Freitag, 16. Februar 2007


Die Gedanken sind frei …

Ein Lied, das Trost verspricht. Aber nur so lange man nicht anfängt darüber nachzudenken. Wann sind die Gedanken schon wirklich frei? Viel zu selten sind sie selbstbestimmt. Niemand ist so autistisch als dass er nicht doch Gedankenanstöße von außen annimmt. Das mag oft eine Bereicherung sein, aber vielmals richten sich die Gedanken auf etwas, mit dem man sich eigentlich gar nicht beschäftigen will. Nicht anders sieht es bei den Gedanken aus, die aus dem tiefsten Innern kommen. Dem kleinen Käfig, zu dem man den Schlüssel nicht mehr finden kann, können sie nicht entkommen und so ziehen sie ihre ruhelosen Kreise in engen Bahnen. Die Freiheit der Gedanken muss man sich dann doch meist hart erkämpfen …

- 2007.02.16, 18:07
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50 Responses to Die Gedanken sind frei …

  1. NibblesChris sagt:

    Dankeschön für diese Worte. Genau so ist es, ein hartes Brot mich nicht beeinflussen zu lassen.

    • C. Araxe sagt:

      Ach, ich bin ja oft ein Kandidat für’s Asperger-Syndrom und möchte zumindest die Außenwelt ausschließen. Dann träume ich davon, dass ich irgendwo in der Wildnis eine Hütte habe, obwohl ich dann doch ein typischer Großstadtmensch bin – aber vielleicht auch genau deswegen, und nichts mehr um mich herum ist. Außer unbelastete Natur und ich selbst. Zugegebenermaßen weniger belastet, was auch genau der Haken an dieser Vorstellung ist.

  2. Iggy sagt:

    sseit ich „1984“ gelesen habe, denke ich (frei?), dass auch die gedanken nicht frei sind.

    • C. Araxe sagt:

      Zumindest ist es ein Ansatz, dies zu ändern, wenn man erkannt hat, wo man überall gefangen ist.

      Und Überwachung von Gedanken ist auch noch ein ganz anderes Thema. Die Außenwelt war bei mir mehr allgemein gemeint. Im virtuellen Raum hat das ja noch ganz andere Dimensionen.

    • Iggy sagt:

      denken nicht weil andere es mir aufzwingen sondern denken was ich will falls ich weiß was ich will.
      ohne komma…

    • C. Araxe sagt:

      Ach, selbst wenn Sie wissen, was Sie wollen, quetschen sich so unendlich viele Gedanken dazwischen.

      Geht mir jedenfalls so.

    • Iggy sagt:

      tja bin ich philosoph oder was? ich hab schließlich noch andere sachen zu tun… ;-))

    • Paulaline sagt:

      geht mir (leider) auch so.
      ich denke zu viel. denke ich zumindest oft.

    • C. Araxe sagt:

      @Frau Iggy
      Ich beneide Sie.
      Was das zu tun betrifft, mag ich mich nciht ausschließen. Oh, ja. Es gäbe durchaus viel zu tun. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich so überhaupt nicht zum Hausfrauentum neige?
      Jaja, das Vehikel, dass man bei äußerer Reinheit zu innerer Reinheit gelangt, ist mir bekannt. Ebenso, dass man so etwas als Meditationsübung auffassen kann. Das funktioniert sogar manchmal. Aber letztendlich ist das nur eine Form von Verdrängung der eigentlichen Arbeit (an sich selbst), die allerdings durchaus praktisch sein kann.

    • Orinoko sagt:

      Das ICH ist wohl kein so homogenes, kontinuierliches Wesen. Gedanken und Gefühle werden häufig wiederholt, obwohl als Störung empfunden und durch ständige Wiederholung sogar noch verstärkt. Woher stammen die, wenn nicht vom ICH, von einem anderen ICH? Da scheinen also jede Menge davon vorhanden zu sein und offenbar mit ganz unterschiedlichen Inhalten. Wie will man sich davon frei machen?

    • C. Araxe sagt:

      @Frau Paulaline
      Man muss sich immer wieder bewusst werden, wann es nur sinnloses Grübeln ist (eben diese Kreisbewegung im Käfig) oder dann doch ein Nachdenken, um weiter zu kommen. Wohin auch immer.

    • Paulaline sagt:

      ja, wenn das dann erst einmal bewusst ist. aber das dauert ja auch gern mal ein wenig.

    • C. Araxe sagt:

      @Herr Orinoko
      So ganz klassisch freudmäßig betrachtet. Das ES. Das ÜBERICH. Ich bin viele. Und doch will ich nur ich sein.
      (Also das Überich scheidet schon mal aus. Gilt es also „nur” das Ich und das Es in Einklang zu bringen. Was bei mir allerdings eins bedeutet.)

