Dienstag, 1. August 2006


Schwuler Bigamist

Gleich nach dem Urlaub auf Borkum wollte ich eigentlich darüber schreiben, aber wie so vieles andere landete das Thema erst einmal in gedanklicher Versenkung. Da ruht so einiges sehr gut. So gut, dass ich es wieder vergesse. Und über was muss man denn auch wirklich bloggen? Genau genommen ist das nichts. Ja, da könnte man es auch gleich lassen, aber man hat sich dann doch mit dem Blog-Virus infiziert, dass man meint über dies und das schreiben zu müssen. Und so wurde auch diese Thematik wieder am vergangenen Wochenende ins Blogger-Bewusstsein gezerrt. Dabei handelt es sich um eine ziemlich komplizierte Angelegenheit. Also, Heiraten an sich ist ja schon nicht unkompliziert, aber hierbei habe ich auch keinen Rat mehr. Das kleine Monster stieß nämlich auf Borkum in Angesicht des dortigen Neuen Leuchtturms (der auch schon nicht mehr so neu ist, da 1879 erbaut) ein inbrünstiges „ich liebe diesen Leuchtturm“ heraus. Bald darauf war es wild entschlossen diesen Leuchtturm zu heiraten. Dann erfolgte die Begegnung mit dem Alten Leuchtturm (wirklich alt – Baujahr 1576), welche zunächst sehr von ängstlicher Ehrfurcht geprägt war. Die Metallgitterstufen, von denen man in gähnende Abgründe schauen kann, sagten dem kleinen Monster jedenfalls nicht sehr zu. Aber auch dieser Leuchtturm wurde schnell ins Herz geschlossen und es gab nunmehr zwei Heiratskandidaten. Das beschäftigte das kleine Monster sehr und so sinnierte es dann, dass ja Leuchttürme männlich seien und ob man Männer heiraten könne. In dem Punkt konnte ich es beruhigen. Ja, einen Mann kann man inzwischen heiraten. Das Dilemma besteht nun darin, dass es eben nur ein Mann ist. Wenn ein Leuchtturm weiblich wäre, so sagte ich ihm, dann hätte er damit keinerlei Probleme beispielsweise in Saudi-Arabien. Aber zwei Männer heiraten? „Kann man das denn wirklich nirgendwo?“, fragte das kleine Monster. Und ich wusste keine Antwort. Mal ganz davon abgesehen, ob man überhaupt Leuchttürme heiraten kann. Aber vielleicht wissen die Leser des Gruselkabinetts mehr?

Das kleine Monster mit dem Neuen Leuchtturm (keine Foto-Montage!)

- 2006.08.01, 21:13
58 Kommentare - Kommentar verfassen



58 Responses to Schwuler Bigamist

  1. ConAlma sagt:

    Ist ja schon ein schmuckes Ding, so ein Leuchtturm! Und dann auch noch ein zweiter – verständlich, dass man sie für sich bewahrt wissen will. Ich könnte mir ja vorstellen, dass es da einen alten Leuchtturmwärter gibt, der ähnlich empfindet. Und deshalb kein Problem hat, seinen Segen aus dem Wissen um den Wert einer solchen Sache zu spenden. Ich meine, das mit dem Zusammenleben ist ohnehin schwierig – Leuchttürme sind so schrecklich verwurzelte Gesellen, irgendwie eigensinnig. Das kleine Monster müsste die meiste Zeit über eine Fernbeziehung führen und auch beim Sommeraufenthalt ständig pendeln. Was allerdings bei wirklicher Liebe kein Problem sein sollte!

    • C. Araxe sagt:

      Oh, nein. Das kleine Monster hat da ganz konkrete Pläne. Zumindest der Alte Leuchtturm soll abgetragen werden und hier an der Elbe wieder aufgebaut werden, da dort ohnehin ein Neubau geplant ist. Mitnichten wird also eine Fernbeziehung angestrebt. Auch wenn ich an der Ausführung so meine Zweifel hege, finde ich das durchaus konstruktiver. Für eine Zeit lang mag die Liebe aus der Ferne reizvoll sein, aber auf Dauer ist es dann doch sehr zermürbend.

