Oh, meine Traurigkeit.
2022.03.17, 22:09 -
C. Araxe
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Donnerstag, 17. März 2022
Oh, meine Traurigkeit.
2022.03.17, 22:09 -
C. Araxe
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Wie geplant ist das neue Familienmitglied am Samstag im RL-Gruselkabiunett eingezogen. Monsterdank noch mal an dieser Stelle an die Frau Sünderin, die die Chauffeurdienste übernahm und nach einer nonstop durchmiauten Fahrt ebenso wie das kleine Monster und ich gespannt war, wie die Ankunft im neuen Heim erfolgen würde. Der neue Name stand schon vorher fest – Morpheus. Denn es ist echt ein göttlicher Traumkater. Der junge Gott (naja, ganz so ein Jungspund ist er mit 4 Jahren auch nicht mehr) war dann zunächst recht entspannt und schaute sich sehr gelassen in der unmittelbaren Umgebung nach dem Verlassen des Transportkorbes um. Das nun bisher nur noch allein hier lebende Fellmonster – Mortimer – reagierte sehr freundlich und suchte schnuppernd Kontakt. Aber natürlich war das alles doch etwas zu viel auf einmal und Morpheus verzog sich nach einer kurzen Erkundung des neuen Domizils in den Keller. Eine sehr schlaue Wahl, denn dort gibt es die meisten Versteckmöglichkeiten. Warm und trocken ist es ja und schließlich fühle ich mich da in meinem nunmehr dort ansässigen Homeoffice ja auch wohl. Die Verstecke waren gar nicht so einfach auszumachen. Ich wollte ihn zwar erst einmal in Ruhe lassen, aber dann doch Futter und Wasser möglichst nah positionieren. Inzwischen traut er sich auch vermehrt aus dem Keller heraus und hat es auch schon bis unters Dach zum kleinen Monster geschafft.

Ein Kuschelbedarf zu Menschen ist eindeutig vorhanden, aber das andere Fellmonster ist ihm noch sehr suspekt. Dabei reagiert Mortimer sehr friedlich. Revierkämpfe gibt es nicht. Also Kämpfe. Aber Mortimer hat gleich alle mitgebrachten Spielzeuge okkupiert und legt vermehrten Wert auf meine Nähe. Ich glaube aber schon, dass die beiden gut zueinander finden werden und dass Morpheus sich hier bald vollkommen heimisch fühlen wird. Erste Anzeichen sind da, dass er auf seinen neuen Namen hört. Zuvor hieß er Whisky. Beim Tierarzt Blacky … Hach ja, willkommen mein neues Fellmonster. Was wirst du staunen, wenn du erstmals auf die Terrasse kommst. Und jetzt mit Zaun (der Igel ist weg und der Zaun steht) einen begleitenden Rundgang im Garten machen kannst? Wie viel Mäuse wirst du jagen? (Mortimer hat letztes Jahr zwei Mäuse gefangen. Eine konnte ich retten, obwohl nur noch die Füßchen aus dem Maul schauten.) Auch wenn ich verstehen kann, dass das richtiger Spaß für dich sein wird oder ein unabdingbares Bedürfnis– ich werde so viele Mäuse retten, wie es möglich ist. Nichtsdestotrotz wirst du es hier gut haben. Freue dich auf eine schöne Zeit. Zeitlebens. Du bist hier um eine Heimat zu finden, wo du dich wohl fühlst. Und die wird es sein.
2022.03.17, 21:55 -
C. Araxe
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Donnerstag, 10. März 2022

Hin und her habe ich vorher überlegt, ob ich es tun sollte. Und zwar zu einem Konzert gehen, bei dem es wieder genau so wie in Vorcoronazeiten zugehen sollte. Zwar als 2G+Veranstaltung, aber innen dann sehr kuschelig und ohne Maske. Die wieder steigenden Fallzahlen sprachen nicht für eine Teilnahme, aber die milderen Krankheitsverläufe und dass ich geboostert bin, ließen dann doch den Drang nach Lebendigkeit siegen.
