Montag, 27. Januar 2020


Die lieben Kollegen, Teil 74

Oder doch eher ein Beitrag zur Transformation des Gruselkabinetts?
Jedenfalls unterhielt ich mich mit meiner Chefin über die Quantität des bevorstehenden Umzugs. Wie sie wohnt ist mir bekannt – sie weiß allerdings nicht wie es bei mir aussieht und hat allenfalls eine Ahnung davon. Bei ihr ist außer Möbeln und deren nicht sichtbarem Inhalt quasi nichts vorhanden. Keine Bilder, keine Deko (wobei ich meine Sachen ja nicht als Demo bezeichnen würde), keine Zimmerpflanzen (einen vereinzelnden Basilikum oder so zähle ich nicht dazu) und auch keine Bücher. Um ihr zu verdeutlichen, welches Ausmaß die ganze Angelegenheit bei mir hat, erzählte ich ihr, dass es sicher 80 Bücherkartons werden würden. „Für sowas gibt es eBay”, meinte sie. „Ja, da gibt es sehr günstig Bücherkartons”, erwiderte ich, sie bewusst missverstehend.
Nun ja, mal davon abgesehen, dass eBay nicht die Plattform ist, wo ich Bücher anbieten würde, fehlt dann da einfach diesbezüglich das Verständnis, was andererseits beruflich sehr d’accord ist. Der Großteil der Bücher sind eben nicht Unterhaltungsliteratur (erst recht keine seichte, die man wegliest und danach sicher nie mehr das Buch zur Hand nehmen wird), sondern vornehmlich Sachbücher zu – nun ja – etwas abseitigen Themen oder auch viele Kunstbände. Teilweise längst nicht mehr erhältlich oder antiquarisch zu stolzem Preis. Und immer wieder gern mal zur Hand genommen, denn online ist da dann vieles nicht so einfach verfügbar oder man muss einzeln gezielt danach suchen und hat nicht dieses Erlebnis, wie beim Durchblättern eines Buches, wo man immer wieder zufällig immer wieder Neues entdeckt, das zu der Zeit, wo man sich dieses Buch gekauft hat, übergangen wurde. Kurz zusammengefasst – das sind keine Staubfänger (obwohl sich darauf sehr wohl Staub ablagern kann), sondern etwas, auf das ich nicht verzichten möchte. Nicht wenige Menschen nennen Bücher Freunde. Und die entsorgt man ja auch nicht einfach so.

- 2020.01.27, 21:57
3 Kommentare - Kommentar verfassen



3 Responses to Die lieben Kollegen, Teil 74

  1. wvs sagt:

    Ihre Frau Chefin ist schon eine sonderbare Dame mit sonderbaren Vorstellungen, wie man Bücher nutzt … aber das kann natürlich daran liegen, dass manche Bücher es wirklich nicht wert sind aufgehoben zu werden, weil ihr Inhalt banal ist und ihre Bedeutung übertrieben beschrieben wurde ….
    Ich habe viel Fachliteratur weggegeben – weil der Fortschritt in einigen Gebieten rasant verlief und es heute Disziplinen gibt, die vor 40 Jahren noch nicht einmal abgetrennt waren (von dem was so als „Biologie“ damals unterrichtet wurde). Anatomie jedenfalls ändert sich in unserer Lebenszeit kaum – deswegen sind solche Bildatlanten nie veraltet. Na, und andere Bücher hebe ich schon deswegen auf, weil man an deren Inhalten den Fortschritt zu heute aufzeigen kann.

    • C. Araxe sagt:

      Das, was ich hier als hier als Fachliteratur bezeichnet habe geht weniger in den naturwissenschaftlichen Bereich, wo sicher viele Werke einfach aufgrund neuer Erkenntnisse überholt sind. Obwohl auch da einiges aus historischer Sicht interessant ist. Schwerpunkt ist mehr im kulturwissenschaftlichen Bereich und da spezifische Themen (schon klar, oder?) betreffend.

      • C. Araxe sagt:

        Tja, und was meine Chefin betrifft – wir sind da privat sehr hm … anders. Aber ich schätze es sehr, wie das beruflich läuft. Teilweise zwar auch nicht übereinstimmend, aber ich schätze ihre straighte Grundhalung sehr.

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