Donnerstag, 28. Februar 2008


Eltern unter sich

Heute Abend habe ich mich da nach vermehrter Aufforderung mal wieder blicken lassen. Gerade der Umgang mit Eltern, deren Kinder im Kleinkindalter sind, ist meist etwas nervend. Zumindest empfinde ich das so. Ja, ich bin gern Mutter und auch größtenteils stolz auf das kleine Monster. Aber das ist trotzdem nur ein Teil von meinem Leben, so viel er mir auch bedeutet. Dementsprechend fühle ich mich mehr oder weniger als Fremdkörper bei solchen Gesprächen. Wenn ich dann auf Frontalkurs gehe bei den Müttern (die meist wesentlich jüngere Kinder haben, da dieser „Elternstammtisch” von Eltern der Kita, in der das kleine Monster nun den Hort besucht, initiiert wurde und die inzwischen dabei sind weitere Kinder in die Welt zu setzen), indem ich diverse Plazenta-Pizza-Rezepte anbiete, dann ist das auch wieder vollkommen in Ordnung, wohl einfach, weil das für Abwechslung bei dem ganzen Einerlei sorgt. Es ist wirklich traurig, dass Mütter vielfach einfach nur Mütter sein wollen und sonst gar nichts mehr. Typisch deutsch wahrscheinlich dann doch. Ich kann so etwas nach wie vor nicht verstehen. Man kann doch Mutter sein, mit Liebe und vollem Einsatz. Aber dennoch man selbst sein. Ist das wirklich so schwer?

- 2008.02.28, 23:24
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72 Responses to Eltern unter sich

  1. gulogulo sagt:

    nervend für sie – furchterregend für die anderen?! 😉

  2. C. Araxe sagt:

    Hach, ja.

    Wir wollen die Mutter vom kleinen Monster wieder mal dabei haben, weil wir es nicht einmal schaffen beim Dom in die Geisterbahn zu gehen …

  3. Gutes Denken. Und doch sind Sie am Ende des Tages wahrscheinlich nur die Dosis Gruselkabinett für das Bürgertum der normierten Konformisten, geduldet, mit distanzierter Empathie für Ihre bestaunens- und liebenswerten Verrücktheiten. Ich weiß, das verletzt Sie nicht, weil Sie nicht dazu gehören möchten und im Gegenteil die anderen bedauern, die die gesellschaftlichen Normen buchstabengetreu umarmen.

    You’re a tough cookie, that’s what you are. Aber haben Sie manchmal nicht Angst, dass Sie dem friedlichen Bürgertum zu sehr in die Quere kommen und ihm irgendwann die kleinen Provokationen ala Plazenta-Pizza-Rezept im Halse stecken bleiben und es beginnt, furchtbar um sich zu schlagen? So eine Art Glöcknerin von Notre Dame ohne Happy End?

    Irgendwie haben mich Ihre Worte nachdenklich gemacht. Toleranz ist so fragil. Besonders hier. Man muss jeden Tag dafür kämpfen. Was Sie tun. Das finde ich ziemlich gut. You’re a tough cookie. 😉

  4. joss sagt:

    Kann man alles?! Für viele Frauen ist aber das Muttersein nach wie vor ein Rollenangebot, um auf Dauer der Erwerbsgesellschaft zu entkommen. Da das aber eine permanente Nötigung zur Selbstrechtfertigung der Betroffenen bedeutet, sind die auch gezwungen sich derart neurotisch mit ihrer Mutterrolle zu identifizieren. Als berufstätige Frau ist darum das Herabsehen auf solche Frauen ebenso gewöhnlich, wie andersrum die Klage über vermeintliche Vernachlässigungen der Kinder von lohnarbeitenden Frauen. Man selbst sein, das ist ein Luxus, der ganz bestimmt nicht für alle zu haben, sondern ausgesprochen voraussetzungsvoll ist. Und wer da überhaupt wie „man selbst ist“ (schon für sich ein sprachliches Paradoxon)…

  5. C. Araxe sagt:

    Ach, es ist ja nicht so, dass ich ständig provozieren muss. Nur manchmal, da kann ich dann doch nicht anders.

    „und im Gegenteil die anderen bedauern, die die gesellschaftlichen Normen buchstabengetreu umarmen”
    Bedauern ist doch nicht so passend. Ich wundere mich ab und zu nur darüber.

