Am heutigen Tage fand im zur Firmengruppe gehörenden Seniorenheim ein Social Day statt. Auf vielfältige Weise konnten sich Beschäftigte unserer Firmengruppe (nachvollziehbarerweise nur von lokalen Unternehmen und nicht aus Indonesien oder so) freiwillig an der sozialen Betreuung für einen ganzen Tag beteiligen.
Eigentlich hatte ich mich für die Aktivität Klönschnack angemeldet. Ich gestalte ja auch die Bewohnerzeitschrift und dachte, dass man so vielleicht auch noch einige Bewohnerinnen oder Bewohner finden könnte, die etwas Interessantes zum Inhalt beitragen könnten. Das wird nämlich zunehmend schwieriger, da die Pflegebedürftigkeit in den letzten Jahren immens angestiegen ist und es sehr problematisch geworden ist, jemanden für ein Interview zu finden, da die kognitiven Fähigkeiten vermehrt eingeschränkt sind.
Kaum war ich aber nach weiter Anreise und strömenden Regen noch einige Zeit vor Beginn vor Ort, überfiel mich meine Chefin, die den Social Day mitorganisierte. Mein Bedürfnis, dass ich erst einmal einen Kaffee bräuchte, ignorierte sie – die Planung lief durch Ausfall einer Kollegin schief und das musste natürlich sofort geklärt werden und hatte keine Minute länger Zeit … Aber auch ohne Kaffee sagte ich sofort zu, dass ich nun die Malgruppe zusammen mit einer langjährigen (33 Jahre!) Mitarbeiterin des Seniorenwohnheims übernehme.
Mit dieser Mitarbeiterin hatte ich zwar noch nie wirklich persönlichen Kontakt, aber seit über zehn Jahren gestalte ich die Bewohnerzeitung (bzw. gibt es diese auch erst durch mich in diesem Format) und so kannte ich sie zumindest theoretisch recht gut und sie mich ebenso. Zudem hat das kleine Monster vor einiger Zeit dort mal ein Schülerpraktikum gemacht und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Jedenfalls verstanden wir uns auf Anhieb richtig gut und arbeiteten zusammen, als hätten wir das schon Ewigkeiten getan. Sehr bedauerlich, dass dieser Tag nun ausgerechnet ihr letzter Arbeitstag war. Der Tag war in zwei Blöcke eingeteilt, wobei fast alle Teilnehmenden auch gleich beim zweiten Teil dabei sein wollten, da alle so viel Freude daran hatten. (Diejenigen, die in Folge nicht dabei waren, hatten schlicht andere Termine.) Eine Schülerpraktikantin war auch zugegen, die sehr introvertiert war und kaum eingebunden wurde. Diese war schon länger da und hatte offensichtlich Schwierigkeiten, sich aktiv zu beteiligen.
Nun ja, ich war dann auf jeden Fall voll drin im Geschehen und es hat mir richtig viel Spaß und Freude gemacht. Die Teilnehmenden in ihrer Kreativität zu unterstützen – so verschieden auch die persönlichen Voraussetzungen waren – und auch parallel selbst mal wieder zu Pinsel oder Stift zu greifen (vielleicht poste ich hier auch noch ein paar Bilder).
Nach diesem Erlebnis bin ich mir jedenfalls spätestens sicher, dass ich kein dissozialer Honk bin. Momentan gibt es nämlich ein paar Schwierigkeiten in meinem Job mit mir. Das ging jetzt soweit, dass ich einen Coach bekommen habe. Quintessenz ist jedoch eigentlich, dass ich zu ambitioniert bin, nicht einfach meine Klappe halte und stumpf nur das Nötigste mache. So sieht es auch meine Coachin und stellt Handlungsbedarf bei allen anderen Beteiligten fest. Ich bin demnach in so etwas wie ein Symptomträger, also für alles, was so falsch läuft.
Und nach dem heutigen Tag stelle ich mir um so mehr die Frage, ob ich wirklich in so einem Umfeld weiter arbeiten möchte oder nicht doch besser auf die Suche nach einem passenderen Umfeld gehe, denn mir selbst bleibt so nur eine Anpassung und kaum Spielraum, etwas zu verändern.
Tja, ich habe immer noch den Anspruch, dass mir eine Erwerbstätigkeit Freude, Sinn und Erfüllung usw. bringt und ich mich da auch voll einbringe, aber ebenso auf eine Work-Life-Balance Wert lege.