Eine bessere Band als A Place to Bury Strangers konnte es für den ersten richtigen Liveauftritt nach zwei Jahren kaum geben. Ihre sehr intensiven Konzerte habe ich schon mehrmals genossen und so war die Freude natürlich groß. Nach so langer Abstinenz wäre sicher schon ein „normales” Konzert überwältigend gewesen und nun gab es auch noch eine Steigerung des hohen Levels von APTBS! Der Meister des Feedbacks, Bandleader Oliver Ackermann, hatte inzwischen schon wieder neue Bandmitglieder um sich gepaart. Besonders die Schlagzeugerin ist sehr überzeugend. Überhaupt gehen APTBS nun mehr in Richtung Rhythmus – was nicht heißen soll, dass nicht nach wie vor eine noisige Soundwall über die andere geschichtet wird, die locker den Himalaya übersteigen. Bei den Lichteffekten gab es auch noch eine Steigerung, so dass das Konzert im Laufe des Abends sämtliche Dimensionen sprengte. Es wurde auch wieder mitten im Publikum gespielt – an Corona dachte zu diesem Zeitpunkt soundso sicher niemand mehr. Ich bin gespannt, wie sich die Coronalage entwickelt. Nun, wo ich wieder Blut geleckt habe (es lief sehr viel aus Augen und Ohren …), würde ich ja gern wieder öfters in diesen Genuss kommen. Hach, so lebendig habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.
2022.03.10, 16:30 -
C. Araxe
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Dienstag, 8. März 2022
Deutsche Nachrichtendienste gehen nach Schätzungen von 2000 russischen Geheimagenten in Deutschland aus, ca. 200 sollen mehr oder weniger bekannt sein. Was macht man nun, wenn man in der eigenen Familie einen Spion enttarnt hat? Sofort melden? Und wer ist zuständig? BND, BfV oder MAD? Oder doch erst einmal ein klärendes und/oder agitierendes Gespräch unter vier Augen suchen? Die Beweislast ist schon sehr erdrückend. Zufällig habe ich gesehen, dass sich das kleine Monster Russischen Zupfkuchen gekauft hat…
Spaß beiseite – und Spaß ist es natürlich überhaupt nicht. Es wäre auch zu einfach, wenn man so Putins Machenschaften entlarven könnte. Seine Trollarmee ist schon seit langem mitten unter uns im digitalen Bereich. insbesondere bei Instant-Messaging-Diensten wie Telegram, aber nicht nur da. Die „Querdenker“-Bewegung, Impfgegner, die AfD etc. wurden und werden mit „Informationen” von russischen Trollen gefüttert oder teilweise wohl auch von Russland finanziert. Es wird alles getan, um den „Westen” (eine Demokratieform, die ich alles andere als perfekt bezeichne, also auch nicht als wirkliche Demokratie bezeichnen würde, aber doch weit entfernt von einer Diktatur sehe) zu destabilisieren. Und nahtlos geht es dort auch weiter. Vom Impfgegner zum Putinfreund – exemplarisch hier ein Link.
2022.03.08, 22:27 -
C. Araxe
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Am Samstag wird ein neues Familienmitglied im RL-Gruselkabinett begrüßt werden können. Eine Schwangerschaft kündigte sich schon seit ein paar Tagen an. Neuerdings sehen Ultraschallbilkder ja so wie richtige Fotos aus – hier ein Beispiel, was moderne Technik so kann. Noch erstaunlicher ist allerdings, dass man bereits vor der Geburt mit dem Nachwuchs 1:1 in Kontakt treten kann. Und so streichelte ich gestern schon das zukünftige neue Familienmitglied, fütterte es, schaute in seine Augen. Nun kann ich es gar nicht abwarten, bis es wirklich da ist.