  6. C. Araxe sagt:

    Gestern Abend war keine einzige Hausfrau dabei. Die Mütter sind alle berufstätig. Das waren also keine Klischeemütter, so wie du sie hier beschreibst. Aber im Berufsleben ist man ja oft auch sehr wenig man selbst.

    Und ja, ich weiß um die Schwierigkeit dieses Zustandes. Und auch, wie schwierig es ist, ihn auch nur ansatzweise zu erreichen. Ob dem dann wirklich so ist, das ist dann auch noch eine andere Sache. Mir reicht es auch schon, wenn es sich nur so anfühlt.

  7. Interessant — und erfreulich –, daß eine solche Bemerkung von einer Mutter zu hören ist. Ich nehme mit einiger Erleichterung zur Kenntnis, daß diese 100%igen Mütter nicht nur Nichteltern auf den Nerv gehen.

    @joss: eine bedenkswerte Hypothese …

  8. C. Araxe sagt:

    Da gibt’s auch noch ein paar Mütter mehr, die das ähnlich empfinden. Glücklicherweise.

  9. joss sagt:

    Dann ist das entweder Koketterie oder Wunsch nach dem Asyl, je nachdem ob das so ne Schranzenkita oder das Gegenteil davon ist. Überidentifikation reagiert immer auf eine soziale Konstellation, die dazu nötigt. Das sucht man sich nicht aus wie ne Schweinshachse am Mittagstisch. Wenn man das also betrauert, darf man sich fragen, woher es kommt. Oder die Trauer ist auch bloß Koketterie, denn man selbst macht natürlich immer Primaballerina.

  10. C. Araxe sagt:

    Wenn es so wäre, dann gäbe es ja nur soziale Zwangsjacken, aus denen zu entkommen, man nicht die geringste Chance hätte. Und daran mag ich nach wie vor nicht glauben.

  11. joss sagt:

    Nö, tertium datur est: Weblogs.

  12. C. Araxe sagt:

    Soso. Und da ist alles anders?

  13. joss sagt:

    Kann man so einen derben Schnicks denn anders als voluntaristisch erklären? Never!

  14. C. Araxe sagt:

    Doch. Kann man. Wie wär’s denn beispielsweise mit Außerirdischen, die geheime Strahlen abfeuern?

  15. C. Araxe sagt:

    Nee, nee. So etwas mit Bonbons mache ich aber nicht. *g*

  16. joss sagt:

    Igitt, das ist ja ekelhaft!

  17. C. Araxe sagt:

    Die haben jetzt auch bewirkt, dass du diesen Kommentar genau so schreibst, weil sie so am besten getarnt sind.
    *g*

  18. joss sagt:

    Nur du bist immun, durch den Schokoladenschutzschild um deinen Hypothalamus.

  19. off-topic Lesen kann ich es, aber das Gesagte verstehen…puh…
    http://www.ampuria.de/wordpress/?p=3140

  20. C. Araxe sagt:

    Nein, nein. Das hilft leider auch nicht. Alles, was ich schreibe, dient ebenfalls zur Tarnung. Ich arbeite aber trotzdem hart daran, es mit einem Schokoladenschutzschild zu schaffen.

  21. C. Araxe sagt:

    Ich bin mir doch recht sicher, dass ich beispielsweise das Wort Спам nie in der Schule gelernt habe.

  22. la-mamma sagt:

    ich hab solche sachen immer – natürlich versehentlich – versäumt. bin aber optimistisch, was die kindesentwicklung trotz dieses mankos betrifft.
    da ich auch schon des öfteren „was – du hast ein kind?“ gehört habe, scheine ich auch nicht zur müttermafia zu gehören …

  23. joss sagt:

    Prima Tarnung, erinnert mich an die Tarnnetze der Bundeswehr. Wie mich mein Papa das erste Mal zum Kriegspielen mitnahm, dachte ich, na sauber, hoffentlich haben die Russkis ne Optik um Siebzehnhundert in ihren Ferngläsern.

  24. C. Araxe sagt:

    Aber genau darum geht es doch. Wenn etwas so offensichtlich ist, dann glaubt keiner daran, weil es so offensichtlich ist.

