Montag, 18. Juni 2007


Fleisch auf nackter Haut

… oder der Augennachobenverdreher des Tages.

Es hat nie etwas Gutes zu bedeuten, wenn vor einem in der Schlange an der Kasse im Supermarkt eine Oma steht. Das geringste Übel ist es, wenn nur endlos das Kleingeld zusammengesucht wird. Doch, doch – dafür habe ich noch Verständnis. Im Alter dauert eben alles etwas länger, auch wenn ich mich immer wieder frage, warum Rentner vornehmlich zu Zeiten einkaufen gehen, in denen dies die meisten Berufstätigen tun. Weitaus schlimmer ist es, wenn sich gesprächssuchend umgesehen wird und kein kommunikationsabweisender Blick davor Rettung bringen wird. Und schon geht es los: „Unmöglich, was die Leute immer alles im falschen Regal liegen lassen, besonders, wenn es Sachen sind, die ins Kühlregal gehören, aber dieses – hierbei wurde ein Packung ominösen Inhalts (,Schinkenschmecker’ stand darauf, sicher so eine Art Formpressfleisch aus Resten der Fleischindustrie) triumphierend hochgehalten – habe ich gerettet. Das wurde erst vor kurzem da im Weinregal abgelegt. Fühlen Sie mal, das ist noch ganz kalt.” Da erst wurde bemerkt, dass ich keine Hand mehr frei hatte, da ich zu den Einkaufswagenverweigerern gehöre. Aber ehe ich mich versah, presste sie mir das Fleisch auf den Arm …

- 2007.06.18, 19:38
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46 Responses to Fleisch auf nackter Haut

  1. Etosha sagt:

    Das ist ja mal wirklich eine gruselige Geschichte. Brrr.

  2. NibblesChris sagt:

    Ach du Scheiße, so eine blöde Omma hatte ich letztens auch *Omma in die Sterne tret*

    [man entschuldige meine Wortwahl, aber ich bin ein sehr guter Nachvollzieher]

  3. Jaja, Veränderung ist die einzig wahre Konstante im Leben. Sie als Gothic-Autistin und kratzbürstige Einkaufswagenverweigerin mit sanftem Hang zum Morbidem werden in 40 Jahren auch dankbar sein, wenn Sie der ALDI-Kassiererin ein Gespräch über Ihre leuchtende Vergangenheit als ‚Grande Dame de Twoday‘ aufdrängen können und diese dabei nicht zu Gähnen beginnt.

    Das wird der Moment sein, wo ich plötzlich hinter Ihnen stehe und Ihnen eine Lage kaltes Formpressfleisch auf die Stirn pappe. 😉

    • C. Araxe sagt:

      Ich glaube nicht, dass sich meine autistischen Neigungen im Alter grundsätzlich ändern werden. Außerdem werde ich dann ja ein Laptop mit so großen Tasten haben und munter weiter bloggen.

      Aber begeben Sie sich ruhig in einen Supermarkt mit Formpressfleisch auf die Lauer – das wird Sie sicher berühmt machen. Schlagzeile in BLÖD: „Formpressfleisch-Opa wieder da – ganz Deutschland freut sich”.

    • *g Denkste! Ich weiß ja jetzt, wo ich in Hamburg-Eilbek mit dem Formpressgammelfleisch auf Sie warten muss. Wenn Sie die Menschen lieben, schicken Sie mir lieber ein Foto von sich, damit nicht alle hochgewachsenen, dunkelgekleideten Einkaufswagenverweigerinnen im Penny-Markt an der Wandsbeker Chaussee unter meinen Pressfleischattacken zu leiden haben!

      Außerdem werde ich bei jedem Treffer laut ausrufen „Das haben sie Frau C. Araxe aus Eilbek zu verdanken!“. Ich denke, damit sind Sie in Hamburg gesellschaftlich verbrannt! 😉

    • C. Araxe sagt:

      Au, ja – dezimieren Sie die Kundschaft dort. Nehmen Sie ruhig buntgekleidete und kleingewachsene Menschen hinzu. Männer wie Frauen. (Sie müssen ja nicht alles glauben, was ich hier erzähle …) Das Sortiment wird dann immer vollständig sein und es gibt an der Kasse keine Schlange mehr.

