Donnerstag, 20. August 2020


Die lieben Kollegen, Teil 82

Wie schon geschrieben arbeiten alle Kollegen meiner Abteilung (wie wohl auch alle anderen) schon seit langem wieder im Büro. Wie ich gerade feststellte schon seit Mai. Mir kommt das alles noch gar nicht so lange vor. Alle Meetings erfolgen nach wie vor virtuell (auch wenn es sich um Meetings vor Ort handeln), was aus meiner Sicht sehr gut funktioniert wie auch der allgemeine Austausch. Die soziale Komponente bleibt aber doch etwas auf der Strecke. So viel Wert lege ich zwar nicht auf Bürotratsch (von dem ich doch noch recht viel mitbekomme) oder wenn zu gewissen Anlässen Kuchen, Eis oder was auch immer ausgegeben wird (obwohl ich selbst durchaus meinen Beitrag zu den vorherigen Geschenken geleistet habe). Aber die allgemeine Kommunikation ist schon anders, wenn sie eigentlich dennoch alles andere als weniger ist.
Meine Chefin bohrt ständig nach, wann ich denn wieder gedenke, auch wieder im Büro zu arbeiten. Es gibt da bisher keine offiziellen Vorgaben, dass ich dies müsste. Ich sehe es jedenfalls immer noch sehr kritisch, alltäglich den ÖPNV (mit zunehmender Nachlässigkeit beim Maskentragen und gleichfalls zunehmenden Fahrgastzahlen, sprich Sardinenstatus) nutzen zu müssen und mit mehreren Leuten in einem Raum zu sitzen (der Schreibtischabstand ist da gewiss keine 1,50 m und man trägt auch nicht ständig eine Maske, aber es wurde als sicher statuiert). Ohne meine Erfahrungen, dass mich ein Virus in Nullkommanix auf die Intensivstation gebracht hat, würde ich das wahrscheinlich lockerer sehen. Ich habe mich zwar ohne Folgen ziemlich schnell erholt, aber das ist hierbei alles andere als selbstverständlich. Jetzt, wo die Coronafälle wieder ansteigen, finde ich es trotz aller Intentionen (vor allem meiner Chefin) immer noch richtig und wichtig, im Homeoffice zu bleiben, auch wenn ich schon etwas Sehnsucht nach dem normalen Büroalltag habe, der eigentlich nicht unbedingt etwas ist, das ich als lebensnotwendig betrachte.

- 2020.08.20, 21:53
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12 Responses to Die lieben Kollegen, Teil 82

  1. C. Araxe sagt:

    Dieser Beitrag ist eigentlich auch eine Frage. Wie würden Sie sich entscheiden? Gesundheitlich auf Nummer sicher zu gehen oder sich Erwartungshaltungen anzupassen und sozial kompatibel zu sein.

    • Honigsaum sagt:

      Sie haben die Antwort ja schon selber gegeben. Sie sind ganz sicher nicht auf der Welt, um die Erwartungen anderer Leute zu erfüllen. Dafür können Sie sich, nebenbei gesagt, auch nichts kaufen, wenn Sie schwer krank im Bett liegen… Machen Sie langsam.

      • C. Araxe sagt:

        Die Frage bei meinem Kommentar war schon etwas zu überspitzt formuliert, denn neben fremden Erwartungshaltungen ist da eben auch die persönliche soziale Komponente. Manchmal fühlt man sich nicht nur außen vor, sondern ist es definitiv auch.

  2. Ich glaube ja, das erste Virus war gar kein Virus, sondern eine klammheimliche Vereinbarung zwischen Ihren gepeinigten Ohren und Ihrem leidgeprüften Gehirn, wegen Ihres schlimmen Musikgeschmacks mal eine Zeitlang auf „Not-Aus“ zu schalten. Wie man sieht, hat das allen Beteiligten gut getan.

    Mit dem Abbruch des Home-Office würde ich allerdings auch noch warten. Die Coronazahlen steigen gerade wieder massiv an, wir sind noch nicht mal in der gefährlichen Herbst-/Grippezeit, niemand kann absehen, wohin das Ding mutiert, es gibt keine verifizierte Medikation und die Masse wird immer nachlässiger. Warum also ein Risiko eingehen, wenn Sie Ihren Job doch aus dem Home-Office zu 98% gleich gut tun können?

    • C. Araxe sagt:

      Auch im Krankenhaus kann man Musik hören. *g* (Jetzt werden Sie wahrscheinlich knallhart schlussfolgern, dass meine Genesung nur deshalb so schnell ging, weil wirklich alles dafür getan wurde, um mich so schnell wie möglich loszuwerden.)

      Ja, ich weiß schon, dass es das Beste für mich ist, im Homeoffice zu bleiben so lange ich dies kann. (Von den Nachbarn hat sich auch noch keiner über die Musik beschwert.) Aber so etwas rappelig wird man nach einem halben Jahr schon. (Was nicht an der uneingeschränkt hörbaren Musik liegt.)

      • Ich persönlich glaube ja, dass Kreml-Kritiker Alexej Nawalny nicht vergiftet sondern nur hypnotisiert wurde, um ihm dann über Kopfhörer 15 Stunden Araxe-Sounds ala Saure Gurke von Grüner Star vorzuspielen, um ihm dann mit der Diskographie St. Michael Fronts, dem Wendler der Kuschelsatanisten, den Rest zu geben. Schwer zu glauben, dass Nawalny das überleben wird und wieder vollständig genesen kann.

        • C. Araxe sagt:

          Oh, die Russen haben doch selbst so gute Musik. Shortparis oder IC3PEAK beispielsweise. Ich wohne jetzt ja mehr oder weniger mit Russen (einige Polen gibt es auch) im Umfeld, wie ich hier schon schrieb.

          • C. Araxe sagt:

            Grüner Star will übrigens nach wie vor ein weiteres Konzert bei mir geben, wenn es dann mal vorbei ist mit dem Corona-Virus. Eigentlich wäre dies dann nur im Garten möglich, aber das würde ganz gewiss die AFD-Wahlergebnisse hierorts dezimieren. Dagegen haben Sie doch ganz bestimmt nichts.

          • Das nicht. Die Frage ist nur: Ist irreversible Taubheit nicht ein zu hoher persönlicher Preis für ein politisches Statement?

          • C. Araxe sagt:

            Ich weiß gar nicht, ob ich das schon mal irgendwo geschrieben habe, aber ich bin überzeugt davon, dass Musik, die man mag gar keinen Hörschaden anrichten kann, auch wenn sie noch so laut ist. Der Nervus cochlearis muss dem Gehirn nur mitteilen, dass das positiver Input ist. Bei Konzerten trage ich grundsätzlich keine Ohrstöpsel und dies ohne Folgeschäden, auch wenn hinterher mindestens die Hälfte des Publikums mit Ohrstöpsel einen Tinnitus hat.

          • Ich verstehe jeden Tag besser, warum Ihr Gehirn Sie aus Sicherheitsaspekten manchmal temporär ausknipst.

          • C. Araxe sagt:

            Tja, erhöhte Dauernutzung hat halt ihre Folgen.

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