  2. twoblog sagt:

    „Küsschen!“ Ein liebevoller Artikel einer liebevollen Mutter über einen liebevollen Sohn, der mit Liebe erstellte Leuchttürme mag.

    Ich glaube, er mag diese Gebäude.

    Sie sind ja auch komisch, eigen und selten und ich mochte und mag sie auch. Das hat sogar Hintergründe:

    Bin mal vor vielen Jahren mit einer leicht Verrückten wochenlang in Portugal umhergereist und habe nur, ich betone nur, Leuchttürme fotogtafiert. Die „hats dort“.

    Eine jetzt schon auftgetauchte, übernatürliche Liebe zum Penis sehe ich beim Sohn nicht.

    Dass die Mutter – davon gehe ich aus – das Bild machte, das ist vielleicht den einen oder anderen Kommentar sowieso auch noch wert. 🙂

    Wünsche Euch einen guten Abend. Muss zur Tanke. 😉

    • C. Araxe sagt:

      Ähm, ja. Also, das kleine Monster hegt seit einiger Zeit eine Vorliebe zu phallischen Bauten, neben Leuchttürmen wären da auch noch Fernsehtürme und Wassertürme zu nennen. Das kleine Monster würde sich übrigens sehr über portugiesische Leuchtturm-Bilder freuen. Und ach, wenn das kleine Monster wirklich schwule Emfindungen in Zukunft hegen sollte, dann hätte es mit seiner Mutter keinerlei Probleme damit.

      Nun bin ich ja gespannt, was Sie mit dem einen oder anderen Kommentar meinen. Und was wollen Sie an der Tanke (breites Grinsen für die Verwendung dieses Terminus)?

    • twoblog sagt:

      Süsses, Vino Bianco, Gückseln ;-). „Tanke“, eine Wortschöpfung eher wohl aus den deutschen Landen, steht für „Tankstelle“ mit eben den unnachahmlichen Treffen (vermehrt Freitagabend und Samstagabend) und „ey, Du bist krass, Süsser – oder bei ihr „ey, Dein Vorbau, ey“ und sich cool eindecken mit Sixpack(s) und ey, Du und hey, kommsch auf Party und so – ey Du, hey, cool bisch…“

    • C. Araxe sagt:

      Nee, das ist nicht Ihr Ernst? Süßer Weißwein?

      Und Tanke brauchen Sie mir nicht erklären, ich wunderte mich nur etwas darüber, dass Sie das gebrauchen. Und da gibt’s ja auch noch Unterschiede. Zumindest, wenn ich mal hier um die Ecke zur Tanke gehe oder wenn ich mal beispielsweise an der Tanke bin, die sich an der Reeperbahn befindet.

    • C. Araxe sagt:

      Billiger Fusel macht schneller müde …

    • twoblog sagt:

      Mag sein, weiss ich nicht, trinke keinen Fusel. Bin über Ihrer letzten Antwort eingenickt. Haben Sie das nicht bemerkt?

    • C. Araxe sagt:

      Doch, doch. Ihr Schnarchen war nicht zu überhören.

  3. zwilobit sagt:

    Ein wunderbares Foto.
    Und ein interessantes Thema.
    Aber ich weiß grad nix.

  4. sokrates2005 sagt:

    Schlagen sie ihm doch vor … er soll vor dem Heiraten des einen oder anderen Leuchtturms mal dort probewohnen, vielleicht erkaltet ja dann die Liebe zum einen oder anderen oder gar zu beiden.
    Falls nicht, wenden sie sich wieder an die Bloggemeinde um Rat.

    • C. Araxe sagt:

      Hm, noch sind ja Ferien. Aber was mache ich, wenn das kleine Monster danach immer noch Probewohnen möchte? Was ganz sicher tun wird.

      Ich glaube, das klingt etwas merkwürdig, wenn ich in der Schule anrufe und sage, dass das kleine Monster leider nicht kommen kann, da es gerade einen Heiratskandidaten testet.

