Montag, 12. November 2007


Nazikacke im Briefkasten

Oh, was für eine Überraschung, dachte ich, als ich die Büchersendung erblickte. Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass ich ein Buch bestellt habe. Das hat allerdings nichts weiter zu sagen, da ich sehr oft spontan ein Buch bestelle und es dann manchmal vergesse. Aber beim besten Willen konnte ich mich diesmal nicht daran erinnern, ein Buch bestellt zu haben.

Die Überraschung wurde noch größer, als ich es ausgepackt hatte. Ein Buch über die tapferen Wehrmachtssoldaten im Kessel von Cholm. What the f … Anbei war auch noch gleich ein Überweisungsschein für dieses Buch. Bei Gefallen sollte ich die „Pro-forma-Rechnung” begleichen. Der Absender dieses Buches ist der Arndt-Verlag. Nach kurzer Recherche bestätigte sich mein Verdacht, dass dieser im ultrarechten Spektrum angesiedelt ist. Unter anderem veröffentlicht er auch Bücher von David Irving, einem der bekanntesten Holocaustleugner. Zu meiner Verwunderung zeigte man sich sogar bei der „Jungen Freiheit” wenig erfreut, dass dieser Verlag einen Prozess gegen das Auswärtige Amt gewonnen hat und nun ein Buch über die Grausamkeit von Polen während des Zweiten Weltkrieges veröffentlichen darf.

Dieser Verlag versendet also nicht nur seine Publikationen unaufgefordert, womit er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt: Werbung für sich selbst und rechtsextreme Propaganda, sondern versucht auch noch abzukassieren, da sicher einige Leute dumm genug sind, die „Pro-forma-Rechnung” zu begleichen.

Am meisten interessiert mich bei dieser ganzen Angelegenheit allerdings, woher die meine Adresse haben. Und das lässt sich herausbekommen. Schließlich gibt es da ein paar nette Paragraphen und demzufolge wurde folgender Brief versendet:

Widerruf der Genehmigung zur Speicherung meiner Daten für werbliche Zwecke

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 10.11.2007 erhielt ich von Ihnen eine unaufgeforderte Büchersendung. Da Ihre Sendung an mich persönlich adressiert ist, fordere ich Sie hiermit gemäß Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) auf:

1. Sie haben mir gegenüber unverzüglich offenzulegen, welche Daten außer Name und Adresse Sie über meine durch diesen Namen/diese Adresse identifizierte Person gespeichert haben, und aus welchen Quellen diese Daten stammen.
§ 19 Abs. 1, § 34 Abs. 1 BDSG

2. Sie haben den Verwendungszweck dieser Daten ebenfalls unverzüglich mir gegenüber offenzulegen.
§ 19 Abs. 1, § 34 Abs. 1 BDSG

3. Sie haben sämtliche meine Person/meine Adresse betreffenden Daten unverzüglich zu löschen und mir diese Löschung zu bestätigen.
§ 20 Abs. 2 Satz 1, § 28 Abs. 3, § 30 Abs. 3, ferner § 4 Abs. 1 BDSG

4. Ich untersage Ihnen jedwede zukünftige Speicherung meine Person bzw. meine Adresse betreffenden Daten ohne meine vorherige ausdrückliche schriftliche Genehmigung.
§ 14 Abs. 2 Satz 2, § 4 Abs. 2 BDSG

5. Ich untersage Ihnen die Übermittlung dieser Daten an Dritte. Für bereits an Dritte übermittelte Daten fordere ich eine unverzügliche Sperrung.
§ 28 Abs. 3 BDSG

6. Ich setze Ihnen zur Erfüllung dieser Forderung eine Frist von zwei Wochen beginnend mit dem Datum dieses Schreibens.

Sollten Sie dieses Schreiben ignorieren, sehe ich mich gezwungen, den zuständigen Landesdatenschutzbeauftragten zu informieren. Weiterhin werde ich den Vorfall einem Anwalt übergeben, um gegebenenfalls ein Strafverfahren gegen Sie zu eröffnen.
§ 38 Abs. 4, § 43 Abs. 3

Falls jemand ähnliche Probleme hat, der Briefinhalt lässt sich ja beispielsweise auch gegen unerwünschte Spams einsetzen, so kann dieser gern kopiert werden.

Nachtrag

- 2007.11.12, 18:09
18 Kommentare - Kommentar verfassen



18 Responses to Nazikacke im Briefkasten

  1. theswiss sagt:

    Ich verneige mich in Hochachtung vor Ihnen.

  2. Aurisa sagt:

    Diese Herrschaften haben zum Glück bisher noch nicht meinen Briefkasten zugemüllt…
    Und der Brief von wegen Datenschutz ist sehr gut gemacht… der Haken ist bloss, daß sich viele nicht daran halten…
    Ich habe auch an diverse Firmen geschrieben, daß sie meine Daten – d.h. den alten Namen… – aus ihren Datenbanken lösche sollen… musste dann aber feststellen, daß sich offensichtlich nicht alle daran gehalten haben…
    Und ich bezweifle, daß Nazis sich viel um Gesetze scheren… wenn sie ihnen nicht in den Kram passen…
    Dann werden die Daten halt unter der Hand weiter gegeben und genützt…
    Aber einen Versuch ist es wert…
    Ich wünsche viel Erfolg!
    Viele Grüße
    Aurisa

  3. hobo sagt:

    in österreich bekommt man keine bücher.
    da dürfen sie im fernsehen reden … *spei* … (verzeihen sie.)

  4. Ich finde den Brief auch gut! Ich habe daher nur das Wort „Büchersendung“ durch „Steuerbescheid“ ersetzt und ihn dann per Einschreiben an mein Finanzamt geschickt. Ich denke, der Text ist so zwingend, dass ich ab jetzt keine Steuern mehr bezahlen muss.

  5. C. Araxe sagt:

    Nachtrag Inzwischen hat sich der Arndt-Verlag gemeldet:

    „… besten Dank für Ihr Schreiben vom 12.d.M.

    Wir bedauern, daß unsere Büchersendung Ihnen nicht willkommen war.”

    Das Buch möchten sie zurück haben und es wurde ein Freimachungsstreifen beigelegt. Am liebsten hätte ich das Buch ja gleich weggeschmissen, aber bei so etwas sollte man besser die Sachen immer noch mindestens ein Jahr aufheben.

    Interessant wird es nun bei der Angabe zur Herkunft meiner Adresse:

    „Ihre Adresse erhielten wir im Jahre 2003 von einer Konkursverwalterin aus Frankfurt/Main, die uns Waren und Kundenanschriften der in Insolvenz befindlichen Firma Medien Marketing-Team (MTM) aus Bad Soden verkaufte.”

    Einträge, die Firma Medien Marketing-Team betreffend, wurden tatsächlich aus dem Handelsregister gelöscht. So wird es also wohl recht schwierig werden, herauszubekommen, woher nun Medien Marketing-Team meine Adresse hat. (Wenn denn diese Angabe überhaupt stimmt.) Ich werde auf jeden Fall noch mal beim Datenschutzbeauftragten nachhaken.

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