Montag, 24. April 2006


Pro Plazenta

Nach all dem „oh wie eklig“-Gekreische bei der Frau Budenzauberin und ansonsten ja auch überall, da sind sich Blogger und Journalisten ja mal einig, sollte man sich vielleicht einmal fragen, was daran nun wirklich eklig ist. Vor allem, wenn man ansonsten Fleisch verzerrt, dessen „Fertigung“ und Inhaltstoffe sicher wirklich als eklig bezeichnet werden könnten. Aber auch bei Vegetariern bleibt die Frage, warum einem natürlichen Bestandteil solch besondere Ächtung widerfährt. Ein Gewebe, welches maßgeblich daran beteiligt ist, wenn neues Leben entsteht, endet meist im Abfalleimer. Ist das nicht eher anormal zu nennen?

- 2006.04.24, 20:04
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76 Responses to Pro Plazenta

  1. Also essen möchte ich ein Stück Mutterkuchen gewiss nicht. Weder als Streusel- noch als Marmorkuchen.
    Das dies aber ein Ritual und eine Einstellungssache ist, ekelt mich nicht mehr als der Verzehr von Affenhirn oder anderen grausligen Sachen.
    Es geht ja nicht darum, dass irgendwelche Freaks Plazentaschnitzel im Restaurant ordern wollen, sondern um eine Form ritueller Handlung, die jedem selbst überlassen bleibt. Was Herrn Cruise angeht, ist das wohl eher eine Wichtigtuerei.
    Ich finde es nicht unnormal, eher befremdlich und nicht nachvollziehbar für mich persönlich. Aber ich würde auch nicht in das noch lauwarme herz eines erlegten Tieres beissen. Hier würde ich ja schon am Erlegen scheitern 😉

  2. Es heisst ja, man ist was man isst.
    Dann bin ich lieber ein Schwein oder Lämmchen als ein Kanibale.
    Also essen, nee wirklich nicht.

  3. zorachen sagt:

    Wääääähh das ist alles sooo ekelig… also ich werde da lieber Vegetarier als sowas zu essen.
    Nun ja…ausserdem esse ich auch sonst keinerlei Innereien…ganz zu schweigen von meinen eigenen ^^

  4. honigsaum sagt:

    Die Plazenta ist extrem nährstoffreich, und – nimmt man ihre Seltenheit hinzu – eine rare Delikatesse.

  5. Also essen möchte ich ein Stück Mutterkuchen gewiss nicht. Weder als Streusel- noch als Marmorkuchen.
    Das dies aber ein Ritual und eine Einstellungssache ist, ekelt mich nicht mehr als der Verzehr von Affenhirn oder anderen grausligen Sachen.
    Es geht ja nicht darum, dass irgendwelche Freaks Plazentaschnitzel im Restaurant ordern wollen, sondern um eine Form ritueller Handlung, die jedem selbst überlassen bleibt. Was Herrn Cruise angeht, ist das wohl eher eine Wichtigtuerei.
    Ich finde es nicht unnormal, eher befremdlich und nicht nachvollziehbar für mich persönlich. Aber ich würde auch nicht in das noch lauwarme herz eines erlegten Tieres beissen. Hier würde ich ja schon am Erlegen scheitern 😉

    • C. Araxe sagt:

      Dieser Beitrag war auch nicht so gemeint, dass nun alle davon überzeugt werden sollen, dass man Plazenten essen soll, sondern dass man sich eher Gedanken darüber macht, warum man es denn nun wirklich nicht macht. Einfach zu sagen, dass es eklig ist, finde ich als Argument nicht sehr aufschlussreich.

      Und ja, Wichtigtuerei würde ich dem Herrn Cruise auch unterstellen. Kann es ihm aber nur unterstellen; ich kenne ihn schließlich nicht.

  6. Wo sehen Sie denn da bei mir (also im Blog zu dem Thema) „oh wie eklig“-Gekreische?

  7. Lo sagt:

    Nach der Geburt unserer Tochter hat man mir auch die Plazenta gezeigt.
    Ich habe mich dann doch für die Tochter entschieden.