    • C. Araxe sagt:

      @Frau Paulaline
      Selbst wenn Sie sich dessen bewusst sind, dann können Sie nicht so einfach diese Zirkusvorstellung verlassen. So ist das jedenfalls bei mir. Ich weiß genau, was für eine abstruse Gedankenakrobatik da bei mir abläuft, aber dennoch verlasse ich die nicht vorzeitig.

    • Iggy sagt:

      gewagte these! äußere reinheit führt zur inneren reinheit? da bin ich dann aber lichtjahre von entfernt. ;-))

    • Orinoko sagt:

      Ach dieses vereinfachte Stufenmodell, ich kenne mich leider nicht allzu gut damit aus. Dieses freud´sche ich jedenfalls mit dem Triebhaften in Einklang zu bringen, wird allzuleicht auf einen Mr. Hyde hinauslaufen. Da müssten Sie schon wie ein Wachhund auf Ihre Gedanken und Impulse achten.
      Sie (wir) sind doch in jeder neuen Situation ein „neues ich“. Kontinuität ist weitenteils gegeben durch eingefahrene Gedankengänge und angewöhnte Stimmungslagen.
      Immerhin, wenn Sie diese Gewohnheiten durchbrechen können, wären Sie wohl wirklich „frei“. Sie könnten dann zu allem denken und fühlen was sie möchten. Selbstbestimmt.

    • C. Araxe sagt:

      @Frau Iggy
      Ich bin jetzt zu faul, um Beweismaterial heranzuschaffen. Aber kennen Sie das nicht, dass doch eine gewisse Form von Befriedigung eintritt, wenn man beispielsweise den Heizungsableser ohne Gefahrenausrüstung wieder mal etwas aufgeräumt und saubergemacht wird?

    • Orinoko sagt:

      Dabei kommt es weniger auf den Akt des Putzens an, als auf die Sammlung und Konzentration auf die Tätigkeit. Dann können Sie zur „inneren Reinigung“ aber auch tanzen oder ein Instrument spielen 🙂

    • C. Araxe sagt:

      @Herr Orinoko
      Eben darauf möchte ich nicht achten. Mr. Hyde sitzt im selben Boot, den möchte ich nicht bewachen. Der soll zwar nicht ausnahmslos das Steuerrad übernehmen, aber doch gleichfalls stimmberechtigt sein. Also, Mr. Hyde schätze ich schon sehr, auch wenn er manchmal das Ruder direkt auf die Klippen lenkt. Und der weiß sehr gut, was Freiheit ist. Aber dem ist es auch egal, wenn man Schiffbruch erleidet.

    • Paulaline sagt:

      @frau araxe Das geht eigendlich bei mir. Es dauert nur, bis ich dahinterkomme, dass ich schon wieder (sinnlos) rumgrüble. Nachts ist es schwieriger.

    • Orinoko sagt:

      Ja, da haben Sie wohl recht mit dem Schiffbruch.
      Denken Sie es findet sich ein Weg für Gleichberechtigung am Ruder oder muss ICH letzlich Erster Mann (ungeschlechtlich) an Bord bleiben?

    • C. Araxe sagt:

      @Herr Orinoko @vorvorherigen Kommentar
      Nur geputzt muss ja doch mal werden. Schlampigkeit hin oder her.

    • Orinoko sagt:

      Ach Mist, ich bin ertappt 🙁

    • C. Araxe sagt:

      @Herr Orinoko @ wieder mal vorheriger Kommentar
      Das ist eine Frage, wie masochistisch Sie eingestellt sind. Oder wie sehr Sie es schätzen, Ihre Grenzen kennen zu lernen. Auf die Fresse fallen ist keine Schande. Manch einer mag dann aber doch lieber jedes Riff weitläufig umfahren.

    • Orinoko sagt:

      Entscheidungen über Entscheidungen, es ist ein Kreuz 🙂

      Mich wandelt die Lust an, mich eingehender mit dem Buch „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ zu befassen.

    • Iggy sagt:

      wenn meditation angesagt ist: …ist alles meditation! alle stupiden tätigkeiten sind meditation. büroarbeit ist meditation. putzen ist meditation, aber es gibt den gedanken doch eher böse nahrung, weil es so stupide ist…

    • C. Araxe sagt:

      @Herr Orinoko
      Oh, lange her, als ich das gelesen habe. Womöglich würde es mir jetzt gar nicht mehr gefallen. Sie sind tatsächlich um das Lesen dieses Buches herumgekommen?
      So ein Bisschen ist das ja der Houellebecq der 80er.