  25. C. Araxe sagt:

    Die Frage kommt mir doch sehr bekannt vor. *g*

  26. joss sagt:

    Dachte mein Hund auch. Der Laternenpfahl hat ihm dann erklärt, was es auf sich hat, mit dem Materialismus. Vielleicht hat so die Rüstungsspirale zwischen Ost uns West funktioniert. Wir glauben nicht an eine, hundert, tausend Atomraketen… wir brauchen unbedingt noch eine. Womit gesagt sein soll, meistens ist offensichtlich auch nichts weiter als offensichtlich. Aber okay, in Blogpopulis ist das Naheliegende ja nicht so furchtbar populär.

  27. schlepp sagt:

    Und dann waren da noch die kinderlosen, die sich durch so manche Mutti über den Haufen getrampelt fühlen, von denen man lustige Gesichter bekommt, weil man mit 39 keine Kinder hat.

    Ansonsten, bleiben Sie so wie Sie sind, das scheint mir gut … und bringen Sie doch beim nächsten Mal einfach einen Mutterkuchen mit.

  28. C. Araxe sagt:

    Der größte Nervfaktor, wenn man keine Kinder hat, sind meist aber doch die eigenen Mütter, würde ich sagen. Oder eben andere Verwandte.

    Und wo soll ich einen Mutterkuchen herbekommen? Die Plazenta, die mal bei mir im Tiefkühlfach lag, liegt schon längst nicht mehr da.

  29. C. Araxe sagt:

    Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, wie man sich dann doch einigen kann. ;·)

  30. schlepp sagt:

    Sie hatten mal eine Plazenta im Tiefkühlfach? Von welcher Spezies?

  31. C. Araxe sagt:

    Ja. Menschlicher Herkunft. Selbstproduziert.

  32. NibblesChris sagt:

    Und haben Sie sie eingepflanzt?
    @ schlepp: das ist nicht so ungewöhnlich, dass man die aufhebt…

  33. joss sagt:

    Und einzig interessant wird es dort, wo man das nicht mehr kann.

  34. C. Araxe sagt:

    Wenn ich jetzt wieder zustimme, wird’s ja langweilig.

  35. C. Araxe sagt:

    Letztes Jahr fünf Äpfel geerntet.

    Das ganze Plazenta-Thema wollte ich hier eigentlich nicht wieder aufwärmen (harhar), da es da schon mal einen Beitrag dazu gab.

  36. NibblesChris sagt:

    Alles wiederholt sich!
    Am 24.04.2006 war ich ja noch nicht auf der Welt…(oder war ich da gerade in der Klapse…?)

  37. C. Araxe sagt:

    Dann müssen Sie jetzt alle Beiträge nachlesen, bei denen Sie noch nicht auf der Welt waren. ;·P

  38. schlepp sagt:

    Ts, ts, … als ich mir neulich ein ausführlicheres Bild von Ihnen machen wollte, habe sich mich ja indirekt des Stalkens beschuldigt 😉

  39. C. Araxe sagt:

    Phhh. Was kümmert mich, was ich mal gesagt habe.
    ;))

  40. NibblesChris sagt:

    Hey! Ich habe doch mal alle Beiträge angeschaut, weil Sie meinten, es gäbe drei Portraits von Ihnen. Gelesen habe ich natürlich nichts, schließlich will ich meine Festplatte nicht zum Absturz bringen *ggg*
    (und dann bin ich ja irgendwie an dem Posting mit den Schuhen hängen geblieben…)

  41. schlepp sagt:

    Wo gibt es Portraits? *geifer*

  42. C. Araxe sagt:

    Portraits, naja …

    Also, hier. Was da verdeckt ist, gibt es da. Und noch mehr gibt es dort.

  43. NibblesChris sagt:

    Sie haben das Foto aus den Achzigern vergessen (das mit der Wave-Matte). Aber ich suche jetzt nicht!

  44. C. Araxe sagt:

    Da gibt’s auch noch ein paar mehr. Aber das reicht. So.

  45. NibblesChris sagt:

    Okay! *lach*
    (hat sich gerade Waldmeister-Bowle über die Tastatur gekippt)

  46. C. Araxe sagt:

    Was ist denn daran so lustig?
    *augenbraue hochzieh*

  47. NibblesChris sagt:

    Theoretisch gar nichts.
    Praktisch – nach dem Genuss eines halben Liter Bowles – alles! *lacht sich schlapp*

  48. C. Araxe sagt:

    Ach, so. Jetzt verstehe ich auch Ihren letzten Beitrag.

