Donnerstag, 30. Januar 2020


Домо́й

Um ins Domizil des recht dörflich anmutend gelegenen neuen RL-Gruselkabinetts zu gelangen durchquert man eine Neubausiedlung, wenn man die S-Bahn nimmt. Gefühlt leben hier nur Russen und dann noch ein paar Polen. Hingegen einer Vorstellung eines Freundes von mir, handelt es sich vornehmlich nicht um gewalttätige Jugendgangs, sondern um Omas (im Sommer) und Opas (im „Winter”), die da öffentlich abhängen. Diese auch schon etwas in die Jahre gekommenen Neubaublöcke, durchsetzt mit Hochhäusern, sind nicht gerade das, wo ich wohnen wollen würde, aber sie erinnern mich dann doch daran, wo ich aufgewachsen bin. Beton, Stadtrand und dennoch viel Grün/Natur dazwischen und noch viel mehr ringsum (nur die Seen fehlen hier). Und so finde ich es gar nicht so erschreckend, da (nun auch schon vorm Umzug vermehrt) durchzulaufen. Eher besteht auch dazu eben eine Verbindung, die Heimatgefühle aufkommen lassen. Wobei ich mit Russen damals sehr wenig zu tun hatte, aber vielleicht doch etwas mehr als der die meisten DDR-Bürger. So wurde ich beispielsweise zu Jolka-Festen (quasi ein sowjetisches Weihnachtsfest, das nichts mit der russisch-orthodoxen Kirche zu tun hat) mitgeschleppt. Und ich hatte lange Jahre einen russischen Brieffreund, der durch polnische Freunde vermittelt wurde und nicht schulisch vorgegeben war. Um im Russisch-Unterricht zu punkten, gab es nämlich auch immer Listen für Brieffreunde. Der Kontakt ging jedoch zu Wendezeiten verloren (ebenso mit den polnischen Freunden) und ich kann überhaupt nicht mehr nachvollziehen, wie wir uns da auf Russisch verständigt haben. Bei mir ist da inzwischen so fast alles weg, was Sprachkenntnisse betrifft. Aber ich bin soundso nicht so gut, was Fremdsprachen betrifft. (Dennoch hatte ich mal ein lustiges Erlebnis in Prag, wo ich als Einheimische verortet wurde, was aber mehr an meinen kurzen Antworten lag, denn ich spreche kein Tschechich.)
Aber um nochmal aufs Russische zurückzukommen – da häufte sich derzeit sehr viel im weitesten Sinne. Serienmäßig („McMafia” – britische Serie mit russischer Thematik als auch viel in russischer Sprache), literarisch („Die Katze und der General” – die Autorin ist Georgerin, aber thematisch ist es gleichfalls sehr russisch – nämlich der letzte Roman von der mir sehr geschätzten Nino Haratischwili) und dann ist immer auch noch die Musik, wobei Shortparis bei mir ganz oben stehen.

Aber auch IC3PEAK finde ich beeindruckend, auch wenn es eigentlich nicht so mein Musikgeschmack ist

Oder um es anders zu sagen – Russland ist so viel mehr als Putin – historisch gesehen als auch in der Gegenwart. Конечно.

- 2020.01.30, 22:32
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3 Responses to Домо́й

  1. Zucker sagt:

    Also Ihre Überschrift konnte ich lesen und verstehen, obwohl ich auch dachte, es ist alles weg, was ich jemals im Russischunterricht gelernt habe. Von daher ist vielleicht mehr hängengeblieben als man immer annimmt, nur daß es durch das entsprechende Lesen oder Hören erst wieder aktiviert und aus den Tiefen des Gehirns hervorgekramt werden muß.
    Ich hatte nie soviel Kontakt zu Russen, bzw. Sowjetbürgern, wie es damals hieß, und auch keinen sowjetischen Brieffreund, aber dafür Märchenbücher mit russischen Märchen. Die fand ich immer toll und sehr gruselig zugleich. Und auch diese ganz speziellen folkloristischen Illusdtrationen darin. Weil mir das gerade einfiel, suchte ich bei Bing nach entsprechenden Abbildungen und fand auch welche von denen die damals in den Büchern waren, aber so im Nachhinein finde ich sie gar nicht mehr so gruselig wie als Kind. Aber das ist wahrscheinlich normal. Die Hexe Baba Jaga würde ich heute vermutlich ebenfalls nicht mehr besonders furchterregend finden.

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