Hach … schon wieder einmal habe ich Probleme mit meinem Qualitätsbewusstsein. Ich kann einfach nicht so vor mich hinschlampen, die Klappe halten, einfach machen und dabei die Qualitätsansprüche auf ein Niveau herunterschrauben, die für mich als Grafikerin schlicht niveaulos sind.
In diesem Fall geht es um Fotos für die Bewohnerzeitschrift des Seniorenheims. Das ist zugegebenermaßen ein Herzensprojekt von mir und es hat keinen so großen Radius, aber immerhin steht die Stiftung, die diese Seniorenwohnanlage betreibt, an oberster Stelle in der Firmengruppen-Hierarchie und diese Bewohnerzeitschrift dient somit auch der Imagepflege.
Ich habe früher auch mal in einem Verlag gearbeitet und die Zeiten mögen sich geändert haben, aber ich finde, dass für ein Print-Produkt (sei die Auflage auch noch so klein und es gibt ja auch noch die oben genannten Aspekte) gewisse Qualitätsstandards möglichst eingehalten werden sollten.
Wenn ich nun also grottenschlechte Fotos bekomme, versuche ich diese mit minimalem Zeitaufwand für ein besseres Ergebnis aufzubereiten. Und es ist nicht so, dass ich deswegen andere Projekte vernachlässige. Aber dieser Einsatz ist für einige Kollegen/Kolleginnen schon zu viel. Diese würden diese grottenschlechten Fotos einfach verwenden. „Ist ja eh nur für alte Leute, die nichts mitbekommen.”
Wenn es wirklich darum gehen würde, dass andere Projekte wichtiger sind, wäre klar, dass diese vorgehen. Aber es geht wohl eher darum, dass zu viel Ambition störend bei der eigenen Bequemlichkeit und Anspruchslosigkeit ist.
Für mich ist es zudem auch noch eine Frage der Wertschätzung von den Bewohnenden des Seniorenheims und damit auch alten Menschen allgemein. In der Bewohnerzeitschrift gibt es immer Portraits von Bewohnenden – sie kommen zu Wort und es wird von ihrem Leben berichtet. Allein das finde ich sehr wichtig, auch wenn vielleicht viele Bewohnende die Bewohnerzeitschrift nicht voll und ganz lesen können.