    Nein, ernsthaft:
    ich war überrascht, dass die Plazenta gar nicht soooo ekelig aussah, Sie war fest und hatte was von einer Pizza.
    (Bis auf das fehlende Oregano)

    Papa Lo

  8. Yooee sagt:

    Es mag zivilisatorisch oder einfach erzieherisch bedingt sein, aber obwohl ich sehr gerne Fleisch esse, will Plazenta nicht mal probieren. Denn Menschenfleisch hab nicht vor auch nur zu probieren. Abgesehen davon, gibt es auch Teile der sonst auch von mir für essbar gehaltenen Tiere, die ich lieber nicht kaufe oder bestelle, auch wenn sie andere für besonders gut halten. Dazu gehört etwa Kalbs- oder Lammbries, Hirn, sofern es noch als solches zu erkennen ist, Pansen (Kutteln), einige weitere Innereien wie auch teile des äußeren Tieres, bei denen ich eben das Gefühl im Mund nicht mag. Eine Placenta mag gebraten noch nicht mal schlecht riechen und aussehen, dabei hält mich aber vor allem der Gedanke, dass es menschliches Gewebe ist, ab, sie zu probieren.

    Den Stellenwerd des rituellen kann ich für andere auch icht nachvollziehen, wenn man sich die Placenta dann nach besonders pfiffigen Kochrezepten zubereitet. Wo bleibt das Ritual der Liebe zum Neugeborenen oder des Vaterstolzes oder was auch immer, wenn es im Rezept um Zutaten und Gewürze wie für ein normales Mittagessen geht, und womöglich noch Empfehlungen für die Tischdekoration gegeben werden.

    Wenn das jemanden aber nicht stört, so stört es mich auch nicht, dass er eine Placenta aufisst. So rational bin ich dann doch, um zuzugeben, dass das besser ist, als sie wegzuwerfen.

    • C. Araxe sagt:

      Nun ja, diese ganzen Rezepte sind insofern nachvollziehbar, wenn damit ein noch vorhandener „Restekel“ überdeckt wird.

      Yep, man muss nicht alles mögen, aber es sollte einem bewusst sein, dass andere auch nicht alles mögen, was man selbst für gut befindet.

  9. Tubias sagt:

    Die Plazenta soll unter einem Baum begraben werden. Damals wurde mir bewußt, daß ich über keinen einzigen Quadratzentimeter auf dieser Erde verfüge. Die Menscheit zerfällt in die Grundbesitzer und die Asozialen. Grundbesitzern gegenüber bin ich als Assi feindselig gesonnen. In meinem Beruf sollte ich das nicht… Nachdem die Planzenta also hoffnungsvoll quer durch’s Bundesland gefahren war, wurde sie dem Personal dann doch für den Eimer übergeben. So ist das ..Leben..

  10. Tubias sagt:

    Ich habe gelesen, daß Sie (lediglich) zum Nachdenken anregen wollen. Aber es hebt mich nun doch etwas an. Also Mehlwürmer, lebend, das würde ich vor Zeugen tun. Aber jetzt würde ich doch gern mein Abstimmverhalten („Ist sie bizarr?”) modifizieren.

    Ich gestehe ein, daß das intensivere Nachdenken über eine Leberwurst auch verstörend sein kann. A propos, als Kind bekam ich rohe Leber, gegen meine Blässe. Ich äußerte mich erfreut…

  11. derbaron sagt:

    Wie schon bei der Frau Budenzauberin geschrieben – ich kenne ein Paar, das die Plazenta nach der Geburt ihres Kindes gegessen hat. Die beiden sind übrigens Vegetarier.

    Ich konnte ihre Begründung damals zwar einigermaßen verstehen, trotzdem glaube ich nicht, daß ich selbst mich dazu überwinden könnte – für mich ist da die Nähe zum Kannibalismus zu groß … vielleicht nur eine emotionale Sache, aber trotzdem ….

    • C. Araxe sagt:

      Mich würde die Begründung genauer interessieren, zumal Sie sie einigermaßen verstehen konnten.

      Nähe zum Kannibalismus würde eine Nähe zum menschlichen Körper implizieren. Ich glaube aber eher, dass es zunehmend eine Distanz zum menschlichen Körper gibt. Nur mal so allgemein dahingestellt.

    • derbaron sagt:

      Naja, die Begründung ist jetzt keine wirklich Neue, sie wurde hier schon öfter ausgeführt. Es ging eben darum, daß die Plazenta voll an Nährstoffen sein soll, extrem gesund, fast wie ein Multivitamincocktail plus Mineralstoffen usw., sodaß es schade wäre, die so einfach wegzuschmeissen und daß die deshalb nicht nur von den Tieren gegessen wird, sondern daß das auch bei Naturvölkern gängige Praxis sein soll. Und auch in unseren Breiten soll das gar nicht einmal so selten sein … Behauptet zumindest das Paar, das ich kenne, auch wenn ich sonst noch wenig darüber gehört habe.

