Montag, 5. Juni 2006


Vereitelter Festakt

Mit doch etwas Stolz schaut man auf die Vollendung des architektonischen Großvorhabens im Gruselkabinett. Die Zeit des Grabsteinrückens ist nun vorbei. Gedanklich sucht man nach den richtigen Formulierungen für die Einweihnungsrede. Überlegt, welche Getränke passend wären. Mit der Kleiderordnung braucht man sich nicht weiter zu beschäftigen. Ein Punkt weniger, den man bedenken muss, denn da gibt es ja so vieles, was beachtet werden muss und man atmet etwas erleichtert auf. Doch dann fährt man unter einem Gedanken erschrocken zusammen. Wie konnte das nur vergessen werden? Ohne dies geklärt zu haben, ist eine Eröffnung schier unmöglich. Im Kopf macht sich allerdings gähnende Leere breit. Keine Idee lässt sich blicken. Für Heidenkinder gibt es zu Pfingsten keinen Geist. Und so wende ich mich nun an meine Leser mit der Bitte, mir bei der Namensfindung behilflich zu sein.

- 2006.06.05, 12:23
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71 Responses to Vereitelter Festakt

  1. pollykrohm sagt:

    beeindruckend. sieht auch aus, als hätte es ziemlich spaß gemacht. und vor allem photographisch sehr überzeugend.
    in sachen detail und morbidität erinnerts mich ganz entfernt an diese schneewittchen-puppe… aber die ist bekannt, nehme ich an.

  2. theswiss sagt:

    sieht grossartig aus! Was mit Ruhe sanft oder so .. bis hierhin und nicht weiter ..

  3. gulogulo sagt:

    waldesruh – ach ne, so heißt ja das hiesige seniorenheim schon.

  4. Sylvia-Maria sagt:

    „Samsara“ – steht im buddhistischen Sinne für den Kreis der Leidenschaften, die immer zum Tode führen und zur Wiedergeburt zwingen.

    • C. Araxe sagt:

      Kann man denn auch einen buddhistischen Namen für einen Friedhof nehmen, der offensichtlich nicht buddhistisch ist?
      Ich muss allerdings dazu sagen, dass die jetztige Form des Friedhofs nicht bewusst gewählt wurde. Das hat sich so ergeben bzw. hatte ich nur Lieferanten aus dem christlich geprägten Kulturkreis.

    • Sylvia-Maria sagt:

      Ja – das kann man. Die Bezeichnung „Samsara“ steht im buddhistischen Sinne für den Kreis der Leidenschaften an sich – da das uns alle betrifft, ist die Religionszugehörigkeit nicht ausschlaggebend. Vielleicht haben Sie dann auch mal Anfragen von Buddhisten und sind mit der Zeit daraus resultierend nicht nur von christlich geprägten Lieferanten abhängig.

    • C. Araxe sagt:

      Mehr Farbe? Der ist doch schon sooo bunt!
      (Ich habe die Farbsättigung nur ganz wenig reduziert …)

      Wenn ich es mir aber recht überlege, dann möchte ich am liebsten einen Friedhof, der von keiner Religion abhängig ist und auf dem alle Platz finden. Ich dementiere prophylaktisch gleich vorab, dass dieser Gedanke etwas mit Gewinnmaximierung zu tun.

    • Sylvia-Maria sagt:

      …das mit der Farbe, dass hatte ich wahrscheinlich zeitgleich editiert. Sollte nicht heißen, dass Ihr Friedhof nicht bunt genug ist.

      Ja – dann käme ja nur ein multitkultureller Name in Betracht….

    • C. Araxe sagt:

      Ich merke schon, das wird immer komplizierter …

  5. Lo sagt:

    Spontan fällt mir
    NEUE HEIMAT ein.

    Hm.
    *grübel*

  6. twoblog sagt:

    Sie spielen mit dem Tod.

  7. Sylvia-Maria sagt:

    Ja – genau. „Spiel mir das Lied vom Tod“…. gibt’s eigentlich eine Kapelle?

    • C. Araxe sagt:

      Die schon vom kleinen Monster gewünschte Kapelle wurde leider (noch) nicht erbaut.