      Mein gesellschaftlicher Status interessiert mich soundso wenig bis gar nicht. :·P

    • Wie konnte ich der verrückten Idee anhängen, dass eine autistische, egomanische FleischOmaHasserin evtl. die Menschen lieben könnte. *s

      Ich fürchte, das Sortiment Ihres Penny-Markts wird unvollständig bleiben, da ich aus persönlicher Erfahrung keinen solchen mehr betrete. Während zweier Projekte in Hamburg wohnte ich nämlich einige Monate in einem Hotel an der Lange Reihe in St.Georg. Wenn Sie mal etwas Aufregung in Ihr Leben bringen wollen, dann gehen Sie doch im dortigen Penny-Markt an der Ecke zum Drogenstrich mal abends einkaufen.

      P.S. Stellen Sie sich aber vorher auf folgende mögliche Ereignisse ein:
      1. Sie geraten unvermittelt in einen Streit zweier Zuhälter mit gezogenen Messern.
      2. Ein Junkie fordert Ihr Geld mit einer gezückten Spritze im Anschlag.
      3. Die 3 lose angebundenen Pitbulls am Eingang halten Sie für ihr Abendessen.

    • C. Araxe sagt:

      Jaja, den kenne ich auch. Sie haben noch die Filmteams vergessen, die da andauernd im Weg stehen.

  4. rentner als formfleischretter. wo soll das noch enden?

  5. schneck06 sagt:

    verweise mitfühlend auf http://schneck06.twoday.net/stories/2655952/, aber pressfleisch an der backe, das hatte ich noch nie, außer bei beulen.

  6. Pegasus200 sagt:

    Guten Abend,
    nein, wie geil, so etws ist mir noch nicht passiert! Bei Frau Araxe könnte man ja den Eindruck bekommen, daß sie sich abweisend genug gibt, und ist ja nebenbei auch von größerer (einschüchtender? 😉 ) Statur. Ich vermute aber eher, daß in dem Moment jeder recht gewesen wäre, wenn es nur eine Frau ist.

    • C. Araxe sagt:

      Aber auf Sie wirke ich durch meine Größe nicht einschüchternd, oder? *g*

    • Pegasus200 sagt:

      Ähm, durch Ihre Körpergröße sicherlich nicht, aber ich denke, Sie meinen die innere Größe – die ist überwältigend und auf jeden Fall beeindruckend. Einschüchternd wäre ein zu hartes Wort dafür, jedenfalls was mich betrifft, aber es ist kurz davor…*lach*

    • C. Araxe sagt:

      *hust*

      Wo kommt denn der ganze Weihrauch her? Ich kann ja gar nichts mehr erkennen. Ah … Herr Pegasus. Also, manchmal übertreiben Sie es doch etwas zu sehr.

    • Pegasus200 sagt:

      Na toll,
      da verteilt man Komplimente und dann ist es auch wieder nicht recht. Was soll Mann den noch tun, um die Damen zu verehren? Aber ich gebe zu, daß ich das sehr oft mache, jedenfalls bei Ihnen. Sie haben mich eben nachhaltig beeindruckt. 🙂

  7. Idoru sagt:

    hihi Sie wurden fremdbesozialkontaktet, das finde ich irgendwie witzig…

  8. Jetzt können wir neben unserem Zombie-Verein (ich habe den genauen Namen vergessen) noch den Club der Einkaufswagenverweigerer aufmachen.

  9. Nun stellen Sie sich mal nicht so an!
    Seien Sie lieber froh, daß die alte Dame Ihnen keine gefrorene Lammkeule über den Schädel gebraten hat.

  10. Etosha sagt:

    Das ist ja mal wirklich eine gruselige Geschichte. Brrr.

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