2022.03.08, 20:58 -
C. Araxe
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Freitag, 4. März 2022
Verbundenheit mit der Ukraine zeigen, indem man sich eine Serie anschaut? Ja, das geht. In der Arte-Mediathek ist seit ein paar Tagen „Diener des Volkes” zu finden. Die Polit-Comedy-Serie, in der Wolodymyr Selenskyj den Präsidenten der Ukraine spielte, bevor er es wurde. Ein einfacher, ehrlicher Mann, der für Gerechtigkeit eintritt und der Korruption und dem Oligarchentum den Kampf ansagt. „Ich bin fast wie Supermann, nur kämpfe ich nicht sehr häufig” heißt es im Intro, während er durch ein friedliches Kiew radelt.
Die Komik der Serie, als auch der Hauptdarsteller sind durchaus sehr überzeugend. Wenn man sich zuvor eher weniger mit Selenskyj beschäftigt hat, so kann man da durchaus sehr viele Parallelen zwischen der Serienfigur und der realen Persönlichkeit feststellen.
Trotz geballter Komik, bleibt einem in Anbetracht der derzeitigen Situation das Lachen oft im Halse stecken. Immer wieder wird der Majdan Nesaleschnosti gezeigt und keine Sirenen sind zu hören und auch keine Rauchwolken von Einschlägen sind am Horizont von Kiew zu sehen. Aber es wird einem auch bewusster, inwieweit sich die Ukraine seit der Orangenen Revolution in Richtung Demokratie entwickelt hat.
Die Puschen können also angelassen werden, wenn man sich etwas mit der Ukraine beschäftigen will. Da geht aber auch noch mehr. Etwas spenden kann fast jeder/jede. Auch vom Sofa aus.
2022.03.04, 23:07 -
C. Araxe
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Samstag, 26. Februar 2022
Dieser Krieg macht einen ziemlich sprachlos. Irgendwie hat man trotz aller Vorzeichen gehofft, dass es sich nur um Säbelrasseln handelt. Sicher herrschte schon seit Jahren ein Krieg in der Ostukraine, der schon viel Leid brachte, aber dieser lief ja eher verdeckt ab. Trotz aller Offensichtlichkeit, dass Russland massiv daran beteiligt war, erlosch ziemlich bald das öffentliche Interesse. Ein paar Sanktionen erfolgten, die Russland nicht wirklich massiv schadeten. Ebenso wie bei der Annexion der Krim.
Nun herrscht also richtiger Krieg und Putin schreckt auch nicht vor der Drohung eines Atomkrieges zurück. So viele Fragen kommen hierbei auf, die sich nur schwer beantworten lassen. Hätte es eine Russlandpolitik geben können, die die Ereignisse seit 2014 in der Ukraine hätten verhindern können? Und in Folge dessen diesen Krieg, der jetzt herrscht? Wohin führt das alles noch? Selbst in Zeiten des Kalten Krieges schien die Lage nicht so angespannt und vor allem nicht so unberechenbar gewesen zu sein.
Was kann man jetzt persönlich tun? Demos hierzulande werden Putin sicher nicht beeindrucken und das Zeigen von ukrainischen Flaggen ebenso wenig. Dann eher ein Mittragen einer härteren Politik gegenüber Russland, die nicht nur einschneidend für Putin ist, sondern auch für einen selbst. Würde man über Hackerkenntnisse verfügen, könnte man sich dem Cyberkrieg anschließen, den Anonymous ausgerufen hat, der ja schon erste Früchte zu tragen scheint – die Kreml-Website ist down.
Und bei alldem sollte man nie vergessen, dass Putin nicht Russland ist, eine Vielzahl von Russen diesen Diktator und sein Gefolge nicht nur ablehnt, sondern mutig bekämpft.
2022.02.26, 20:58 -
C. Araxe
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Mittwoch, 23. Februar 2022
Oder die Transformation des Gruselkabinetts, Teil 25
Auch wenn im Vorgarten immer mehr erblüht, kann man noch nicht wirklich von Frühling reden. Es ist immer noch recht kalt und die heftigen Stürme samt Regen sorgen für alles andere als Frühlingsgefühle. Ich habe ja schon einiges an massiven Stürmen erlebt und zuvor gleichfalls unterm Dach wohnend spürbar mitbekommen (es klapperte lautstark und der Wind pfiff aus den Steckdosen bei den Außenwänden), aber diesmal war das doch um einiges stärker erlebbar, auch wenn es keinerlei Sturmschäden gab.