    • C. Araxe sagt:

      @Frau Iggy
      Nö, stupide Tätigen lassen entweder das Denken vollkommen einstellen (genau der Sinn von Meditation und oft sehr wünschenswert, gerade bei sinnlosen Grübeleien) oder man hat die Möglichkeit die Gedanken frei zu entfalten, weil sie ja zumindest nicht weiter an die Tätigkeit gebunden sind.

    • Orinoko sagt:

      @ Frau Iggy: Meditation ist Sammlung, Stille dadurch, daß man die Gedanken nicht weiterverfolgt sondern einfach nur wahrnimmt. Dieses „einfach nur“ impliziert, daß tägliche Übung dazu erforderlich ist 🙂

      @Frau Araxe: Sie würden sich fürchterlich gruseln, wenn Sie ahnten, um was ich alles herumgekommen bin und um mein Outing zu komplettieren, den Houellebecq musste ich sogar gerade wikipedieren. Immerhin scheint mir seine Auseinandersetzung mit H.P. Lovecraft sehr interessant, vielleicht fällt er mir mal in die Hände.
      Sie können daran sehen, daß mir die phantastische bzw. Fantasy-Literatur mehr am Herzen liegt.

    • C. Araxe sagt:

      Ich muss ja zugeben, dass ich bisher kein einziges Buch von Houellebecq gelesen habe. Eigentlich bilde ich mir ja lieber mein Urteil selbst, aber was ich bisher so mitbekommen habe (was nicht wenig ist) reizt es mich doch weniger, etwas von ihm zu lesen, auch wenn ich es sehr wahrscheinlich doch einmal zur eigenen Urteilsbildung tue. Was ich bisher so mitbekommen habe, führte zum absolut desillusionierten Romantiker. Was nicht gleichbedeutend mit den Schwarz-Romantikern ist, für die ich wiederum einen Platz in meinem Herzen habe.

    • gulogulo sagt:

      uff … ganz schön schwere kost um diese zeit.

  3. FrauHausH sagt:

    Fast ein bisschen zum Weinen….wahr? Unwahr? Sieh in meinen Kopf und Du hast Deine Antwort. Irgendwann kann man das bestimmt….ihhhhhgiiiiittttt……

  4. wvs sagt:

    Weblogs …. sind Paradebeispiele für “ .. Gedanken (zu) etwas, mit dem man sich eigentlich gar nicht beschäftigen will .. „ – und doch funktioniert es …. da, wo viel gelesen und gedacht werden muß weniger – da wo es seicht plätschert mehr:
    Ein Abbild gesellschaftlicher Verflachung ….

    • C. Araxe sagt:

      Ach, ich finde gerade dort, wo man viel lesen und denken muss, beschäftigt man sich weitaus ausführlicher damit, auch wenn man es eben gar nicht möchte. Bei seichten Themen muss man sich ja nicht viel Gedanken machen. Also auch keine unerwünschten. Zeit kann man damit allerdings schon sehr viel verbringen.

  5. gulogulo sagt:

    bei mir hat sich letztens – warum auch immer, es ist einfach so passiert, aber ich werde garantiert nicht über das warum achdenken anfangen, sonst geht es unter umständen wieder los – eine sache, die mich jetzt seit über einem jahr täglich gedanklich beschäftigt bis gequält hat, aus meinem kopf verabschiedet. auf einmal war sie weg, dafür ist jetzt so eine leere da. ein seltsames gefühl – wenn man darüber nachdenkt.

  6. Side Affects sagt:

    Man muß sich selbst die Freiheit der Gedanken erkämpfen,aber man tut auch hart dran, sie den andern zuzugestehen. Und wenn man den andern die freien Gedanken zugesteht,ist man dann selber weiterhin ganz frei? (Solange man mit den andern keine Berührungspunkte hat, ja,aber wenn man sich berührt, wie stellt sich dann die Situation dar?)

    • C. Araxe sagt:

      Ein sensibles Thema, wenn die Gedanken vollkommen entgegengesetzt sind. Auf Dauer werden da sicher die Berührungspunkte abnehmen, wenn dabei kein Entgegenkommen möglich ist, denn fortwährende konträre Standpunkte lassen sich nur schwerlich miteinander verbinden. Vor allem, wenn es um Grundsätzliches geht.

      Mit dem Entgegenkommen meine ich kein Verbiegen der eigenen Überzeugungen, sondern dass durch die Konfrontation mit anderem die eigene Meinung reflektiert und überdacht wird, was durchaus eine Änderung der Gedanken nach sich ziehen kann.

      Aber vielen fällt es ja schon schwer genug, die Gedanken anderer zu tolerieren (was ja nicht zwangsläufig akzeptieren bedeutet), mit denen es keine Berührungspunkte gibt.

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