  5. graefin sagt:

    Und wieder mal bewundere ich die Phantasie und die Fähigkeit des kleines Monsters einfach so ohne Nebengedanken in die Welt hinein zu stiefeln. Kindliche Denkweisen gehen uns doch viel zu schnell verloren!

    Und Leuchttürme sind schon was schönes! Ich war da mal in Dänemark bei einem Leuchturm der mitten in einer Wanderdüne stand und über die Jahrhunderte mal ganz zu sehen war, dann mal wieder ziemlich mit Sand bedeckt war. Ein faszinierendes Schauspiel. Und Leuchttürme haben so eine Mischung aus Fernweh und Heimat an sich. *Seufz*

    Ach und was die Frage angeht: Keine Ahnung. Mit einer Doppelhochzeit wird das nix, aber wenn die 3 vielleicht einfach eine WG aufmachen…

  6. vienna-beads sagt:

    Vielleicht könnte das kleine Monster den Leuchtturm ja adoptieren? Soweit ich weiß, kann man das ja öfters machen.

    • C. Araxe sagt:

      Das ist ja noch komplizierter …

      Die Adoption eines Erwachsenen ist möglich. Dazu wendet man sich an einen Notar, der mit den Beteiligten einen notariellen Vertrag aufsetzt und über alle Rechtsfolgen (§§ 1754, 1755 BGB) aufklärt. Nachdem der Vertrag geschlossen wurde, stellt der Notar beim örtlich zuständigen Amtsgericht den Antrag, die Adoption zu beschließen. Kommt das Amtsgericht zu dem Schluss, dass ein Eltern-Kind-Verhältnis entstanden ist, kann es den beantragten Beschluss fassen. Wenn die volljährige Person bereits verheiratet ist, ist der Ehepartner auch beteiligt am notariellen Vertrag und muss einwilligen nach § 1749 Abs. 2 BGB. Die Adoption eines Volljährigen richtet sich nach den §§ 1767 und 1770 BGB. Es gibt verschiedene Varianten dieser Adoption: – Volladoption eines Volljährigen nach §§ 1767,1772 BGB – Volladoption eines Volljährigen durch Verwandte oder Verschwägerte §§ 1767, 1772, 1756 Abs. 1 BGB – Volladoption eines volljährigen Kindes eines Ehegatten, dessen frühere Ehe durch Tod aufgelöst ist, durch den anderen Ehegatten §§ 1767, 1772, 1756 Abs. 2 BGB Volladoption eines volljährigen Kindes eines Ehegatten, dessen frühere Ehe auf andere Weise als durch Tod des früheren Ehegatten aufgelöst ist, durch den anderen Ehegatten §§ 1767. 1772, 1754 BGB Nachdem das Gericht die Adoption beschlossen hat, schickt es eine Mitteilung an das Geburtsstandesamt. Das Standesamt schreibt einen sogenannten Randvermerk zum Geburtseintrag des Adoptierten mit der Folge, dass nun in der Geburtsurkunde die Adoptiveltern stehen. In der Abstammungsurkunde bleiben es immer die leiblichen Eltern. Die Abstammungsurkunde muss man zum Beispiel vorlegen, wenn man heiraten möchte, damit das Standesamt feststellen kann, ob die Heiratswilligen nicht miteinander verwandt sind (leibliche Verwandtschaft). Im Gesetzeslaut: § 1767 (Voraussetzungen; anwendbare Vorschriften) BGB (1) Ein Volljähriger kann als Kind angenommen werden, wenn die Annahme sittlich gerechtfertigt ist; dies ist insbesondere anzunehmen, wenn zwischen dem Annehmenden und dem Anzunehmenden ein Eltern-Kind-Verhältnis bereits entstanden ist. (2) Für die Annahme Volljähriger gelten die Vorschriften über die Annahme Minderjähriger sinngemäß, soweit sich aus den folgenden Vorschriften nichts anderes ergibt. § 1768 (Antrag) (1) Die Annahme eines Volljährigen wird auf Antrag des Annehmenden und des Anzunehmenden vom Vormundschaftsgericht ausgesprochen. §§ 1742, 1744, 1745, 1746 Abs. 1, 2, § 1747 sind nicht anzuwenden. (2) Für einen Anzunehmenden, der geschäftsunfähig ist, kann der Antrag nur von seinem gesetzlichen Vertreter gestellt werden. § 1769 (Kinder) Die Annahme eines Volljährigen darf nicht ausgesprochen werden, wenn ihr überwiegende Interessen der Kinder des Annehmenden oder des Anzunehmenden entgegenstehen. § 35 (Sachliche Zuständigkeit) FGG Für die dem Vormundschaftsgericht obliegenden Verrichtungen sind die Amtsgerichte zuständig. § 36 (Örtliche Zuständigkeit) (1) Für die Vormundschaft ist das Gericht zuständig, in dessen Bezirk der Mündel zu der Zeit, in der die Anordnung der Vormundschaft erforderlich wird oder in der die Vormundschaft kraft Gesetzes eintritt, seinen Wohnsitz oder bei Fehlen eines inländischen Wohnsitzes seinen Aufenthalt hat. Wird die Anordnung einer Vormundschaft über Geschwister erforderlich, die in den Bezirken verschiedener Vormundschaftsgerichte ihren Wohnsitz oder ihren Aufenthalt haben, so ist, wenn für einen der Mündel schon eine Vormundschaft anhängig ist, das für diese zuständige Gericht, anderenfalls dasjenige Gericht, in dessen Bezirk der jüngste Mündel seinen Wohnsitz oder seinen Aufenthalt hat er, für alle Geschwister maßgebend. (2) Ist der Mündel Deutscher und hat er im Inland weder Wohnsitz noch Aufenthalt, so ist das Amtsgericht Schöneberg in Berlin-Schöneberg zuständig. Es kann die Sache aus wichtigen Gründen an ein anderes Gericht abgeben; die Abgabeverfügung ist für dieses Gericht bindend. (3) Ist der Mündel nicht Deutscher und ist eine Zuständigkeit nach Absatz 1 nicht begründet, so ist das Gericht zuständig, in dessen Bezirk das Bedürfnis der Fürsorge hervortritt. (4) Für die Vormundschaft über einen Minderjährigen, dessen Familienstand nicht zu ermitteln ist, ist das Gericht zuständig, in dessen Bezirk der Minderjährige aufgefunden wurde.

