Nun da ich die Probezeit überstanden habe, wechsle ich die Rubrik wieder auf „Die lieben Kolleg*innen“, auch wenn das vorher schon weit vorher feststand. Noch ist mein Arbeitsvertrag allerdings auch nach der Probezeit befristet (insgesamt ein Jahr seit Arbeitsbeginn), aber ich gehe sehr stark davon aus, dass der Vertrag hin zu einem unbefristeten Arbeitsverhältnis geändert wird. 
Denn heute habe ich mich zum einen entschlossen richtig viel Einsatz zu zeigen und zum anderen noch mal geballt positives Feedback bekommen. Meine Chefin hatte ihren letzten Tag vorm Urlaub und wollte mit mir sprechen. Mir war gleich vorab klar, worum geht. 
Wir haben einen besonderen Dementenbereich, der personell bei den Betreuungskräften für einen längeren Zeitraum krankheitsbedingt unterbesetzt ist. Und so sind alle Betreuungskräfte dort wechselnd für ein paar Tage im Einsatz.
Für viele Betreuungskräfte und Pflegekräfte ist ein dortiger Einsatz ein Grund, um Beileidsbekundungen auszusprechen. Als ich das erste Mal dort war, fand ich es indes überhaupt nicht schlimm. Viele liebe Bewohnende, bei denen ich mit einfachen Mitteln für Spaß sorgte (ich habe z. B. eine Fliegenklatsche gefunden und eine Fliege an einer Schnur gebastelt und schon ging die Jagd los, als auch Erinnerungen an Lieder wie „Du dumme Fliege, wenn ich dich kriege …” in x Varianten). Oder einfach direkt bei ihnen sein – mit Worten und Gesten. Es ist alles sehr eingeschränkt wegen der kognitiven Möglichkeiten, aber man kann durchaus etwas zusammen machen und spüren, dass der eigene Einsatz eine Bereicherung ist. Gerade die kognitive Eingeschränktheit sorgt für Spaß. So wurde meine Brille als schön empfunden, vor allem die Markise. Aber die könnte ich auch mal aufziehen. Gemeint war eine Haarsträhne.
Nun ja, meine Chefin fragte mich nun, ob ich für drei Monate dort arbeiten würde. Ihr war klar, dass ich auf Dauer dort nicht bleiben möchte, weil ich dort sehr stark eingeschränkt bin mit Angeboten, die mehr für noch kognitiv fitte Bewohnende gedacht sind, und das für mich ein essentielles Betätigungsfeld ist.
Eigentlich hätte ich Bedenkzeit für nach dem Urlaub meiner Chefin gehabt, aber ich sagte sofort zu. Mir macht es überhaupt nichts aus, dort zeitlich begrenzt zu arbeiten.
Meine direkte Kollegin war hingegen spontan sehr angepisst. Sie war so froh, dass sie endlich eine kompetente Kollegin hatte. Aber mein Einsatz kommt vor allem ihr zugute. 
Die Bewohnenden in meinem Wohnbereich sind da noch ein ganz anderes Thema.