Mittwoch, 14. März 2018


Die lieben Kollegen, Teil 59

Mit der Selbsteinschätzung ist das ja immer so eine Sache… Also mit anderen Worten nicht unbedingt einfach. Ein Feedback von meiner Chefin hat mich hierbei zwar zunächst etwas irritiert, aber ich glaube, dass ich da doch eher meiner eigenen Wahrnehmung vertraue. Sie meinte nämlich, dass die Azubis bei uns Angst vor mir hätten („die böse schwarze Frau”). Habe ich natürlich gleich meinen eigenen Azubi hierzu befragt. „Etwas schon” meinte er und grinst mich in voller Bandbreite an und ich kam eher zu der Schlussfolgerung, dass ich den Kiddies gegenüber viel zu nett bin. Selbst bei Kandidaten, die eine unterirdische Performance bei ihren Aufenthalt in meinem Einflussbereich hingelegt haben, werde ich ebenso wie von allen anderen immer mit einem strahlenden Lächeln begrüßt, das alles andere als aufgesetzt wirkt. Bei nachfolgenden Aufeinandertreffen geht das dann mitunter so weit, dass ich erst einmal klarstellen muss, dass das über ein charmantes Auftreten hinaus geht. (Nur mal so als Klarstellung – auch die weiblichen Azubis sind sichtlich erfreut, wenn wir uns begegnen. Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht.) Nun ja, jedenfalls kann ich diese Sichtweise nicht nachvollziehen. Vielleicht schon eher direkt bei Kollegen oder in der mittleren Führungsebene – bei dem, was darüber hinaus geht, ist es mehr Anerkennung als Angst. Ich glaube also eher nicht, dass ich der personifizierte Alptraum der Azubis bin. Allein deswegen schon, weil ich in dieser Altersgruppe durch das kleine Monster tagtäglich geschult werde und z. B. abgehärtet bin, was postpubertäre Witze (am besten selbst ausgedacht) betrifft. Etwas mehr Punk braucht diese Generation definitiv, aber das hat ja auch nichts direkt Angst zu tun.

- 2018.03.14, 22:18
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2 Responses to Die lieben Kollegen, Teil 59

  1. Naja, dieses Azubigrinsen könnte auch eine ganz banale Übersprungshandlung sein. Aus Angst. Ich würde da schon mal etwas mehr auf die Analyse der Chefin vertrauen. Immerhin ist sie da, wo Sie noch hinwollen. Und da haben sie bestimmte Skills hingebracht, z.B. die Fähigkeiten oder „areas for improvement“ ihrer Mitarbeiter:innen zu analysieren.

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