke getreten, dass es nur so spritzt.”

Genug der lobenden Zitate. Hierbei handelt es sich um den ersten Teil der Jürgen-Höhne-Triologie, der auch schon bei seinem Debüt durch seine unschauspielerische Darstellung Glanzlichter der Unfilmgeschichte setzt. Laut Wenzel Storch handelt es sich bei diesem Werk um einen römisch-katholischen Propaganda-Film, der ohne Zustimmung und hinter dem Rücken der Katholischen Kirche gedreht wurde. Ich habe die vage Vermutung, dass es nicht so gut ankommen würde, wenn das kleine Monster dieses katholische Wunderland aus Sperrmüll als Lehrmaterial für den Religionsunterricht vorschlagen würde. Nun ja, es geht auch etwas blutig zur Sache, aber für den wahren Glauben kann sich ein Priester schon mal die Hand abhacken. Immerhin kann man aus den Knochen später ein hübsches Mobilé basteln. Der Film hat soundso viel mit Basteln zu tun – bei den Specialeffekten kommt Ed Wood schwerlich mit. Selbstverständlich kam nach dem Film wieder einmal die Frage nach Drogen auf, wobei der Regisseur beteuerte, dass während der Dreharbeiten keine konsumiert wurden, privat natürlich schon … Im Film tauchen dennoch Drogen auf: kriminell angeeignete Ministrantenpopel (schließlich sind diese ausschließlich dem Vatikan vorbehalten), die für pseudoreligiöse Rauschzustände missbraucht werden. Irgendwie haben Sie das Gefühl, dass dieser Film nichts mit Glauben zu tun hat? Nehmen Sie die eben dort angepriesene Glaubenssalbe zu sich und auch Sie werden ausrufen: „Ja! Ich kann wieder glauben! Ich glaube, ich spinne.”

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Trailer

- 2011.01.07, 0:08
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24 Responses to Der Glanz dieser Tage

  1. Aha, jetzt wird mir endlich auch der Unmutsausspruch „Ich glaube, es hackt!“ so vollständig klar.

    'Unfortunate' by Glennz Tees

  2. C. Araxe sagt:

    Und heute geht’s gleich weiter, dabei habe ich immer noch das Gefühl, eine Überdosis erwischt zu haben. Aber was soll man machen, wenn Wenzel Storch im Kino läuft? Der Stoff ist sogar durch Dokus noch gestreckt. Und der Regisseur stets anwesend, was auch immer filmreif ist.

    Sagen Sie mal, Sie waren doch auch Ministrant. Drehen Sie heimlich etwa auch solche Filme?

  3. Ja, das ist richtig, Frau Araxe. Ich drehe sogar weitaus Schlimmere! In meinem letzten avantgardistischen Kurzfilm „The rise and fall of the house of Usher“ bekleidete Herr Mahakala eine Hauptrolle und fuhr auf einem zum Papamobil umgebauten roten Bobbycar, während er die ganze Zeit ausrief: „Ja! Ich kann wieder! Ich glaube, ich spinne.”

    Insofern ähneln sich Ministrantenfilme oft.

  4. Monsterkeks sagt:

    Ich finde es faszinierend, wie wortgewandet hier alle sind.

  5. Monsterkeks sagt:

    Nee nee, die Zeit der Ein-Wort-Kommentare ist vorbei.

    Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass ich (wieder einmal!) nur Bahnhof verstehe. Das muss aber nicht unbedingt an mir liegen. *g*

  6. Das liegt auf keinen Fall an Ihnen, Frau Keks! Ich für meinen Teil schreibe auch rein aus zwanghaft-intrinsischen Lustreflexen und zur eigenen spröden Unterhaltung. Ob das andere Leute verstehen, ist dabei natürlich völlig zweitrangig. Verstehen Sie das?

  7. C. Araxe sagt:

    @Herr Neon
    Ich ahnte es. Jetzt wundere ich mich nicht mehr über Herrn Mahakalas Zustand.

    @Frau Monsterkeks
    Heute wird es u.a. um Kekse gehen. So viel sei schon mal verraten.

  8. Monsterkeks sagt:

    Hören Sie mir auf! Ich habe schon soviele intus.

    Aber solange es nicht um Popel geht, ist ja alles gut.

  9. C. Araxe sagt:

    Haben Sie sich eigentlich die Website des Films zum besseren Verständnis durchgelesen?

  10. C. Araxe sagt:

    … oder den Trailer angesehen?

  11. Monsterkeks sagt:

    Konnte ich nicht, weil der war nämlich kaputt!

  12. Wa? Den hab ich doch eben noch selbst gesehen!

  13. C. Araxe sagt:

    Zugegeben, kaputt ist er schon, aber ansehen kann man ihn sich trotzdem.

  14. Auf jeden Fall. Hab’s grad nochmal getestet.

  15. C. Araxe sagt:

    Zahlen Sie jetzt Ihre Kirchensteuer doppelt, Herr Neon?

  16. Was genau ist das: Kirchensteuer?

  17. C. Araxe sagt:

    O.K. – mehrmaliges Ansehen des Trailers reicht doch nicht; es muss schon der ganze Film sein.

  18. Die Textzeile „Nach Ansehen dieses Films würde selbst Buddha katholisch!“ weckt zwar hohe Erwartungen, aber ich bin einfach kein Vereinstyp, Frau Araxe. Und wer will schon (als Mann) Mitglied in einem Club sein, in dem Männer Röcke tragen, Knabenchöre lieben und sich bunte Hüte auf den Kopf setzen?

  19. C. Araxe sagt:

    Aber denken Sie doch mal an die Fürsorglichkeit des Papstes! Von niemand anderen werden Sie solche Ratschläge wie diesen erhalten: „Bei Augen-Phimose wachsen ganz langsam die Augenlider zusammen. Deshalb müsst ihr euch immer gründlich dort oben waschen. Wollt ihr mir das auch versprechen?”

  20. a. Ganz sicher obenrum?
    b. Herrje, es gibt Augen-Phimose? Ich glaube, ich spinne!

  21. C. Araxe sagt:

    a+b
    Wenn der Papst es doch sagt.

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