Dienstag, 9. März 2021


Mehr sinnloses Altpapier aus Solidaritätsgründen?

Hier (wie wahrscheinlich auch in anderen Regionen) gibt es wöchentlich erscheinende und kostenlos verteilte Stadtteilzeitungen, die meist kaum Informationswert haben, aber dafür einen umso größeren Packen an Werbeprospekten beinhalten. Die „Zeitungen” an sich sind natürlich auch noch gepflastert mit Anzeigen und PR-Artikeln. So ziemlich als erstes nach der Schlüsselübergabe platzierte ich ein Schild am Briefkasten, dass diese als auch sonstige Werbung nicht erwünscht sind. Das wird (und muss ja) auch berücksichtigt. Nun fing mich die Verteilerin förmlich ab und wollte wissen, warum ich dieses hochwertige Presseerzeugnis nicht wollte. Meinen Argumente konnte sie zwar nichts entgegensetzen, aber sie versuchte es über ihre persönliche Situation. Wenn jeder die Zustellung ablehnen würde, dann hätte sie ja keine Arbeit mehr und es wird ja ohnehin zunehmend schwerer, solcher Art Arbeit zu finden. Da sie sehr redselig drauf war und ich gerade keine Zeit hatte, habe ich nicht nachgefragt, aber mir fällt es da echt schwer nachzuvollziehen, warum jemand diesen Job favorisiert, um Geld zu verdienen. Selbst ohne jegliche Qualifikationen gibt es immer noch bessere Möglichkeiten. Auch das kleine Monster hat sich andere und besser bezahlte Jobs für einen Zuverdienst gesucht (und gefunden). Jedenfalls konnte sie mich nicht umstimmen, meine Altpapiertonne zwecks Solidarität zu füllen.

- 2021.03.09, 20:08
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3 Responses to Mehr sinnloses Altpapier aus Solidaritätsgründen?

  1. Zucker sagt:

    Mit mir hat auch jemand mal diese Diskussion geführt, weil ich keine Zeitungen mehr kaufe und lese. So einen Aufkleber habe ich ebenfalls am Briefkasten. Das war allerdings ein gelernter Journalist und natürlich ist mir klar, daß dieser weiterhin von seinen Zeitungsartikeln leben möchte. Doch zuallererst bin ich ja mal für meine eigenen Bedürfnisse (nach wenig Papiermüll, eingedämmter Informationsflut und vernichteten Zeitfressern) verantwortlich und nicht für die anderer. Komischerweise ist mir sowas noch nie passiert, wenn ich sage, daß ich so gut wie niemals zum Friseur gehe. Solidarität mit Friseuren hat bisher noch niemand verlangt.

    • C. Araxe sagt:

      Wenn es sich um richtige Zeitungen (also mit Content, der fachlichen Journalismus beinhaltet) handelt, dann sehe ich die Prioritäten auch anders. Klar könnte man da auch nur auf digitale Medien zugreifen, um kein Altpapier zu erzeugen, aber ich mag da einerseits das Haptische sehr und andererseits bin ich da auch sehr gern dazu bereit, die Printauflage solidarisch zu unterstützen.
      Bei Friseuren ist man ja auch meist weniger damit konfrontiert, wenn man diese nicht in Anspruch nimmt. Hm … ich stelle mir gerade vor, dass man von einem Friseur auf der Straße angequatscht wird, warum man seine Dienstleistungen nicht in Anspruch nimmt. Dann hat das Selbstfrisieren wohl sicher nicht so geklappt oder es mangelt massiv an Kunden. Oder beides.

      • Zucker sagt:

        Na ja, wahrscheinlich laufen im Internet nicht so viele Friseure herum wie Journalisten, denn diese Diskussionen entstehen bei mir meist, wenn ich über meine Lebensweise schreibe. Ich glaube, an mir wird wohl niemand so richtig reich und vermutlich wird auch die Zuckerindustrie wegen mir bald eingehen, weil ich kaum noch Zucker konsumiere. Aber letztendlich verzichte ich auf das alles, weil ich mich so glücklicher, freier und gesünder fühle. Das mag nur mir so gehen, aber es ist ja auch mein Leben das ich lebe und für das ich das Recht haben sollte, meine eigenen Entscheidungen zu treffen, ohne Konsumzwang und andere Zwänge. Und während des Lockdowns war ich ganz froh darüber, daß ich so unabhängig von Friseuren bin.

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