Sonntag, 31. Mai 2020


Die Ordnungshüterin

Ein Polizist hält einen Radfahrer an. Der sah nach gängiger Betrachtungsweise nicht deutsch aus. Ich war zu weit weg, um zu verstehen, um was es direkt ging, aber aus meiner Sicht hatte er nichts falsch gemacht. Auf dem Fahrradweg, richtige Seite und sogar mit Schutzmaske. Er sollte von seinem Fahrrad absteigen, was er verweigerte und es wurde lebhaft diskutiert. Dann sah der Polizist mich. Und winkte ihn einfach weiter. Ich habe einfach nur sehr intensiv aus der Ferne hingesehen. So viel reicht also manchmal schon.

- 2020.05.31, 22:41
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3 Responses to Die Ordnungshüterin

  1. C. Araxe sagt:

    Und nein, ich glaube nicht, dass ich die Situation fehl einschätze. Von weitem gesehen gab es eine längere Diskussion, die abrupt beendet wurde, als der Polizist mich sah und somit wusste, dass die Szene beobachtet wurde. Meine schwarze Kleidung mag vielleicht auch dazu beigetragen haben.

    • iGing sagt:

      Nichts für ungut, aber was genau wollen Sie damit nun andeuten? Dass wir hier [US-ähnliche?] Polizeiwillkür zu erwarten haben? Oder dass schwarze Kleidung Polizisten Respekt einflößt?
      Wie Sie die Eigenschaft ‚Deutscher oder nicht‘ von Weitem erkannt haben wollen, bleibt mir ein Rätsel. Ich teste diese Frage im Allgemeinen, indem ich die Person anspreche – und zu meiner großen Überraschung kommt dann manchmal ein Deutsch zurück, dass ich mich schäme, etwas Anderes als ‚deutsch‘ vermutet zu haben.

      • C. Araxe sagt:

        Wir haben hier (wie auch andernorts in Deutschland) leider schon mehr als genug rassistisch agierende Polizisten. Und das ist auch kein neues Problem. In gewissen Gegenden dieser Stadt sind Personenkontrollen rein äußerlich bestimmt.
        Schwarze Kleidung könnte (ich behaupte nicht, dass es so war) dazu beigetragen haben, dass die Beobachtung der Szene ernster genommen wurde, weil dadurch eine Veröffentlichung eines Fehlverhaltens (wenn es dazu gekommen wäre) wahrscheinlicher gewesen wäre. Die meisten Menschen hätten wohl auch einfach weggesehen.
        Und die meisten Menschen meine ich auch mit „der gängigen Betrachtungsweise” – nicht mich. Zumindest habe ich den Eindruck, dass die meisten Menschen ihre Urteile nach Äußerlichkeiten fällen.
        Die Quintessenz ist, dass allein das Nichtwegschauen schon wichtig ist.

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