    • C. Araxe sagt:

      Nun ja, dank Promi-Bonus wird das jetzt vielleicht gängige Praxis.

    • dus sagt:

      PFUI ne bähbäh
      gesund ah wer isst denn HEUTE also ich wiederhole HEUTZUTAGE noch rohes.
      also ich esse keine plazenta. gehts noch.
      aber jedem das seine.

    • C. Araxe sagt:

      Heutzutage (das muss man nicht in Versalien schreiben) wird immer mehr Rohes gegessen. Oder hat an Ihrem Wohnort das Sushi-Angebot nicht zugenommen?

  12. Es wurde zwar schon alles gesagt, aber ich möchte trotzdem meinen Senf dazu geben. Mein erster Gedanke war IGITT! Aber dann dachte ich schnell and die Tierwelt und dass es dort normal ist. Ich hab trotzdem keinen großen Appettit auf Plazenta, aber nährstoffreich soll sie ja wirklich sein. Nun ja, die Zivilisation hat uns eben anders geformt. Aber was wäre, wenn wir von Hunger geplagt wären?

    • C. Araxe sagt:

      … dann sehen wir lechzend jeder Hochschwangeren hinterher und hoffen auf baldige Entbindung?

    • …das kann ich mir so zwar nicht vorstellen. Aber neulich habe ich ein Buch (Meridel Le Suer: The Girl) gelesen, das nach wahren Begebenheiten geschrieben wurde…es handelt von der Armut in den USA in den 30ern und da wurde am Ende geschrieben, dass die Frauen Plazenta aßen…eine fremde, nicht die eigene. Außerdem wurde impliziert geschrieben, (wir haben lange diskutiert ob nun ja oder nein), dass dort eine Frau (illegale) Abtreibungen vornahm und dann die Embryos aß.

    • C. Araxe sagt:

      In Ausnahmesituationen ist sicher ziemlich vieles möglich, was man sich unter normalen Umständen nicht vorstellen kann. Und sicher abstreiten wird, dass man selbst dazu in der Lage wäre. Aber mit Bestimmtheit kann man das nicht ausschließen.

    • zorachen sagt:

      Ich denke man würde so einiges tun, nur um das eigene Überleben zu sichern…

  13. zwilobit sagt:

    Ich hätte ja damals gern ein Foto der Placenta als Erinnerung haben wollen (mein Gott ja, nur für mich), aber die im Krankenhaus haben sie so schnell weggeschmissen. Gegessen hätte die auch keiner, war schon so grünlich.

  14. pikas sagt:

    Katzen schmecken übrigens auch sehr lecker.

  15. Niemals würd ich so was fressen und Katzen schon gar nicht. Basta.

  16. dus sagt:

    pfui so eine scheisse das ist doch nicht gesund.
    mein lord plazenta essen menschenfleisch essen
    ihr spinnt, spinnwoche!

  17. ConAlma sagt:

    good human parts Hochinteressant und lehrreich wie immer, das Gruselkabinett! Und zeigt eigentlich, dass die wahrlich gruseligen Dinge nicht jene sind, vor denen sich die mehrheitsfähige Allgemeinheit zu gruseln pflegt … 😉

    Ich hatte ja eine Phase, da wäre ich schon zur bekennenden Kannibalistin geworden: das nicht unbeträchtliche Hinterteil des Liebenden Mannes (der derzeit eine Liebesabstinenz durchmacht) hatte verführerische und ideenspendende Dimensionen. Aber ich hab ihm sein Sitzfleisch dann doch für unsere labenden und ausgiebigen Speisensitzungen gelassen.

    • C. Araxe sagt:

      Oh, vielen Dank für die Anerkennung. Meine Absichten werden ja oft verkannt … (Und eine Runde Selbstmitleid. *g*)

      Ne, aber ernsthaft. Ich find’s schade, dass oft so wenig Interesse vorhanden ist, mal über den Tellerrand hinauszuschauen, über Schatten zu springen, Abgründe auszuloten, einfach mehr wissen zu wollen.

      Tja, die fleischlichen Gelüste. *g*

  18. frau_floh sagt:

    Ich sage nur: Einbuddeln und Baum drüber pflanzen!

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