Samstag, 7. Juli 2018


Zeit ist auch nur ein Wort

Oft könnte man meinen, dass diese überhaupt keine Bedeutung hat. Sicher passiert im Laufe der Zeit sehr viel. Und es ist auch nicht so, dass sich dadurch nichts verändern würde – vor allem man sich jeweils selbst. Aber dann ist es dennoch wieder größtenteils so, dass eine Vielzahl an Jahren, in denen man sich nicht gesehen hat, wiederum eigentlich überhaupt keine Rolle spielen wie z. B. Frau Tilak hier in den Kommentaren feststellte. Mag dies nun positiv oder mitunter auch teilweise negativ wirken – einer gewissen Vertrautheit kann Zeit offenbar nichts anhaben. Nun ja, ich weiß nicht, ob das nur mir so geht. Oder anders herum gesagt, dass diese Vertrautheit etwas ist, die ich einfach und nicht mal bewusst irgendwie herstelle (und das auch nicht nur zeitversetzt bezogen). Dabei würde ich mich trotz emphatischer Tendenzen eher als autistisch bezeichnen.

- 2018.07.07, 22:37
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13 Responses to Zeit ist auch nur ein Wort

  1. wvs sagt:

    Ob sich dieses Gefühl von „Vertrautheit“ einstellt ist nach meiner Beobachtung & Erfahrung abhängig von der jeweiligen Person. Anders gesagt: Bei manchen Menschen stellt sich dieses Gefühl ein, bei anderen nicht, selbst wenn ähnlich lange Zeit dazwischen lag.
    Bisher konnte ich noch nicht ergründen was diesen Unterschied ausmacht.
    Das ist wie mit „Liebe auf den ersten Blick“- niemand kann sagen wieso es passiert ….

    • C. Araxe sagt:

      Nun ja, wenn damit größere Emotionen verbunden sind, ist das ja noch nachvollziehbar. Oder man so oder so persönlichen Kontakt hatte.

      Ich habe allerdings auch schon oft genug die Erfahrung gemacht, dass sich Menschen an mich erinnern, die ich nur einmal vor x Jahren getroffen habe und das war dann alles andere als persönlich. Beispielsweise in Wien, wo ich nach ein paar Jahren in einem Laden war und sich die Verkäuferin an mich erinnerte und kurz danach ebenso im Bestattungsmuseum, wo ich gleich Stammkundenrabatt bekommen habe (das war schon etwas pranoiamäßig). Oder Geschäfte in meiner Umgebung, wo ich nur einmal war (teilweise vor 15 Jahren) und mich die Besitzer immer grüßen. Keine Ahnung, aber ich könnte wohl unmaskiert keine Bank überfallen, wenn ich da vorher schon mal war. Anscheindend ist da auch gleich von anderen oft eine Vertrautheit mir gegenüber da.

  2. wvs sagt:

    Wenn wir uns begegnen sollten könnte ich Sie bestimmt auch in einer Menge erkennen – obwohl wir uns nur ein Mal vor ca. 15 Jahren für ein paar Stunden gesehen haben. Sie gehören nach meiner Auffassung zu den ‚unverwechselbaren Menschen‘ – das ist vermutlich auch bei den Fällen so die Sie genannt haben.

    Ich dachte eher an enge Freunde die man lange nicht gesehen hat, mit denen man aber über eine gewisse Zeit viel zusammen erlebt und sie dann (warum auch immer) aus den Augen verlor …. ich habe da einen Freund im Sinn, dessen neue Partnerin alle ‚alten Freunde‘ vergraulte. Als er dann Jahre später zur Vernunft kam und sie etwas ‚Besseres‘ gefunden hatte (seine Lesart) war die Nähe sofort wieder da.

    • C. Araxe sagt:

