Freitag, 5. Januar 2007


Heimatkunde

In etwa vergleichbar mit dem Sachunterricht war dies ein Unterrichtsfach in der Unterstufe an DDR-Schulen. Mein Heft aus der 2. Klasse dieser „Kunde von der sozialistischen Heimat” habe ich gerade wiederentdeckt. Die üblichen Phrasen durften natürlich gleich zuoberst auf der ersten Seite nicht fehlen. Nicht für die Schule und schon gar nicht für’s (eigene) Leben wurde gelernt, sondern für den Staat. Erstaunlicherweise hatte ich damals doch eine recht saubere Schrift – im Gegensatz zu heute. Weniger erstaunlich ist der Vorschlag mit dem Wandertag (jeder, der schon mal mit mir unterwegs war, wird wissen, was gemeint ist).
Bei der Beschreibung eines Bahnhofs hat sich auch nicht allzu viel geändert. Statt Mitropa müsste man nur McDoof schreiben. Sehr schön finde ich die alten Fahrkarten aus dicker Pappe (ja, die sind echt).
Zu subversiven Themen fühlte ich mich damals schon hingezogen, wie man unschwer erkennen kann. Voller Hingabe malte ich diesen Schädling der produktiven Landwirtschaft.

Das Heft ist außen ganz vergilbt und fällt fast auseinander. Kein Wunder, bei dem Alter. Wenn ich es durchblättere, kommt es mir allerdings gar nicht so vor, dass es schon so lange her ist. Aber wenn ich daran denke, dass inzwischen das kleine Monster die 2. Klasse besucht, dann komme ich mir doch etwas alt vor.

- 2007.01.05, 14:26
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77 Responses to Heimatkunde

  1. NibblesChris sagt:

    Der Schädling sieht tatsächlich fast so aus wie das gestrige Monster *fg*

  2. nahlinse sagt:

    Göttlich! Was man in diesem Alter noch für einen ernsten Eifer an den Tag legen kann, ist erstaunlich.

    Kommt Hamster eigentlich von Hamstern oder Hamstern von Hamster? *g*

    • C. Araxe sagt:

      Oh, ich glaube, das ist bei mir mit den Jahren eher schlimmer geworden. Wenn mich etwas interessiert, verbeiße ich mich immer mehr.

      Hamstern kommt natürlich von Hamster, denn zuerst muss der Hamster ja da sein, damit er hamstern kann. Ich glaube jedenfalls nicht, dass der Hamster in der Evolution auftauachte, damit man das Wort hamstern verwenden kann. *g*

    • darkrond sagt:

      wenn ich mich recht erinnere, habe ich in heimatkunde gelernt, dass der feldhamster auf dem feld futter beschafft und es in seinen unterirdischen bau trägt und dort lagert für schlechte zeiten. um nicht so oft laufen zu müssen, stopft er auf dem feld ganz viele feldfrüchte in seine großen hamsterbacken, bevor er wieder in seinem bau verschwindet. daher kommt der ausdruck „hamstern“, wenn menschen sich die taschen vollstopfen und sich große vorräte anlegen. (ob für schlechte zeiten oder aus raffgier sei mal dahingestellt.)

    • C. Araxe sagt:

      Wahrscheinlich haben Sie haargenau die gleichen Sätze (wie oben beim Beitrag per Link abgebildet) in Ihr Heimatkundeheft gepinselt. *g*

    • darkrond sagt:

      nicht ganz. ich hab damals lieber als zu wandern sero-sammelaktionen gemacht für unsere sandinistischen freunde in nicaragua. *g*

    • C. Araxe sagt:

      So etwas war aber oft sehr undankbar, denn nicht jeder hat sich über die bettelnd fleißig umherziehenden Pioniere gefreut.

    • darkrond sagt:

      naja, wir hatten ja klassenweise unsere reviere, in denen wir sammeln gingen. und da haben wir brav immer rechtzeitig unsere sammlungen an den brettern in den aufgängen angekündigt. so gab es nie probleme. (auch wenn die leute, die mit sero ihr privates taschengeld aufgebessert haben, nicht immer glücklich gewesen sein werden.)

  3. honigsaum sagt:

    Ja wirklich, beim Thema „Schädling“ sind Sie richtig aus sich herausgekommen! (Insgesamt sehr rührend.)

  4. nessy sagt:

    Hübsch haben Sie das gemacht. Und so eifrig.

  5. Die Zeitung holen als gute Tat darstellen! Pah!
    (Haben Sie die eigentlich bezahlt oder war das so ein Parteiblättchen, was es eh umsonst gab?)

    • C. Araxe sagt:

      Ja, mir ist schon klar, dass Sie als Sünderin nicht wissen, was eine gute Tat ist.
      Selbst die Presseorgane der Partei waren übrigens nicht kostenlos. Ob sie umsonst waren, ist eine andere Frage. Und als Blättchen konnte man sie auch nicht bezeichnen – es wurde schon ausgenutzt, dass Papier geduldig ist.

  6. zwilobit sagt:

    Ein Schatz, Frau Araxe, ein Schatz!!
    Einzig und allein mein Pionierausweis und ein Stern-Anstecker ist mir aus damaliger Zeit geblieben.
    (Und die netten Zeugnisse).

  7. graefin sagt:

    Aber Feldhamster sind doch so niedlich und so pelzig!
    Das Heft ist für mich wirklich aus einer anderen Welt.

  8. gulogulo sagt:

    hamster sind auch heute – 30 jahre später – noch ein schädling für die erfolgreiche wirtschaftsentwicklung des bundesdeutschen länderbundes.

  9. vestibor sagt:

    Ui, Bilder vom Leipziger Hauptbahnhof, wie er früher mal war. Sehr schön. Nicht so schön waren die Tauben dort, mal sollte schon wissen, wo man sich hinstellt.

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