  49. NibblesChris sagt:

    Ach, das intellektuelle Geschwätz von meinem letzten Beitrag? Ja, das muss an meinem angeheiterten Zustand liegen, hrhr

  50. schlepp sagt:

    Schöne Bilder, Frau Araxe. Das Bloggerbild erinnert mich an

  51. C. Araxe sagt:

    Och, nee. Jetzt graben Sie hier den Spitzweg aus …

  52. joss sagt:

    Ah, darauf hab ich gewartet *g*

  53. Paulaline sagt:

    Ich nehm ja auch lieber Schaumküsse (oder wie auch immer die politisch korrekt heißen) dazu

    Nein, ich könnt mir vorstellen, Sie haben andere Tricks auf Lager. 😉

  54. NibblesChris sagt:

    *lach*
    Hülf, ich kann nicht mehr aufhören *gacker*

  55. NibblesChris sagt:

    Schokoküsse.

    Frau Araxe jongliert mit Totenschädeln, um die Kinder zu unterhalten.
    (und übrig blieb das kleine Monster mit den drei Füssen, nachdem alle schreiend den Raum verliessen)

  56. schlepp sagt:

    Entschuldigen Sie mal … sie haben doch das Bild als moderne Adaption an den armen Poeten in Szene gesetzt 😉

  57. joss sagt:

    Schon als pädagogische Maßnahme, um dem Froilein Araxe das Bespammen von Kommentaren außerhalb des Gruselkabinetts mit Videoeinspielungen und anderer Werbung auszutreiben, erhält Ihre (Straf)Maßnahme von mir das Prädikat „Besonders Wertvoll“. Machen Sie nur weiter!

  58. schlepp sagt:

    Ah … jetzt wird mir langsam klar, … ok, verstanden. Nö also aufhetzen lasse ich mich nicht. Solchen Unfug mache ich nur aus eigenem Antrieb.

  59. graefin sagt:

    Kann ich noch nicht beurteilen, habe aber vor, sollte es in meinem Leben jemals dazu kommen, mich nicht aufzugeben…Und wie wurden die Rezepte angenommen?

  60. C. Araxe sagt:

    WAS IST DAS DENN HIER FÜR EINE ZUSAMMENROTTUNG?

    Nun, ja. Das wird nicht folgenlos bleiben …

  61. C. Araxe sagt:

    Falls Sie mal Bedarf haben, zwar keine Pizza, aber

  62. Webcat72 sagt:

    … schau Dir mal die Diskussionen auf SPON an, zu dem Heimchen am Herd Artikel. Ich linke Dich einfach mal wahllos rein , keine Ahnung, ob die Stelle genau passt. Da hast Du Gruselkabinett real life 😉 Meine Wahnvorstellung: Das Rad dreht sich in dieser Sache schaurig zurück – frag mich nicht, warum wir Frauen uns das gefallen lassen.

  63. Webcat72 sagt:

    .. ich dachte immer, dass Zeug müsste man an sich bei Vollmond (??) irgendwo an einer bestimmten Stelle im Garten vergraben?

  64. C. Araxe sagt:

    Ohne Garten hat das Vergraben jedenfalls auch geklappt.

  65. C. Araxe sagt:

    Wie schon weiter oben geschrieben. Das waren ja keine Herdheimchen.

  66. Webcat72 sagt:

    … klingt aber als wäre das Rollenverständnis trotzdem das Gleiche … „Eltern als Rolle, die alles andere (ioder zumindest Freude an etwas anderem) ausschließt“ … gruslig und für viele ja auch so abschreckend. Wenn man die Diskussionen ein bisschen verfolgt, ist grade dieser „Elternmythos“ der Grund, warum viele sich gar keine Kids mehr zutrauen oder nicht wollen, wenn sie das ganze Elternspiel bei den Anderen erst mal eine Weile neutral beobachtet haben ,)

  67. C. Araxe sagt:

    Ja, die Verhaltensweise ist nahezu identisch. Um so erschreckender.

    Ich glaube aber dennoch nicht, dass dieser „Elternmythos” ein Hauptgrund ist.

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