      @Herr Twoblog
      Das dürfte für Sie doch keine neue Erkenntnis sein.
      So als aufmerksamer *hust* Besucher des Gruselkabinetts

    • theswiss sagt:

      und die Kappelle spielt dann Spiel mir das Lied vom Tod

    • C. Araxe sagt:

      Musikalisch würde ich auf dieses sehr vielfältige Repertoire zurückgreifen.

      „Nicht alle Menschen finden den Tod als finsteres und langsamses Ende. Auf dieser CD wird einem musikalisch der Abschied vom Verstorbenen so vermittelt wie jeweils dort (nach Landessitte) das Leben geschätzt wird. Mal locker und lustig, mal schwer und finster. Reinhören und man denkt plötzlich völlig anders über den späteren Abschied.“

      Das würde auch treffender für den angestrebten multikulurellen Status sein.

      Die CD ist wirklich sehr schön, gerade auch wenn man ansonsten Blaskapellen nicht besonders mag.

  8. waschsalon sagt:

    tja, als nicht heidenkind fällt mir dazu nichts ein.

  9. Sylvia-Maria sagt:

    Die Entscheidungsfindung gestaltet sich ja sehr schwierig – vielleicht sollten Sie einmal analysieren:

    – eine saubere Bestimmung des Entscheidungsproblems
    – Spezifikation der Anforderungen, welche die Entscheidung erfüllen muss
    – Herausarbeiten aller Entscheidungsvarianten
    – Analyse der Folgen für jede Variante

    Varianten stehen Ihnen ja inzwischen zur Verfügung – es sei denn, sie finden bei allen auch jeweils nur ein „Nein-Kriterium“. Dann müssten noch mehr Varianten her.

    • C. Araxe sagt:

      Die Festlegung eines Namens, der zur Kennzeichnung und Unterscheidung dienen soll, dessen Bedeutung eine klar erkennbare Symbiose mit dem Objekt eingeht, so dass diese zu einer Sinneinheit verschmelzen. Dieser Name sollte originell, aber dennoch eingängig sein. Die Nutzung des Objektes sollte klar erkennbar sein und bestmöglich sollten auch noch zweitrangige Attribute wiedergegeben werden, so dass ein umfassender Gesamteindruck durch die Namenswahl möglich ist. Die Bezeichnung sollte kulturübergreifend und allgemein verständlich sein. Hinzu kommt noch ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl, welches sich sogar über oben genannte Bedingungen hinwegsetzen kann und auch eine Analyse überflüssig macht: ein Vorschlag, der mir sofort ohne wenn und aber gefällt.

    • C. Araxe sagt:

      Ganz klar, Sie kennen meine Schwäche fürs Morbide. Aber so ganz kann ich mich dennoch nicht damit anfreunden. Sie müssen verstehen, da hat man von früh morgens bis spät in die Nacht etwas im Schweiße seines Angesichts erbaut. Es ist gerade erst fertiggestellt und die Einweihung steht sogar noch bevor. Also, da mag man denn doch weniger an Zerfall denken. ;·)

  10. vienna-beads sagt:

    Sehr schön … Sehr schön …
    ist er geworden der Friedhof! Da haben Sie wirklich sehr viel Zeit und Mühe investiert, das sieht man. Sie haben auch noch einiges an Material dazu gekauft/selbst angefertigt! Sehr kreativ!

    • C. Araxe sagt:

      Stimmt. Es wurde noch etwas in zusätzliche Ausstattung investiert. Wenn schon, dann richtig! Zwar fand ich es bedauerlich, dass so ein Schaukasten von Ikea, in den der Friedhof nun mal aus Sicherheitsgründen hinein passen sollte, doch eine sehr kleine Fläche hat. Aber das hat auch den großen Vorteil, dass man nun endlich das Bauvorhaben im Großen und Ganzen abschließen konnte, ansonsten würde ich wohl noch ein paar Jahre damit beschäftigt sein.

      Ach ja, ich bin sehr erleichtert, dass das Buch kein Fehl- bzw. Doppelkauf war. Schön, dass es Sie erfreut hat.

  11. interlife sagt:

    mei ist das ein niedlicher friedhof. so einen hätte ich mir als kind auch immer gewünscht.

  12. sokrates2005 sagt:

    Da steht doch … so ein Gefährt mit der Aufschrift „Friedmann“ vor dem Friedhof. Nennen sie ihn doch „Friedmanns Friedhof“.

    P.S.: Wann wird die erste Exhumierung stattfinden?

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