Inzwischen ist der Steckzaun da, aber neben den Stürmen und nicht minder auf einen einstürmenden Erlebnissen, sorgten auch noch Umstände dafür, dass das Aufstellen noch länger warten muss. Beim Vorbereiten für das Aufstellen entdeckte ich nämlich einen neuen Mitbewohner. Unter einem größeren Laubhaufen war plötzlich ein sacht atmender Stachelhaufen sichtbar. Schnell türmte ich dort einen noch größeren Laubhaufen auf und hoffe, dass der Igel von der ganzen Aktion nichts mitbekommen hat und friedlich seinen Winterschlaf fortführt. Solange es nicht anhaltend wärmer wird, ist also zumindest auf der Seite ein Aufstellen nicht möglich.
Dabei sollte der Zaun eigentlich erst Mitte/Ende März lieferbar sein, aber dann ging es doch ganz schnell. Die Lieferung erfolgte über DHL und war schon etwas obskur. Durch Zufall entdeckte ich die Benachrichtigung vom Freitagnachmittag im Spamordner mit angepeiltem Liefertermin am Montag. Mit dem Hinweis, dass sich der Spediteur vorab telefonisch zur Absprache des Liefertermins melden würde. Der Anruf lief dann am Montag so ab: „Hallo C., ich habe hier etwas für dich. Ich bin in fünf Minuten da.” Das „etwas” wog 320 kg und befand sich auf einer Palette in Übergröße. Die große Palette konnte nur auf der Straße abgestellt werden, auch wenn sich der Auslieferer trotz Zeitmangel sehr bemühte eine andere Lösung zu finden. Tja, ohne Homeoffice in Zeiten von Corona, wüsste ich gar nicht, wie da eigentlich überhaupt eine Zustellung möglich gewesen wäre. Das kleine Monster war nicht da und so legte ich dann spontan eine Fitnessübung im Eisenstemmen ein, um alles zumindest von der Straße zu holen.
Mein Vorhaben, mir noch vor der kompletten Badsanierung, eine Badewanne zuzulegen habe ich inzwischen auch umgesetzt. Für die ausgewählte Badewanne gab es hier in Hamburg auch einen Showroom. Nach einem spontanen Besuch standen wir vor verschlossenen Türen. Es musste zu der Zeit coronabedingt ein Termin ausgemacht werden. O.K., wurde gemacht und vor Ort nach einem Probeliegen (im Schaufensterbereich …) und nach der Versicherung des Verkäufers, dass diese auch größere Lasten (das kleine Monster…) aushält, bestellt. Ich hoffe, dass dies ohne Möglichkeiten einer konkreten Angabe auch wirklich zutrifft. Der Verkäufer entpuppte sich als unmittelbarer Nachbar, aber wohl nicht nur, weil es sich um einen Showroom handelte, war er nicht dazu bereit, nach Feierabend die Badewanne vorbeizubringen.
Die Zustellung erfolgte wieder über DHL. Nach der Info über das Zustelldatum mit einem Zeitfenster von 8 bis 16 Uhr (einen Tag vorher), erfolgte nichts an diesem Tag. Beim Tracking war dann zu sehen, dass die Badewanne in Frankfurt in Empfang genommen wurde. Keine weiteren Infos, auch nicht nach Nachfrage per Mail – eine Telefonnummer war nicht mal angegeben. DHL. Inzwischen weiß ich ja Bescheid, dass da bei Lieferterminen nichts abgesprochen wird. Und so war es dann auch am folgenden Tag. „Hallo C. Ich habe eine Badewanne für dich und bin in 5 Minuten da.” Diesmal passte die Lieferung direkt vors Haus. Das kleine Monster war auch da und der Zulieferer fing auch gleich an alles zu entpacken. Muss er ja ganz und gar nicht – wünschenswert wäre eher eine bessere Kommunikation beim Management. Nochmals ein bitterböser Dank an Corona, weil man da so schön flexibel ist, wenn man Homeoffice macht. Aber Einplanen kann man so etwas ja wohl nicht.
