Donnerstag, 9. Oktober 2008


Kein Leben

Es scheint mir, als wäre kein Leben möglich. Kein wirkliches Leben. Wird man sich des Lebens bewusst, so geschieht dies nur als Reflexion, also erst im Nachhinein. Mag es sich oft auch nur um Bruchteile von Sekunden handeln, so handelt es sich doch um Vergangenes – das, was war und nicht das, was ist. Und alles, was vergangen ist, ist tot, mag einem die Vergangenheit vielmals noch so lebendig vorkommen. Das aber, was Leben ist, kann man nur unbewusst erleben; genau dann, wenn es ist. In all den Momenten, in denen man lebt, kann man also nicht wissen, dass man lebt. Wie kann man da überhaupt leben?

- 2008.10.09, 11:13
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26 Responses to Kein Leben

  1. Ach Frau Araxe, frühstücken Sie doch nicht immer so schwer.

  2. Monsterkeks sagt:

    Komisch, dass man sich wie ein Zombie fühlt, aber in der Retrospektive glaubt gelebt zu haben.

  3. Das IST-Leben ist ja nicht nur der Bruchteilsmoment. Das, was Ihnen gegenwärtig ist, ist auch die vergangene Stunde oder sogar der Tag, aus dessen wohliger Erinnerung sich Ihre gegenwärtige Befindlichkeit bestimmt. Und was schließlich ist der Mensch (und also sein ganzes Leben) anderes als die Summe seiner Erinnerungen, seiner Erlebnisse, seiner Überzeugungen, seiner Taten, die allesamt aus der Vergangenheit geboren sind. Selbst Ziele und Zukunftsabsichten entstehen aus der Gesamtheit des Vergangenen und der Entscheidung, sie weiter zu entwickeln oder mit ihr zu brechen.

    • C. Araxe sagt:

      Das Vergangene mag einem gegenwärtig sein, aber eben nur in der Erinnerung. Rein Gedanklich – man erlebt es nicht. Man meint höchstens, es noch einmal zu erleben. Wenn die Vergangenheit auch Einfluss nimmt auf die Gegenwart und die Gegenwart ohne die Vergangenheit kaum existieren könnte, so kann die Vergangenheit nie Gegenwart sein. Vergangenheit (vor allem, sie zu verstehen) ist zweifelsohne wichtig, es kann aber immer nur das bleiben, was man erlebt hat und nicht das, was man erlebt.

    • Wäre es nicht eine gangbare Möglichkeit, den Flash-Speicher zwischen Ihren Ohren mal neu FAT32 durchzuformatieren in der Hoffnung, den bestehenden Deja-vu-Fehler in Ihrer Humansystemsoftware zu eliminieren? 😉

    • C. Araxe sagt:

      Welche Software?

      *Error*
      *No operating system found.*
      *Error*

  4. dus sagt:

    und alles was ist dauert 3 sekunden
    1 für vorher
    1 für nachher
    1 für mittendrin

    singt der peter. licht.

  5. Sun-ray sagt:

    Indem man Leben umfassender versteht.
    Das vermeintliche Dilemma entsteht ja dadurch,
    dass Lebensbewusstsein auf gewisse Kriterien
    beschränkt wird – so, als sei die Vorstellung
    von Leben mit Leben selbst identisch.

    Ich zäume das Pferd mal andersrum auf:
    Denken ist unumgänglicher Bestandteil von Lebensbewusstsein –
    nicht allgegenwärtig, jedoch grundsätzlich.
    Denken jedoch erfordert Distanz zu konkreter Gegenwart –
    anders kann es nicht stattfinden.
    Denken ist an Abwesenheit von Gegenwärtigem gebunden
    und findet in entsprechendem Raum statt.
    Des weiteren ist es gleichermaßen Prozess und Zustand.
    Was bedeutet, dass es sich allenfalls als Qualität
    bzw. im Hinblick auf eventuelle Ergebnisse erinnern lässt.
    Seiner Natur entspricht also folgendes Fazit:
    Wir leben, wenn wir denken, entziehen uns jedoch dabei
    notwendigerweise der Gegenwart.
    Gegenwartsempfinden als Kriterium für Leben anzunehmen,
    beschreibt nur eine gewisse Vorstellung davon,
    was als Leben befunden wird – nicht das Leben selbst.
    Dieses findet wesentlich komplexer statt,
    als es unser Zeit- und Raumempfinden suggeriert.

  6. schlepp sagt:

    Um es mal rein philisophisch zu vervollkommnen: „Ich bügle, also bin ich.“

    Also nicht daß wirklich bügeln würde, aber mir ist schon aufgefallen (und das ist jetzt rein persönlich), daß man einen Moment nur bewußt wahrnimmt, wenn er besonders schön, oder besonders schrecklich ist … zum Beispiel mit einem surrenden Zahnarztbohrer im Mund *g*

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