Zum Vater vom kleinen Monster habe ich trotz der Trennung ein gutes Verhältnis. Diese liegt mittlerweile nun schon ca. 23 Jahre zurück, aber von Anfang an habe ich mich darum bemüht, dass wir trotzdem gut miteinander klarkommen, weil ich es wichtig finde, dass beide Elternteile trotz Trennung für das gemeinsame Kind (oder Kinder) mit vollem Einsatz da sein sollten. Das hat sogar so gut geklappt, dass andere Eltern total erstaunt waren, wenn sie erfahren haben, dass wir getrennt sind, weil wir z. B. auch immer gemeinsam zu den Elternabenden gegangen sind.
Kurz nach der Trennung habe auch massive Hilfe bei der Wohnungssuche geleistet. Oder auch sehr engen Kontakt zu den inzwischen verstorbenen Eltern des Vaters vom kleinen Monster gehabt.
Seit nun schon längerer Zeit hat der Vater vom kleinen Monster tiefgreifende gesundheitliche Probleme, die zu einer erheblichen Einschränkung der Selbständigkeit führten und somit Unterstützung durch eine Haushaltshilfe via Pflegekasse notwendig wurde.
Die Einschränkungen haben inzwischen zugenommen, so dass er sich dazu entschlossen hat, in spätestens einem Jahr in ein Pflegeheim umzuziehen. Das kleine Monster übernimmt nun die sehr umfangreiche Aufgabe Schritt für Schritt den Haushalt aufzulösen – vornehmlich die umfangreichen Sammlungen (überwiegend Bücher) möglichst noch zu verkaufen.
Und es ist auf die Idee gekommen, dass sein Vater in meine Einrichtung einzieht. Im ersten Moment war ich mir unsicher, ob ich das wirklich gut finde und will. Aber ja, es ist wohl die beste Lösung. Klar, dass es dadurch keine Vorzugsbehandlung gibt, wenn er dort eingezogen ist. Und es ist auch nicht sicher, ob er dann in meinem Zuständigkeitsbereich wohnen wird. Aber es gibt schon Vorteile, weil er durch mich bevorzugt überhaupt einen Pflegeplatz bekommen wird.
Letztes Wochenende haben wir uns zu einem gemeinsamen Frühstück in seiner Wohnung getroffen und es wurden erst einmal die wichtigsten Fragen beantwortet und allgemein Informationen weitergegeben.
Das kleine Monster hat ja mal ein Sozialpraktikum in dem Pflegeheim meines ehemaligen Arbeitgebers gemacht (als Grafikerin habe ich da u. a. die Bewohnerzeitschrift konzipiert und gestaltet, wodurch ich schon einen guten Einblick in die soziale Betreuung nebst Kontakt zu Bewohnenden hatte, was meinen Berufswechsel zur Begleitungskraft/Alltagsbetreuerin prägte), aber es hat ebenso wie sein Vater doch recht wenig Ahnung davon, wie es allgemein in einem Pflegeheim abläuft. (Damit meine ich nicht irgendwelche Missstände, sondern allgemein den Alltag und die Gegebenheiten.)
Nun ja, mal sehen, wie sich das entwickelt. Gefühlsmäßig bin ich noch immer etwas irritiert. Vor allem wohl aber auch, wie schnell man zu einem Pflegefall wird. Viele Bewohnende meiner Einrichtung haben damit auch Probleme, dass dies nun der Ort ist, an dem sie ihren letzten Lebensabschnitt verbringen, bevor sie sterben. Zum einen ist da der Verlust des persönlichen Lebensumfeldes und der, wenn auch eingeschränkten, Selbständigkeit. Zum anderen die Erkenntnis der Endlichkeit.
Diese Ängste versuche ich bestmöglich zu mildern – die wenigsten kommen damit wirklich klar, wenn sie sich ihrer Lage bewusst sind – und noch so viel Lebensfreude wie möglich zu vermitteln. Es ist knallhart die Endstation des Lebens, aber es kann vieles gemacht werden, diese so angenehm wie möglich zu gestalten. Und das tue ich mit vollem Herzen.
Mit der Aufnahme des Vaters vom kleinen Monster tritt auch meine Beschäftigung mit diesen Themen noch mehr in den Vordergrund, die durch meine Arbeit schon verschärft wurde.
Realistisch enden wir fast alle bei höherer Lebenserwartung als Pflegefall. Mit der Finanzierung sieht es mehr als düster aus, vom Fachkräftemangel ganz zu schweigen. Aktuelle Kürzungen verschärfen das Problem. Es wird hart werden, alt und pflegebedürftig zu sein.
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