Egal – ich bin froh, dass das alles überhaupt geklappt hat und kümmere mich jetzt um die Aufstellung und den Anschluss der Badewanne. Btw. hat jemand eine Idee, wie man verrottete Fixierschrauben von einem Bidet lösen kann? Jetzt, wo die Badewanne da ist und auch schon im Bad steht, möchte ich diese schnellstmöglich anschließen und das Bidet kommt weg. Nach bald zwei Jahren ohne Badewanne erscheint mir eine Nutzung einer solchen sehr dringlich. Vor allem gerade jetzt.
2022.02.23, 21:37 -
C. Araxe
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So langsam habe ich mich etwas daran gewöhnt, dass Maldoror nicht mehr da ist. Das Aufwachen und das Einschlafen fielen anfangs am schwersten, weil er da immer bei mir war. Das andere Fellmonster – Mortimer – gibt sein Bestes, um Kuscheldefizite aufzufüllen. Aber es gab und gibt auch noch viele andere Situationen, in denen ich sein Nichtmehrdasein schmerzlich vermisse. Langsam ist der Schmerz inzwischen erträglicher geworden. Und hilfreich ist es auch, wenn einem Freunde zur Seite stehen.
Mortimer fällt es anscheinend überhaupt nicht schwer, dass sein Fellkollege nicht mehr da ist. Als damals Morticia nicht mehr da war, rannte Maldoror tagelang suchend und miauend in der Wohnung herum. Nach dem Einschläfern hatte ich sie sofort zum Bestatter gebracht. Inzwischen hatte ich gelesen, dass Katzen den Tod eines Artgenossen besser verarbeiten können bzw. diesen wohl überhaupt realisieren, wenn sie die Leiche sehen, beschnuppern etc. können. Ansonsten ist es ja nachvollziehbarerweise ein unerklärliches Verschwinden. Mortimer hatte also nun auch noch einmal Zeit, um Abschied zu nehmen.
Aber mit Sicherheit wird er nicht allein bleiben. Etwas Zeit brauche ich noch, aber dann wird es hier wieder zwei Fellmonster geben.
2022.02.23, 19:41 -
C. Araxe
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Dienstag, 15. Februar 2022

Vor fast genau 17 Jahren sah ich ihn zum ersten Mal und war sofort verliebt. Und diese Liebe, die auf Gegenseitigkeit beruhte, hielt ein Leben lang.
Damals war er ungefähr ein Jahr alt und ein illegaler Einwanderer aus Griechenland. Seine Kindheit verbrachte er dort auf der Straße. Mit seiner zurückhaltenden Art bekam er kaum etwas ab, wenn bei einer Hotelküche Straßenkatzen gefüttert wurden. Ein in Deutschland lebender Verwandter der Hotelbesitzer, der dort Urlaub machte, erkannte seine missliche Lage und beschloss, ihn dort herauszuholen. An seinen neuen zuverlässigen Futterverteiler gewöhnte er sich sofort auf sehr zutrauliche Weise. Bei der Rückkehr nach Deutschland, machte es sich sein Retter sehr einfach. Er steckte ihn einfach in eine Tasche und ging zum Flughafen. Sicher waren die Kontrollen damals noch sehr viel lascher, aber es war schon erstaunlich, dass er ohne Probleme bis ins Flugzeug kam. Dort wurde man allerdings auf den blinden Passagier sofort beim Einsteigen aufmerksam. Es war eine deutsche Maschine. „Tiere gehören in den Gepäckraum! In einer Transportbox! Und wo sind überhaupt die Papiere?” Der Retter musste passen und der Flugbegleiter verkündete, dass das Kätzchen nicht mitfliegen dürfe. Das fand aber die Mehrzahl der Passagiere nicht in Ordnung und protestierte dagegen, dass dieses kleine Kätzchen am Flughafen allein zurückgelassen werden sollte. Ein Wunder geschah – es wurde Herz gezeigt und er konnte mit.
