… im doppelten Sinne. Ganz so erholsam war die letzte Arbeitswoche vor dem Urlaub trotz spätem Aufstehen dann doch nicht. Für drei Tage war ich nämlich in einer anderen Etage und somit einem für mich vollkommen unbekannten Wohnbereich samt unbekannten Bewohnenden (fast – zwei waren zuvor in meinem Wohnbereich) wegen Personalmangel eingesetzt. Hierbei handelte es sich zudem um einen besonderen Dementenbereich und ich war als Betreuungskraft allein vor Ort. Vorab wurde mir von einigen Kolleg*innen ihr Beileid oder auch Mitleid ausgesprochen. Besonders erschreckte mich die Arbeit dort allerdings nicht. Meine Chefin meinte auch zuvor, dass sie sich sehr gut vorstellen kann, dass ich dort gut zurecht komme. Und so war es dann auch. Es war für mich zwar alles neu und verlangte größtenteils eine sehr andere Arbeitsweise, weil die kognitiven Fähigkeiten stark eingeschränkt sind. Zudem war ich ja nur für kurze Zeit da, so dass ich kaum eine Vertrauensbasis aufbauen oder Biografiearbeit nutzen konnte. Trotzdem habe ich wohl bei vielen Bewohnenden für eine gute Zeit gesorgt mit viel kreativen Ideen, Freundlichkeit, individueller Ansprache und viel Geduld. Dass ich meinen Job als Ersatzkraft dort außergewöhnlich gut gemacht habe, wurde mir gleich am ersten Tag von der Pflege ungefragt mitgeteilt. Und auch ich habe vom dortigen Team der Pflege einen sehr guten Eindruck (in meinen Wohnbereichen leider teilweise eher weniger). Dort fest zu arbeiten, möchte ich dann doch eher nicht. Etwas habe ich die Ahnung, dass ich danach gefragt werde. Zu sehr mag ich es aber, wenn ich mit Bewohnenden mit mehr kognitiven Fähigkeiten Einzelbetreuungen oder Gruppenangebote mache. So wie heute an meinem letzten Arbeitstag vorm Urlaub. Ich habe selbst eine Gruppenaktivität mit themenbezogenen Gesprächen konzipiert (richtig gut, dass ich hier eigene Ideen recht frei einbringen kann), die nun regelmäßig stattfindet. Bisher habe ich da viele Erfahrungen und Wissen aus meinem langjährigen Job als Grafikerin genutzt, wo ich für eine Pflegeeinrichtung in enger Zusammenarbeit mit der sozialen Betreuung eine Hauszeitschrift gemacht habe, und ohne es zu wissen, schon zu Biografiearbeit angeregt habe. Inzwischen scheint mein Angebot sehr beliebt zu sein – zumindest ist es immer sehr gut besucht und sprengt fast räumlich die Kapazitäten. Hinzu habe ich auch noch „Fans“ von anderen Wohnbereichen (das Angebot ist offen für alle und steht im monatlichen Veranstaltungsplan). Heute waren da alle wieder mit viel Spaß dabei. Zur Einstimmung versuche ich jetzt immer ein paar olfaktorische und taktile Rätsel einzubauen. Das Thema war diesmal „Schwimmbad & Co.“. Laut gedrucktem Plan ging es nicht ausführlicher, aber ich habe in persönlichen Gesprächen geklärt, dass man kein „Seepferdchen“ braucht und insbesondere Nichtschwimmer sehr willkommen sind und auf ihre Erlebnisse Wert gelegt wird. Zum Fühlen gab es eine Schwimmbrille (in einem geschlossenen Beutel) und zum Riechen etwas Chlorwasser in einer Flasche. Ich hatte etwas Krümel von den Chlortabletten von meinem Pool in eine Flasche getan. Dann hatte ich die Idee, das farblich mit Ostereierfarbe in Blau aufzupeppen. Sah schön aus – aber nicht mehr als ich bei der Arbeit war. Da war es pissgelb. Nicht so optimal, das zur Riechprobe rumzureichen. Vielleicht hätte es mit viel Wortwitz trotzdem funktioniert, aber mit etwas Wasserfarbe ergab es einen schönen Türkiston. Einige waren überzeugt, das Meer zu riechen, andere rochen sofort den Chlorgeruch. Erinnerungen ploppten auf ohne Ende und es war einfach schön, dass man sich gemeinsam an so viel schöne Erlebnisse erinnern konnte. Konträr dazu leider auch wieder Pflegekräfte, den alles egal zu sein scheint. O.K. – so viel zur Arbeit, aber nun habe ich ja Urlaub. So richtig zum Faulenzen ist der bei mir ja auch nicht geplant. Die To-Do-List ist lang, aber etwas Dolce Vita wird es auch geben.
2026.08.07, 19:46 -
C. Araxe
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