Samstag, 21. November 2020


Morbider Schildbürgerstreich

Nach meinem Umzug habe ich nachfolgend auch ausgiebig die Umgebung erkundet, sofern ich nicht mit der Herrichtung des neuen Gruselkabinetts, Arbeiten oder Krankenhausaufenthalten beschäftigt war. Man ist schnell in der Natur – einerseits flache Moorlandschaften, andererseits bergige Wälder (für hiesige Verhältnisse sind das schon mindestens Vorläufer der Alpen). Ansonsten gibt es nicht viel. An der Hauptverkehrsstrasse entdeckte ich jedoch diesen offenbar schon länger verwaisten „Laden”:

Da könnte man doch bestimmt etwas machen, dachte ich. Gothic-Partys, Konzerte, Ausstellungen und, und, und … Leider kann man die Lage überhaupt nicht als zentrumsnah bezeichnen. Damals dachte ich, dass man das mit dem Coronavirus bald in den Griff bekommt, was kulturelle Veranstaltungen betrifft (beispielsweise mit ausgefeilten Hygienekonzepten oder Schnelltests), so dass das alles nicht den Bach (oder vielmehr die Elbe) runtergeht. Inzwischen sieht das alles sehr düster aus – vor allem subkulturell gibt es nur recht halbherzige Unterstützung, wenn überhaupt. War ja vor Corona auch nicht anders. Natürlich gab es im Laufe der Zeit immer Locations, die sich nicht halten konnten und es entstanden aber immer wieder auch neue. In Anbetracht des Immobilienmarkts in Großstädten gibt es aber immer weniger Möglichkeiten, etwas Geeignetes in den üblichen Gegenden zu finden. Einer von den Ärzten (ich glaube es war Farin) meinte, dass dann vielleicht in ländlicherem Umfeld wieder mehr notgedrungen gemacht wird. 

Tja, die Location mit dem tollen Schild (das Deppenleerzeichen hätte man ja korrigieren können) ist inzwischen auch nicht mehr frei. Ein orientalisches Café bzw. eine Bäckerei mit Süßkram (Das ist nicht abwertend gemeint, aber ich mag außer Schokolade eigentlich nichts Süßes. Lieber wäre mir z. B. ein türkischer Gemüsehändler gewesen.) ist jetzt dort ansässig. Das wird derzeit auch nicht leicht werden für die Betreiber. Das schöne Schild von der „Särge Zentrale” wurde natürlich auch abgebaut. Und bei einem Nebeneingang abgestellt. Für mich ein Zeichen, dass dieses entsorgt werden soll. Oder nach einigen Wochen, dass man sich überhaupt nicht weiter um eine Entsorgung kümmert. Na gut, da habe ich (oder vielmehr das kleine Monster im Schweiße seines Angesichts) nachgeholfen. So richtig habe ich noch keine Idee, wo ich dieses Schild (es sind zwei Teile, der dritte mit Hamburg fehlt und die Buchstaben aus Alu lassen sich leicht lösen) nun verwende. Dem kleinen Monster, dass das alles angeschleppt hat, habe ich nur versprochen, dass dies nicht an der Vorderseite vom Haus angebracht wird. Also eher im Garten auf der Rückseite. Über Ideen, was die Verwendung betrifft, würde ich mich freuen.

- 2020.11.21, 20:51
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6 Responses to Morbider Schildbürgerstreich

  1. Ich hätte da zwei passende Geschäftsideen, zu denen sich das entwendete akquierierte Schild sehr gut einsetzen ließe:

    Im Hinblick auf Ihren prominenten Mainskill sollten Sie noch in eine ergänzende Aluprägung des Wortes „Design“ investieren. Das „Särge-Design-Center“ ist nämlich eine wahre Gelddruckmaschine, weil Individualismusdrang, Selbstdarstellungssucht und der Hang zu modischen Extravaganzen auch vor der straff-deutschen Körperentsorgung nicht Halt machen wird. Sie designen also das Behältnis des finalen Abgangs, ob jetzt Sarg oder Urne, und machen Leute vor ihrem Ableben nochmal so richtig glücklich.
    Alternativ entsorgen Sie einfach das „R“ aus „Särge“ und gründen das „Säge-Center“ als beflissene Dienstleistung für umtriebige Serienmörder, die tschetschenische Reeperbahn-Mafia sowie (Eigennutzung ist erlaubt) die Beseitigung eigener Opfer aus der Gruppe ahnungsloser Untermieter und naiver Azubis. Vollständige Entsorgung oder Rücklieferung in küchentauglichen Einmachgläsern sind hierbei preisliche Varianten.

    Business Case ist in beiden Optionen solide und dauerhaft positiv. Detailplanung gerne. Ich bekomme 10% Umsatzbeteiligung.

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