Sonntag, 8. März 2009


Heimathafen

Grau ist der Himmel, von Wolken schwer. Es regnet mehr, als dass es nicht regnet.

Als ich hinausgehe, ist es nicht das Nasskalte, das ich spüre, sondern ein Gefühl von Geborgenheit. Das überrascht mich etwas. Es ist zwar schon lange her, dass ich in diese Stadt gekommen bin, aber eigentlich empfand ich bisher nicht, dass ich auch angekommen wäre. An diesem idealen Ort für alle Heimatlosen – eine Hafenstadt, bei der man an Land geht und die man mit dem nächsten Schiff wieder verlässt. Oder mit dem übernächsten.

Jaja, es ist schön hier. Aber das ist es woanders auch. Die Superlative der Einwohner für ihre Stadt wirken befremdlich. Das Wetter, das für diese Stadt so typisch ist und weitaus vertrauter, wandelte sich indes in einen sonnigen Sonntag und alle Straßen und Wege glänzten golden.

Undenkbar wäre eine Verbundenheit ohne den großen Strom. Ein Spaziergang am Elbstrand lässt erahnen, warum man immer noch hier ist. Man hört zu, was einem die Wellen und der Wind erzählen. Auf diese Geschichten würde man ungern verzichten und alle Städte, die nicht wenigstens an einem großen Fluss oder See – wenn es schon nicht das Meer ist – liegen, erscheinen einem tot. Es ist gleichgültig, ob einem der Regen ins Gesicht peitscht oder plötzlich auch die Elbe voller Gold ist und das Blau des Himmels unendlich – es ist immer gut.

Den Schiffen wird man aber wohl immer voller Sehnsucht hinterherschauen. Quiddje bleibt man ein Leben lang.

- 2009.03.08, 20:29
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25 Responses to Heimathafen

  1. Eugene Faust sagt:

    Wunderschöne Bilder haben Sie da eingefangen Für mich kam auch immer nur eine Stadt am Wasser infrage. Ich kenne das aber auch nicht anders. Im Übrigen finde ich das Hamburger Wetter besser als sein Ruf. Ich glaube, dass beispielsweise München schlechter abschneidet, muss aber erst noch recherchieren.

  2. Monsterkeks sagt:

    Wie Stefan Gwildis so schön sang: „Dieses wunderbare Grau.“

  3. C. Araxe sagt:

    Die Regenmenge allein ist es ja auch nicht. ;·)

  4. C. Araxe sagt:

    Ah, sehr schön!

    „ … wir kennen das im Norden natürlich ganz besonders: einen verhangenen Himmel.

    Wenn man überlegt, was heißt denn überhaupt ,verhangen’? Was ist das, was dahinter verborgen wird? Ein großer Anreiz für die Phantasie! Sich vorzustellen, was hinter diesem Vorhang ist, das sich ewig Drehende, sich ewig erneuernde, das Kosmische. Die ewig kosmische Wahrheit, die sich hinter diesem Vorhang auftun mag. Das nicht ständig zu sehen, sondern sich vorzustellen, das finde ich ungeheuer wichtig!”

  5. C. Araxe sagt:

    Diese Aufführung wurde heute aber nicht gezeigt. Heute war ja nur wieder die Vorstellung des Vorgestellten.

  6. Eugene Faust sagt:

    Ja das war nur so etwas wie ein Trailer 🙂
    (bzw. ein Standbild davon)

  7. C. Araxe sagt:

    Über Abwechslung kann man sich trotzdem nicht beklagen: Hagel, Regen, Schnee – alles dabei gewesen, bei dem, was heute so runter kam.

  8. wortmeer sagt:

    Hach, schön, bei den verträumt, sehnsüchtig, angekommen Worten und die tollen Fotos. Ich liebe die Elbe, wenn man überhaupt einen Fluss seinen Lieblingsfluss nennen kann. Aber irgendwie fühle ich mich zu ihr hingezogen, obwohl ich nicht dort wohne – vielleicht weil ich in der Nähe geboren wurde? Naja, ich schweife ab. Eigentlich wollte ich doch schreiben, dass mich Ihre Worte an mein Gefühl des Angekommenseins erinnern. Es ist schön.

  9. FrauHausH sagt:

    Ja…ohne die Elbe wäre diese Stadt weit weniger…und die Wetterphänomene sind schon manchmal beeindruckend! Wir saßen gestern in Decken gemumelt vor der Amphore und das was sich an Wetterschauspiel darbot war gar grandios zwischendurch! Über der einen Hälfte des Hafens tiefschwarze Wolken, über der anderen – wie mit dem Messer genau in der Mitte geschnitten – strahlend blauer Wölkchenhimmel. Irre, irgendwie…schade dass ich viel zu entspannt war, um mir die Mühe zu machen es zu fotografieren ;)…

  10. C. Araxe sagt:

    Die Elbe war ja auch mal so was wie ein Grenzfluss. Westlich die Germanen und östlich die Slawen. Heutigem Ost-/Westverständnis entspricht das nicht so ganz. Wo wurden Sie denn geboren?

  11. C. Araxe sagt:

    Die beiden Hälften sehen Sie da oben. Das wurde fast unmittelbar nacheinander aufgenommen. Einmal Richtung Hafen, einmal stromabwärts. Ohne Decke wurde das ganze aber weniger verweilend (ganz ohne allerdings nicht) genossen.

  12. graefin sagt:

    *Sehnsucht*
    Sie schreiben genau das, was ich denke…*hach*
    Quiddje…ist doch egal. Ich weiß wo ich morgen sein werde.

  13. derbaron sagt:

    Das ist, weil Regen ein integrativer Bestandteil von Hamburg, während Regen in München ein Fremdkörper ist.

  14. C. Araxe sagt:

    Haben Sie sich eigentlich schon einen Südwester zugelegt?

  15. graefin sagt:

    „Home is where the heart is“
    Könnt man nicht nur meinen, im März IST das sogar so. Ich brauche mal ne Bahncard 100 😉

  16. C. Araxe sagt:

    Oder vielleicht doch wieder hierher ziehen?

  17. C. Araxe sagt:

    Nicht nur, dass Sie keine Blogeinträge mehr schreiben, zum Googeln sind Sie auch noch zu faul:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Südwester

  18. graefin sagt:

    Möchten sie mir nicht das obere Foto zukommen lassen, damit es meinen Schreibtisch (in PC Deutsch auch Desktop) zieren kann? Meine fotografischen Werke sind alle so – äh – quadratisch. Die passen einfach nicht ins Format 😉

  19. C. Araxe sagt:

    Das gibt’s leider nur noch in der Größe da oben – gebloggt und wech. Aber nun haben Sie ja wieder mehr Gelegenheiten für eigene Aufnahmen. Das Wetter dürfte auch nicht so das Problem sein.

  20. derbaron sagt:

    Sowos brauch i ned. I bin jo ned aus Zucker.

  21. C. Araxe sagt:

    Jaja, mit nassen Haaren werden Sie auch keine Probleme haben.

    Aber Schienbeinschoner nehmen Sie schon mit, oder?

  22. graefin sagt:

    Och schade.
    Gut, mach ich eben ein eigenes Foto :-p

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