Montag, 8. Januar 2007


Ein Aas

Denkst du daran, mein Lieb, was jenen Wintermorgen
Wir sahn im Laternenschein?
Es war ein schändlich Aas, am Wegrand kaum geborgen
Auf Sand und Kieselstein.

(frei nach Baudelaire)

Immer noch liegt die Leiche da. Vor ein paar Tagen schon hatte ich sie aus dem Gruselkabinett entfernt. Es war dringend notwendig gewesen. Nur allein deswegen, weil die Katzen sich andauernd daran zu schaffen machten, aber auch so kann man nicht ewig so ein Teil in der Wohnung aufbewahren. Ich hatte allerdings nicht daran gedacht, dass der Kadaver vor der Haustür nicht sofort entfernt wird und ich ihn so immer wieder sehen muss. Und auch das kleine Monster. Beim Anblick des Leichnams wurde es heute Morgen, während es noch dunkel war, richtig sentimental und fragte mich, ob wir nicht zum Andenken einen Zweig vom Weihnachtsbaum behalten könnten.

- 2007.01.08, 11:59
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65 Responses to Ein Aas

  1. in-cognito sagt:

    °betretendastehundbedächtigschweigt°

  2. NibblesChris sagt:

    Das arme kleine Monster
    *(Lach-)Tränchen wegwisch*

  3. Also, wir verbrennen den Weihnachtsbaum immer ganz feierlich.

  4. hobo sagt:

    einfach … … nadlos als Gaderobenständer für die Galerie verwenden.

  5. pollon sagt:

    Werden die Bäume überhaupt abgeholt? Ich kenne das nur aus den Fernsehwerbungen des schwedischen Möbelhauses. Jedenfalls liegen die hier immer einige Wochen bis Monate am Wegesrand.

  6. honigsaum sagt:

    Ist doch – bei aller Trauer- auch schön, Ballast abzuwerfen. Ich empfinde das jedesmal als Befreiung.

  7. Ich habe letztens Weihnachtsbaumentsorgungstüten im Supermarkt gesehen. Ob diese durchsichtig sind, weiß ich nun leider nicht mehr, wenn ja bliebe uns der Anblick der Weihnachtsleichen erspart.

  8. Iggy sagt:

    ich sah gestern einen im u-bahnschacht. das hat er bestimmt nicht verdient!

  9. gulogulo sagt:

    wieso bringen sie ihn nicht zurück in den wald zu seinen verwandten und freunden, damit die abschied von ihm nehmen können?

    • C. Araxe sagt:

      Und dann steht er da, so ohne Füße Wurzeln und alle bemitleiden sie ihn. Meinen Sie, das ist schön? Womöglich war er zuvor sehr stolz darauf, ausgewählt zu werden. Und nun? Welche Schmach! Das möchte ich ihm dann doch lieber ersparen.

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