    • vienna-beads sagt:

      wie ich sehe … haben Sie sich schon ausgiebig in die Materie eingelesen. Tja, es scheint in der Tat etwas idiotisch bürokratisch kompliziert.

    • C. Araxe sagt:

      Verheiratet muss man jedenfalls nicht unbedingt sein. Das wäre ja noch abstruser, wenn das kleine Monster erst einmal heiraten würde, um dann die Leuchttürme zu adoptieren, die es eigentlich heiraten will.

  7. julya sagt:

    männer, die um die zwei meter groß sind, die nennt man doch auch leuchtturm und in diesem fall kann ich versichern, DIESEN leuchtturm könnte frau heiraten 😉

    PS: das bild ist klasse!

  8. Tubias sagt:

    schwul, Bigamist, heiraten, das ist doch alles keine Bedingung. Das Monsterchen trifft präzise meine Vorstellung von Liebe: Liebe ist für mich etwas, das nicht enttäuscht werden kann. Mein Lieblingsbeispiel: Mein Gefühl für Sonnenuntergänge. Das ist Liebe pur.

    Was macht ein Mensch mit zwei Katzen oder zwei Kindern? Er heiratet sie nicht, er schließt sie einfach ins Herz. Und hunderte (sterbende) Sonnenuntergänge kann man auch nicht heiraten.

    Das war’s eigentlich auch schon.

    Süße Monster gibt’s… Strubbeldiwubbeldiwuschel. Wenn ich das bitte so anmerken darf. Sehr ungruselig.

    • C. Araxe sagt:

      Das war ja die Idee vom kleinen Monster, die mit dem Heiraten. Mir wäre das ganz bestimmt nicht eingefallen. Was jetzt nicht heißen soll, dass ich etwas gegen Leuchttürme habe. Ganz im Gegenteil. Die mag ich auch sehr gern.

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