Genau an diesem Ort (der Goldene Salon des Hafenklangs), wo der gestrige Auftritt zum 15-jährigen Jubiläum stattfand, erlebte ich die grandiose Band Messer mit einiger Mühe zum ersten Mal vor zwölf Jahren live. Und war hin und weg. Und Messer schafft es immer noch, vor allem live, bei mir für volle Begeisterung zu sorgen. Das Konzert war wie damals ausverkauft, aber diesmal habe ich mir rechtzeitig ein Ticket besorgt.
Mit im Gepäck hatten sie nicht nur einen Querschnitt an Songs aus der gesamten Schaffenzeit, sondern auch noch zwei Vorbands, zu denen vielfältige Verbindungen bestehen.
Los ging es mit Femmes Fatiguées, drei Mädels im Pyjama und Morgenrock, die mit ganz und gar nicht müdem Faux-French-Punk für Stimmung und gute Laune sorgten.
Es folgten Wedding Songs mit einer Mischung aus Post Punk, Death Rock, Country und Blues. Für mich war die Mischung etwas unausgegoren – manche Songs fand ich recht interessant, manche hingegen haben mich dann nicht vom nicht vorhandenen Hocker gerissen.
Als dann endlich gegen 22 Uhr (ich war 5.30 Uhr aufgestanden …) Messer loslegen wollten, ging die Beleuchtungsanlage erst nicht mehr (später doch) und es wurde wortwörtlich im Neonlicht gespielt, allerdings nicht ihr Klassiker. Kurz überlegte ich, ob das Neonlicht nicht doch gewollt war, aber dann hätte mindestens der Song gespielt werden müssen und der Goldene Salon erstrahlt im Neonlicht auch nicht gerade glanzvoll. Für Hendrik Otremba, dem Sänger war es jedenfalls interessant das Publikum so ausgeleuchtet zu sehen und das Publikum sah das ganze Gerümpel im Hintergrund der Bühne. Aber es zählte die Musik und zwar vor allem, wenn sie live so intensiv dargeboten wird und alles in Bewegung ist. Eigentlich stehe ich bei Konzerten am liebsten zwar gern eher vorn, aber am Rand (meist steht man dort auch bei vollen Konzerten nicht so gedrängt und kann auch besser fotografieren) – diesmal fand ich mich aber sehr schnell durch die bewegte Menge recht schnell in der ersten Reihe in der Mitte wieder und der Abstand zum Sänger betrug dann teilweise nur noch zehn Zentimeter … Sozusagen richtig nah dran, statt nur dabei.
Es war jedenfalls wieder ein sehr intensives Konzert von Messer. Mein nach wie vor liebster Song (da explodiert alles und jeder) „Die kapieren nicht” wurde auch gespielt. Zugaben gab es indes leider nicht. Nach dem Konzert fragte ich Hendrik – diese gibt es grundsätzlich nicht mehr, aber beim nächsten Konzert wird es hier in Hamburg drei Songs mehr geben.
Auf das nächste Konzert bin ich schon sehr gespannt, denn nun geht die Band ins Studio und arbeitet an einem neuen Album. Musikalisch hat sich die Band im Laufe der Jahre sehr verändert, aber mittlerweile vertraue ich darauf, dass mir alles gefallen wird, was sie machen, auch wenn sich das inzwischen sehr von meinem Musikgeschmack entfernt hat. Und live gab es noch nie eine Enttäuschung, auch wenn ich vielfach bei den letzten Studioalben erst einmal gefremdelt habe. Letztendlich faszinieren mich vor allem die Texte, die oft eine Verbindung zum literarischen Schaffen von Hendrik Otremba haben, was für mich mindestens gleich hoch bedeutend ist. Um so mehr freue ich mich nun auf seinen bald erscheinenden vierten Roman „Der Gräber” und bin so was von gespannt darauf.
(Der Einladung zum einzigen anderen Konzert dieser Mini-Tour nach Duisburg am nächsten Tag mochte ich jedoch nicht folgen. Die White Nights des Fantasy Filmfests standen dann an und der Start ist um 13 Uhr. Gegen 1.30 Uhr war ich zuhause und nachdem ich 5.30 Uhr aufgestanden bin, war ich doch erstaunlich fit. Geplant sind vier Filme am Stück nacheinander jetzt am Samstag – dafür am Sonntag gar keinen. Mit dem freiem Wochenende hat es zum Glück bei der Arbeit geklappt und den freien Sonntag ohne irgendetwas werde ich sicher sehr gut gebrauchen können.)

Als Fazit zu diesem Konzert: monstergut! Und Vorfreude auf das nächste Mal!