Hier in Deutschland lebte er dann zwar liebevoll umsorgt, aber arbeitsbedingt sehr einsam in einer 1-Zimmer-Wohnung. Die Freundin des Retters drängte ihn daraufhin, dass das auch nicht die optimale Lösung ist und schweren Herzens wurde nach einem neuen Zuhause gesucht. Was dann im RL-Gruselkabinett gefunden wurde.
Sein Retter nannte ihn Karlo und er hörte auch auf seinen Namen. Bei mir wurde er umbenannt auf Maldoror und hörte auch auf seinen Namen. Als der Retter nach 14 Tagen noch einmal im RL-Gruselkabinett vorbeischaute, um zu sehen, wie sich sein Schützling eingewöhnt hatte, hatte dieser seinen vorherigen Namen schon vergessen.
Fortan war er stets zur Stelle, wenn nach Maldoror gerufen wurde (außer das letzte Jahr, als er vollkommen ertaubt war) oder meist einfach so, weil sein Kuschelbedarf unerschöpflich war. Beim Futter war er oft etwas sehr wählerisch, aber sobald es ums Kuscheln ging war es ihm auch egal, ob er dazu erst einmal früher vom sehr, sehr kleinen Monster durch die Gegend getragen wurde oder sich in einer Menschenmenge von Besuchenden der Wohnzimmerkonzerte von einer streichelnden Hand zur anderen begab. Hauptsache kuscheln. Das kleine Monster hat dies auch schon sehr früh in einem Bild festgehalten.
Im vorherigen RL-Gruselkabinett musste er sich erst einmal an die Größe (nach der 1-Zimmer-Wohnung) gewöhnen. Nach dem Einzug hatte er sich zunächst unterm Bett verkrochen. Als er sich hervorwagte und auch das Schlafzimmer verlassen hatte, stand er erst einmal sehr überfordert sehr lange im Flur. Auf einmal gab es da so viele Richtungen. Und dann doch den Flur weitergehend gab es noch viel mehr. Da musste er noch viel länger überlegen, wohin er sich nun bewegen sollte. Die Schüchternheit hat er dann aber sehr schnell abgelegt und er war dann auch der Erste, der im neuen RL-Gruselkabinett alle Etagen erkundete. Dort hat er es dann auch sehr zu wärmeren Jahreszeiten genossen, sich einen schönen Platz in der Sonne auf der Terrasse zu suchen.
Im letzten Jahr machte sich dann doch sein Alter bemerkbar. Neben seiner Taubheit war eine Arthrose im Ansatz erkennbar. Mit Grünlippmuschelpulver war eine deutliche Verbesserung erkennbar, nachdem er auch zeitweise Metacam bekommen hatte. Nach einem Magen-/Darminfekt vor knapp zwei Wochen erholte er sich aber nicht wirklich richtig. Vieles spricht für multiple altersbedingte Organschädigungen. Gestern hatte er sich an einem ungewöhnlichen Platz zurückgezogen. Für mich sah es so aus, als ob er sterben wollte. Nach Absprache mit dem Tierarzt wartete ich bis heute ab. Maldoror kam aus seinem Rückzugsort spätabends wieder hervor. Er konnte kaum laufen, aber hatte Appetit. Ich nahm ihn dann zu mir und er schlief auf mir fast zwei Stunden. Und dann weiter mit Essen, Trinken und mit Ankuscheln des Kopfes an meiner Hand. Trotz Schmerzmittel hatte er aber eindeutig Schmerzen. Auch wenn die dann mitten in der Nacht wieder weg waren, war mir schon vorher klar, dass jetzt der Zeitpunkt ist, sich zu verabschieden.
Und so war heute der Tag des Abschieds. Von dem besten Kater überhaupt. Hm, ja – das stimmt nicht (so ganz), weil da ja auch noch ein anderer Kater – Mortimer – da ist. Und der hat meine bedingungslose Liebe ebenso. Aber Maldoror war First Love bei Katzen. Ich werde das Schnurren nie vergessen. Das wohlige Einschmeicheln des Kopfes auf meiner Hand.
Ich danke dir für die gemeinsame Zeit.

2022.02.15, 22:24 -
C. Araxe
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