      Das war jetzt meinerseits schon wieder einen (Gedanken-)Sprung weitergedacht. Also ursprünglich war der Beitrag genau darauf bezogen (persönliche Verbindungen, die trotz zeitlicher Unterbrechung dann wieder vorhanden sind, als hätte es keine Zeit dazwischen gegeben – oder dies zumindest erst einmal so scheint.) Sozusagen ein Wiedererkennen auf persönlicher Ebene. Und ein Wiedererkennen setzt eine gewisse Vertrautheit voraus. Wie dann eben auch bei den im Kommentar angeführten Beispielen, ohne dass es einen persönlichen Bezug gibt. Also das, was ich damit meine, ist der Gedankengang, dass dieses Wiedererkennen vielleicht gar nicht damit zu tun hat, dass ich ein „unverwechselbarer Mensch” bin (mag dies nun ebenfalls zutreffen), sondern auch damit, dass ich etwas ausstrahle oder in irgendeiner Form kommuniziere, das zumindest teilweise Vertrauen evoziert. Hm, keine Ahnung – Selbsteinschätzung ist ein schwieriges Pflaster –, und ich habe ganz gewiss nicht den theoretischen Background, dies im Detail zu analysieren, aber ich glaube dann doch, dass ich eine ganz gute Intuition habe. Nicht immer sind offenbar beweisbare Fakten alles (zumal sich in Bezug dessen – mal etwas allgemeiner gesehen –, manches revidiert werden musste, was mal Faktum war), was zumindest für meine Sichtweise Bedeutung hat. Mit anderen Worten lege ich eben auf Intuition gleichfalls viel Wert (wieder auch allgemein gesehen), wenn ich nicht überzeugende Argumente (vornehmlich logisch begründet) für eine andere Sichtweise erhalte. Hm ja, und das ist jetzt schon wieder weit über das ursprünglische Thema hinaus.

  3. wvs sagt:

    Ganz platt ausgedrückt ist das wohl die eigene Stellung in dieser Spannbreite zwischen ‚total rational‘ und ‚total emotional‘ – und was es verkompliziert ist, dass von Fall zu Fall dieser Standort auf der Skala noch wechselt. Von außen betrachtet wird die Persönlichkeit danach beurteilt wie sich eine Person in der jeweiligen Situation darstellt, d.h. welchen Standpunkt man einnimmt und ob das mit dem übereinstimmt was allgemein beobachtet werden kann bzw. von dieser Person bekannt ist.
    Zur Vereinfachung bilden wir Grundmuster, manche nennen es „Schubladen“, in die wir einordnen. Da ist es schwer wieder raus zu kommen. Es geht oft nur mit einem Aha-Erlebnis.
    Der Wechsel zwischen Sympathie und Antipathie für Menschen ganz allgemein ist immer erstmal emotional (Intuition? Vorgeprägte Muster? Erfahrung?) und wird bei zunehmender Vertrautheit mit Fakten unterfüttert. Da stimme ich Ihnen zu.
    Biologisch betrachtet beobachtet man das bei vielen Tierarten:
    Die Muster sind angelegt und werden dann durch zunehmende Erfahrung modifiziert, wobei im ‚Ernstfall‘ der Sprung zurück auf das Basisprogramm erfolgt. Ähnlich dem, was wir erleben wenn wir uns verbrennen.
    Beim Menschen kommt noch die Sprache dazu, daher wird es eine Stufe komplizierter, denn ein guter erster Eindruck kann durch eine unpassende Äußerung sofort vernichtet werden – und umgekehrt. Mit allen Zwischenstufen, wie immer.
    Zurück zur Zeit. Man sagt ja, Elefanten vergäßen nie. Was natürlich so nicht stimmt, wir erinnern ja auch selektiv. Und da genau setzt ein anderer Unsicherheitsfaktor ein – wir neigen dazu fehlende Informationen gedanklich aufzufüllen, so ‚erfinden‘ wir bei fehlenden Puzzleteilen einen passenden Eindruck.
    Schließlich, nach langer Zeit, können wir selbst nicht mehr unterscheiden was authentisch und was dazu gesponnen war.
    Letztendlich ist daher diese „Vertrautheit“ nach langer Zeit viel wahrscheinlicher ein rein emotionaler als rationaler Prozeß.

  4. wvs sagt:

    Noch ein Nachtrag zum Thema „Zeit“, den Link bekam ich in einem anderen Zussammenhang von einem meiner Leser → http://www.smbc-comics.com/?id=2475

  5. pueringer sagt:

    Ich denke, dass sich bei uns durch das gegenseitige Schreiben und Lesen über einen langen Zeitraum ein grundsätzliches Vertrauen gebildet hat, dass ich normalerweise bei Fremden im Leben nicht hätte! Das ist übrigens die Erfahrung der ersten Jahre auf twoday, die ich froh bin gemacht zu haben und die mit nichts, was nachher kam vergleichbar ist. Diese Vertrautheit wurde durch persönliche Treffen verstärkt und somit ist es jetzt einfach da. Egal wie lange wir uns nicht sehen!

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